5. Jahrestag der Katastrophe von Smolensk

Heute jährt sich der 5. Jahrestag der Katastrophe von Smolensk. Noch immer ist die polnische Gesellschaft bei der Frage der Gründe für den Flugzeugabsturz gespalten. Die offizielle Version geht von Fehlern der Piloten aus. Die rechte Opposition wittert einen Anschlag auf den damaligen Präsidenten Lech Kaczynski.

Heute jährt sich der Jahrestag der Katastrophe von Smolensk zum fünften Mal. Am 10.04.2010 stürzte das Flugzeug des damaligen Präsidenten Lech Kaczynski beim Landeanflug auf Smolensk ab. Neben dem Staatschef und seiner Ehefrau kamen 87 weitere hochrangige Personen und die Crew ums Leben. Sie waren auf dem Weg zum 70. Jahrestag des Massakers von Katyn.

Auch wenn seit 2010 viel Zeit vergangen ist, die gesellschaftlichen Gräben in Polen sind bei dem Thema immer noch tief. Das bewies die heutige Demonstration der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) vor dem Präsidentenpalast. Parteichef Jaroslaw Kaczynski konnte wieder einige Hundert Anhänger versammeln. Kaczynski warf der polnischen Regierung erneut vor, bei den Ermittlungen zur Absturzursache zu schnell die Version der russischen Seite akzeptiert zu haben. Nach dieser – offiziellen – Version sollen die polnischen Piloten, welche trotz widriger Bedinungen einen Landeversuch wagten, hauptverantwortlich für das Unglück sein.

Laut Kaczynski habe die Regierung zudem nicht alles getan, was „den internationalen Standards nach solch einer Katastrophe entspreche“. So hätten auch schon längst Straßen und Plätze umbenannt und Denkmäler für die Opfer errichtet werden müssen. Bei der Demonstration skandierte die Menge „Schande!“ (poln.: hanba), um ihren Unmut über die Regierung auszudrücken.

Macierewicz legt erneut alternativen Bericht vor

Derweil hat auch Antoni Macierewicz (ebenfalls PiS) einen weiteren Bericht seiner eigenen Untersuchungskommission vorgestellt. Diese geht weiterhin von einem Anschlag aus. Demnach habe Russland in Zusammenarbeit mit der polnischen Regierung den russlandkritischen Lech Kaczynski gezielt töten lassen. Die Katastrophe von Smolensk sei zudem der Startschuss für die danach stattfindende russische Aggression in Europa gewesen. Nach Ansicht von Macierewicz stehen Smolensk, die Annektion der Krim, der Krieg in der Ostukraine und die Ermordung von Boris Niemcow in enger Verbindung. Beweise für eine Anschlagstheorie sind aber dünn – und Macierewicz‘ Experten schon oft kritisiert worden. Zudem hätte Lech Kaczynski die 2010 anstehenden Präsidentschaftswahlen höchstwahrscheinlich verloren und daher kaum aus dem Weg geschafft werden müssen.

Die Militärische Staatsanwaltschaft hatte dagegen schon gestern die neuen rekonstruierten Aufzeichnungen aus der Black Box veröffentlicht. Sie geht weiter davon aus, dass der Absturz durch eine falsche Lageeinschätzung der Crew zustande kam. In dem Zusammenhang wird darüber diskutiert, inwiefern Luftwaffengeneral Andrzej Blasiks Verhalten zu bewerten ist. Er soll auf den Aufzeichnungen zu hören sein, wie er die Crew auffordert zu landen. Zudem soll er entgegen den Bitten der Stewardess das Cockpit nicht verlassen haben. Daher wandte sich seine Witwe nun an die Öffentlichkeit und kritisierte die Rufschädigung ihres Mannes. Sie fordert zusammen mit einigen anderen Angehörigen der Opfer eine internationale Untersuchungskommission.

Es zeigt sich, dass das Thema Smolensk noch immer ein spaltender Faktor in der polnischen Gesellschaft ist. Die PiS-Anhänger gehen weiter von einem Anschlag aus und werfen ihrer Regierung ein Attentat vor. Andere, liberale Teile der Bevölkerung sehen diese „Skeptiker“ dagegen als „Smolensk-Sekte“ an. Doch ihr Einfluss ist groß: Laut Umfragen halten fast 30 Prozent der Bevölkerung die Anschlagsthese für plausibel.

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