6 Jahre Smolensk

Am 10.04. vor sechs Jahren ist die polnische Präsidentenmaschine bei Smolensk abgestürzt, das Ereignis prägt die politische Debatte bis heute. Durch die Teilung der Politik und von Teilen der Gesellschaft war der gestrige Jahrestag besonders traurig.

Smolensk-Gedenktafel für Lech Kaczynski, Maria Kaczynska und die verunglückten PiS-AbgeordnetenGestern war der nunmehr sechste Jahrestag nach dem Flugzeugunfall von Smolensk, bei dem der damalige Präsident Lech Kaczynski sowie weitere 95, teils hochrangige Vertreter der polnischen Eliten ums Leben kamen. Weitreichende Untersuchungen ergaben, dass Fehlverhalten der Piloten gepaart mit schlechten Wetterbedingungen ausschlaggebend waren. Diesmal wurde das erste Mal der Jahrestag begangen, an dem die neue Regierung um den Vorsitzenden von Recht und Gerechtigkeit (PiS) Jaroslaw Kaczynski an der Macht ist. Dementsprechend wurden die Feierlichkeiten mit besonderem Pomp geplant und angekündigt.

Es wurden einige Gedenktafeln in ganz Polen enthüllt, eine in Warschau sorgte für Wirbel, weil dort Lech Kaczynski als „gefallen im Dienst um sein Vaterland“ bezeichnet wurde. Das Wort „gefallen“ impliziert Mord bzw. eine kriegerische oder feindliche Ursache seines Todes. Dabei hätten die Piloten den Militärflughafen gar nicht anfliegen dürfen, aber diese Form der Risikobereitschaft wurde in der militärischen Flugzeugstaffel gefördert. Zum Beispiel forderte der damalige Präsident 2008 eine Landung im georgischen Kriegsgebiet. Der Pilot, der dieses ablehnte, wurde als Feigling beschimpft und ein PiS-Parlamentarier zeigte ihn an.

Die staatlichen Feierlichkeiten, die in vielen Großstädten durchgeführt wurden, erinnerten eher an PiS-Parteiveranstaltungen. In nur wenigen Fällen waren Politiker anderer Parteien dabei. Zwischen den trauenden und demonstrierenden Menschen ist es zudem zu harten Wortgefechten gekommen. Auch sah man Plakate, die einen Anschlag implizieren sowie die Forderung danach, dass „die Wahrheit“ endlich ans Licht kommen solle. Während Präsident Andrzej Duda in seiner Ansprache noch zur Einheit aufrief, schürten Jaroslaw Kaczynski und Verteidigungsminister Antoni Macierewicz den Glauben an einen Terroranschlag, für den sie jedoch bis heute keine Beweise liefern konnten. Zudem sprachen sie den Willen zur Bestrafung der damaligen Regierung um Donald Tusk aus.

Dies machte den Gedenktag zu einer traurigen Veranstaltung, die eher einer politischen Instrumentalisierung der schrecklichen Geschehnisse glich und nicht der würdigen Erinnerung an ein Unglück.

Bild: Smolensk-Gedenktafel für Lech Kaczynski, Maria Kaczynska und die verunglückten PiS-Abgeordneten // (cc) Lukas Plewnia [CC BY-SA 2.0] / polen-heute.de/Flickr

Schlagwörter: , ,


Diesen Artikel drucken
Flattr this!

2 Antworten auf "6 Jahre Smolensk"

  1. Kreuzritterfahnen, PiS-eigene Veranstaltungshelfer, religiöser Pomp über jedes Maß: Die Gedenkfeiern waren größtenteils Parteiveranstaltungen.

  2. gast in Polen sagt:

    genau so war es auch …. ich haette nur all zu gerne in Erfahrung gebracht , was diese veranstaltungen so gekostet haben und wo genau das geld dafuer her gekommen ist ?
    Die veranstaltungen dienen nur einem Zeck , die Verschwoerungstheorien nicht sterben zu lassen .
    Wer da am Ende um wen trauert ist komplett in den Hintergrund gerueckt .
    Der Zweck scheint jedes Mittel zu heiligen bei den PIS Ideologen , ob die Toten am Ende Soetwas gewollt haetten ????

Hinterlassen Sie eine Antwort

Kommentar absenden

© 2525 Polen Heute. Alle Rechte gesichert. XHTML / CSS fähig.