70. Geburtstag von Lech Walesa

Heute ist der 70. Geburtstag des ehemaligen Solidarnosc-Führers Lech Walesa. Walesa hat seinen Geburtstag ausgelassen gefeiert, in Danzig war ein Festbankett für über 500 Gäste vorbereitet worden. Auch der Lech-Walesa-Preis ist vergeben worden – an den in Russland internierten Oligarchen und Ex-Yukos-Chef Michael Chodorkowski für seine regierungskritische Arbeit. Die polnische Post hat Walesa zu Ehren eine eigene Postkarte herausgegeben.

Walesa war ursprünglich Elektriker auf der Lenin-Werft in Danzig, 1970 beteiligte er sich am ersten großen Streik auf der Werft. Dafür wurde er vier Tage lang eingesperrt und verhört. Walesa blieb jedoch im Kontakt mit den Arbeitern vor Ort – auch nach seinem Rauswurf aus der Werft. Nach dem Ausbruch des nächsten großen Streikes 1980 stand er daher bereits an der Spitze der Bewegung. Er verhandelte direkt mit den kommunistischen Machthabern und unterschrieb mehrere Vereinbarungen zur Besserung der Lage der Arbeiter – darunter die Legalisierung der Gewerkschaft Solidarnosc.

Trotz interner Kritik an seinem autokratischen Führungsstil wurde er schließlich 1981 Gewerkschaftsführer, kurz darauf ließ ihn die kommunistische Regierung im Zuge des Kriegsrechts verhaften. Walesa weigerte sich jedoch, mit der Regierung zusammenzuarbeiten und wurde schließlich 1982 wieder in die Freiheit entlassen. 1983 traf sich der tiefgläubige Katholik erstmals mit Papst Johannes Paul II. und erhielt den Friedensnobelpreis, den seine Frau Danuta entgegen nahm.

Erster Präsident nach der Wende

1989 führte er dann die Oppositionsdelegation bei den Verhandlungen am „Runden Tisch“ an. Dabei wurden die halbfreien Wahlen im Juni 1989 ausgehandelt. 1990 trat er dann als Präsidentschaftskandidat an und schaffte es in der zweiten Runde auf das höchste Staatsamt. Doch schon fünf Jahre später verlor er es wieder nach mehreren politischen Skandalen und handfesten wirtschaftlichen Problemen in Polen. Danach war sein politischer Erfolg beendet, sowohl mit seiner eigenen christdemokratischen Partei als auch in den Präsidentschaftswahlen 2000 hatte er keine Chance mehr.

Zuletzt sorgte er mit öffentlichen Äußerungen für großes Aufsehen, so empfahl er allen homosexuellen Abgeordneten im Parlament sich lieber außerhalb des Gebäudes aufzuhalten. In einer Veröffentlichung des Instituts für Nationales Gedenken wurde zudem die Frage gestellt, in welcher Form Walesa nach 1970 mit den Sicherheitsbehörden zusammengearbeitet hat. Kritiker werfen Lech Walesa vor, ein ungebildeter, papsthöriger Autokrat gewesen zu sein. Doch in der Bevölkerung war er lange Zeit dafür sehr beliebt; noch heute gilt er laut Umfragen als der zweitbekannteste Pole weltweit – gleich nach Papst Johannes Paul II. Ende des Jahres wird der Film „Wales. Mensch aus Hoffnung“ von Andrzej Wajda in die Kinos kommen, der das Leben des umstrittenen Gewerkschaftsführers näher beleuchtet.

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