Abgeordneter Biedron angegriffen

Die Polen stehen gesellschaftlichen Minderheiten überwiegend intolerant gegenüber. Dieses musste der Parlamentarier Biedron feststellen, der wiederholt auf offener Straße tätlich angegriffen wurde.

Robert BiedronPolen ist nicht gerade als Hort von Kämpfern für Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und für die Rechte der LGBT bekannt. Das ist kein Vorurteil, sondern tief im polnischen Selbstverständnis einer nationalistischen und klerikalen Gesellschaft verankert. „Gott, Ehre, Vaterland“, das sind die wichtigsten Anknüpfungspunkte für die meisten Einwohner. Andersartigkeit hat einen sehr geringen Stellenwert; Toleranz sucht man oft vergeblich.

Schwer haben es daher Aktivisten, die sich dem Mainstream entgegenstellen. Der Parlamentarier der linksliberalen Partei „Deine Bewegung“ (TR, früher Palikot-Bewegung) Robert Biedron musste das am eigenen Leib erfahren. Nach eigenen Aussagen wurde Biedron nur in den letzen zwei Jahren vier Mal tätlich angegriffen, da er ein bekannter Aktivist und Homosexueller sei. Zudem fühle er sich von den Strafverfolgungsbehörden allein gelassen.

Angriffe auf Minderheiten allseits akzeptiert

Gestern berichteten polnische Medien erneut von einem Angriff auf den Parlamentarier. Demnach soll Biedron diese Woche Donnerstag angegriffen worden sein, als er aus einem Wohnhaus ging. Zwei Briefträger hätten ihn erkannt und beleidigt. Als er diese zur Rede stellen wollte, soll ihm einer der beiden Männer zwei Faustschläge verpasst haben. Die Polizei sei erst an den Tatort gekommen, als die Briefträger schon weg waren. Der Abgeordnete erstattete am Tag nach dem Angriff Anzeige.

Biedrons Fall steht beispielhaft für die mangelnde Akzeptanz in der polnischen Gesellschaft gegenüber Minderheiten. In dem katholischen Land werden auch Atheisten offen angegriffen. Lech Walesa, Ex-Präsident Polens und Ikone der Solidarnosc-Bewegung, machte erst letztes Jahr in einem Interview Stimmung gegen Homosexuelle im polnischen Parlament. Die Welle der Empörung hielt sich in Grenzen – Walesa bleibt ein allseits anerkannter Vertreter Polens.

Bild: Robert Biedron // (cc) Lukas Plewnia / Polen Heute [CC BY-SA 2.0] / Flickr

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