Bargeld oder doch per Karte?

Bargeld oder doch per Karte? Wie wird eigentlich in Polen am liebsten gezahlt? Und spart man dort auch so viel? Im finanziellen Bereich zeigt sich, dass es Unterschiede zu Deutschland gibt.

Polnische FlaggeZuletzt gab es in Deutschland eine große Aufregung, als Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Idee äußerte, Zahlungen mit Bargeld auf maximal 5.000 Euro zu begrenzen. Es hagelte Proteste und eine Welle der Entrüstung ergoss sich über den CDU-Politiker. Eine Begründung für die geplante Einführung war die Korruptionsbekämpfung. Tatsächlich haben viele Länder wie etwa Frankreich, Portugal und Spanien aus dem Grund sehr niedrige Bargeldschwellen eingeführt. Die Höchstgrenze für Bargeldzahlungen in Polen liegt bei 15.000 Euro (ca. 62.000 Zloty). Doch ob damit Korruption und Geldwäsche effektiv bekämpft wird, darf bezweifelt werden. Die Vorzeigeländer aus Skandinavien, wo jene Vergehen gering sind, haben nämlich keine Bargeldobergrenzen.

Bargeld genießt bei vielen Menschen ein hohes Vertrauen. Doch es gibt noch weitere sichere Zahlungsmethoden. Vielleicht wegen der Bargeldobergrenze, aber vermutlich auch aus Bequemlichkeit greifen viele Menschen in Polen inzwischen zur EC- oder Kreditkarte. Im östlichen Nachbar Deutschlands errechneten die Statistiker für 2015 rund 67 Kartenzahlungen pro Einwohner im Jahr. Damit liegt Polen im Mittelfeld in Europa. Im überwachungsskeptischeren Deutschland sind es nur rund 45 Kartenzahlungen je Einwohner. Interessanterweise sind wiederum die skandinavischen Länder Spitzenreiter mit bis zu 300 Zahlungen pro Einwohner. Trotz fehlender Bargeldgrenze vertrauen die Menschen auch hier der Kartenzahlung als sicherem Zahlungsmittel.

Innovationen und Sparverhalten in Polen

Übrigens bemüht sich Polen inzwischen auch um weitere sichere oder zumindest innovative Zahlungsmethoden. So wurde im Herbst 2016 im Sejm eine Anhörung zu Bitcoins und Kryptowährungen durchgeführt, an dem Politiker, Akademiker und weitere Interessierte teilnahmen. Über ein Regierungsprogramm sind noch unter der alten Bürgerplattform-Regierung erste Ideen aufgegriffen worden, wie in Polen digitale Währungen eingesetzt werden könnten. Zwar ist dies noch kein sehr weitreichendes Projekt, liefert aber laut Insidern Starthilfe für Unternehmen, die in dem Bereich arbeiten wollen.

Wie sieht es aber überhaupt mit der Sparquote privater Haushalte in Polen aus? Wieviel Geld können die Polen eigentlich ausgeben? EU-weit wurde 2015 nach Eurostat-Angaben etwa zehn Prozent des Bruttoeinkommens angespart (sogar zwölf Prozent im Euro-Raum). Deutschland ist mit durchschnittlich 17 Prozent besonders sparsam. Lediglich Schweden (18%) und die Schweiz (23%) liegen über diesem Wert. Die Polen sind mit unter zwei Prozent nicht sehr sparsam – was darauf hindeutet, dass das gesamte (relativ niedrige) Einkommen in der Regel für den Konsum und Lebensunterhalt aufgebraucht werden muss.

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8 Antworten auf "Bargeld oder doch per Karte?"

  1. DerMitleser sagt:

    Ich bin seit gut 10 Jahren mit einer Polin verheiratet und war in dieser Zeit unzählige Male in diesem sehr gastfreundlichen Land. Allerdings habe ich tatsächlich noch nie irgendjemanden irgendetwas mit Karte bezahlen sehen…

    • ulisan sagt:

      Ich weiss nicht, wo Sie jeweils waren, aber ich kann Ihnen versichern, dass inzwischen fast ueberall mit Karte bezahlt werden kann.
      Ich lebe seit einigen Jahren mit meiner polnischen Frau in Polen und wir bezahlen ausser auf dem Wochenmarkt so ziemlich alles mit Karte.
      Vor allem das kontaktlose Zahlen ist bei kleinen Summen eine gute Sache. Polen ist auf diesem Gebiet bereits sehr viel weiter als Deutschland.

      • Deutsch-Pole sagt:

        Mich erschreckt eher wie sorglos viele Polen mit dieser gefährliche und unsicheren Zahlungsart mit den kontaktlosen Bankkarten umgehen. Anstatt in isolierten Geldbeuteln oder Hüllen vor Missbrauch zu schützen tragen die meisten die Karten offen herum, zum Teil nicht mal im Geldbeutel sondern direkt am Handy oder machmal sogar einfachlose an einem Schlüsselbund. Abgesehen davon, dass die elektronische Zanlungsart die Kunden überwachbar macht, da erkennbar wird wo und wann man eigekauft hat oder mal in der Kneipe ein Bier getrunken hat… Eine höchst bedenkliche Entwicklung auf die wir zusteuern.

  2. Fijak sagt:

    Sein 01.01 die Bargeldgrenze belaeuft sich auf 15 000 zł statt 15 000 EUR.

  3. Kasia sagt:

    DerMitleser ? Wirklich ? Ich bin Polin und ich bazahle jeden Tag mit Karte. Fast im jeden Laden kann man in Polen schon mit Karte bezahlen und Menchen machen das sehr gern 😉

    • Deutsch-Pole sagt:

      Ich lebe in Polen und beobachte jeden Tag wie viele Leute selbst für Kleinbeträge mit Karte zahlen. Ich wundere mich, dass die sich keine Gedanken wegen der Überwachung machen. Ich vermeide es mit Karte zu zahlen weil man dadurch überwachbar wird.

      • Polnisch-Deutscher sagt:

        Schon leicht paranoid oder@ Deutsch-Pole? Was interessiert den Staat, wo sie und welche Kiebasa sie gekauft haben. Aber ja sie stehen von den x Millionen Bürgern als einziger unter Bewachung. Deshalb aufpassen beim Kiebasa Kauf. Auch wenn Sie es mit Bargeld machen. Der Kiebasa Verkäufer könnte Sie verpfeifen! Oder es seinen Kolecankis sagen, dass Sie so viel Kiebasa essen! Dann wissen die auch woher der Onepack kommt! 🙂

        • Deutsch-Pole sagt:

          Paranoid? Sie werden noch ganz schön dumm aus der Wäsche schauen, wie ihre persönlichen Daten missbraucht werden… Selbst in Anbetracht der NSA und BND-Skandale ist der Staat sogar noch das kleinere Problem, die Großkonzerne reissen sich jetzt schon um die Daten des gläsernen Kunden…

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