Deutsch-Polnische Zusammenarbeit gegen Cyberkriminalität schreitet voran

Seit einigen Jahren arbeiten die polnische und deutsche Polizei beim Thema Verbrechensbekämpfung verstärkt zusammen. Besonders eng ist die Kooperation zwischen Brandenburg und den drei polnischen Grenzwojewodschaften. Doch wie ist der aktuelle Stand bei lokaler Kriminalität und illegalen Aktivitäten im Internet?

 

Polnische FlaggeKooperation verbessert

Auf einer Tagung in Kostrzyn mit mehr als 150 teilnehmenden Polizeibeamten und Staatsanwälten wurden im November die großen Fortschritte der Zusammenarbeit betont, ebenso wie die Bereiche, in denen die Kooperation in Zukunft verbessert werden könnte: Zwar gebe es leicht sinkende Kriminalitätsraten in den Grenzregionen und besseren Informationsaustausch zwischen der Polizei beider Länder, doch gerade was das Thema Internet-Sicherheit angeht, besteht noch Aufholbedarf. Daher wurde ein Vertrag mit der Polizei der Wojewodschaft Lodz unterzeichnet, über ein von der EU gefördertes Projekt zur Bekämpfung von Cyber-Kriminalität. 

 

Bekämpfung von Internet-Kriminalität

Die Maßnahmen liegen unter anderem in Cyber-Attacken begründet, die auf beide Staaten in den letzten Jahren verübt wurden – und die innerhalb nationaler Grenzen nur schwer aufzuarbeiten sind. Derartige Cyber-Angriffe sind in der Vergangenheit bereits öfter geschehen: So erhielt ein polnischer Regierungsmitarbeiter Mitte 2014 eine harmlos aussehende Mail, die scheinbar neue Informationen über ein kurz vor der Ukraine abgeschossenes Flugzeug enthielt. Als er die darin enthaltene Datei öffnete, entfesselte er jedoch unwissentlich eine Schadsoftware, die daraufhin in das polnische Regierungsnetz eindrang. Auch der deutsche Bundestag war in der Vergangenheit bereits von Cyber-Attacken betroffen – teilweise stecken sogar dieselben Angreifer hinter den bösartigen Programmen. Auch mittlere und große Unternehmen in beiden Staaten waren in der Vergangenheit bereits oft betroffen und sind in der Mehrzahl der Fälle nur unzureichend geschützt.

  

Dabei gibt es für Hacker verschiedene Möglichkeiten, Regierungsnetzwerke oder Server von Firmen anzugreifen. Die mitunter gefährlichste Art ist eine sogenannte DDoS Attacke („Distributed Denial of Service“). Hierbei handelt es sich um gezielte Angriffe, die Hacker auf Server ausführen: Durch Schadsoftware werden Datennetze, wie die von Regierungen, mit einer großen Menge an Anfragen beworfen – bis letztlich die Server unter der Last der Aufrufe zusammenbrechen. Die Folgen einer solchen Attacke: Ausfälle von Diensten, nicht zu erreichende Webseiten. Hierzu werden Computerwürmer verwendet, die weitere Rechner infizieren, um schließlich ein Botnetz aufzubauen, welches den Angriff durchführen kann. In der Zukunft könnte dies für EU-Länder große Probleme verursachen: Immer mehr Staaten schwenken nämlich auf das sogenannte „E-Government“ um, bei dem Formulare und ein Großteil der Bürokratie nur noch online funktionieren. EU-Mitgliedsstaaten wie Estland sind mit Konzepten wie „E-Residency“ hier Vorreiter – und auch Polen und Deutschland werden bald folgen müssen.  Unternehmen haben die Möglichkeit, sich durch spezielle Software gegen DDoS Attacken zu schützen. Um Cyber-Angriffen auch auf politischer Ebene effektiv vorzubeugen, ist polizeiliche Kooperation jedoch länderübergreifend nötig.

 

Zusammenarbeit nötiger denn je

Genau aus diesem Grund werden auch in den kommenden Jahren länderübergreifende Tagungen wie die in Kostrzyn stattfinden müssen. Die polizeiliche Zusammenarbeit ermöglicht daher nicht nur, die deutsch-polnische Freundschaft zu vertiefen, sondern wappnet die Staaten auch bei lokal nicht begrenzten Verbrechen wie der Cyberkriminalität besser vor Angriffen wie den oben erwähnten DDoS Attacken. Bei Erfolg könnten Polen und Deutschland mit ihrer Kooperation dadurch Vorreiter für eine noch tiefere, EU-weite Zusammenarbeit sein. Sicherheit erstreckt sich in der modernen Welt nämlich immer stärker auch auf den Bereich des Internets – und ist damit auch online eine Angelegenheit, die nur durch Kooperation zwischen Staaten zufriedenstellend gewährleistet werden kann. 

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