Die Linke ohne Kandidat?

Die Präsidentschaftskandidatin Magdalena Ogorek ist tief zerstritten mit der SLD. Diese Art des gegenseitigen Zerfleischens wird von den Wählern nicht honoriert. Doch worum geht es? Und wie geht es aus?

Am kommenden Sonntag wird in Polen der nächste Präsident gewählt, der Wahlkampf erreicht seine Höhepunkte. Die schillernden Präsidentschaftskandidaten Janusz Korwin-Mikke und Pawel Kukiz haben ihr Wahlbündnis aufgekündigt und Präsident Bronislaw Komorowski liefert sich einen deftigen Schlagabtausch mit seinem schärfsten Widersacher Andrzej Duda von der rechtsklerikalen Recht und Gerechtigkeit (PiS).

Wo bleibt da die Linke? Die größte und traditionsreichste Partei Polens, die im Land gemeinhin als links betrachtet wird, ist der Bund der Demokratischen Linken (SLD). Die Nachfolgepartei der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PZPR) hat in den letzten Jahrzehnten eine Talfahrt sondergleichen erlebt. Noch 2001 hatte sie mit rund 18 Prozent bei den Parlamentswahlen die Mehrheit erlangt und mit Leszek Miller den Premierminister gestellt. Zwischen 1995 und 2005 war das SLD-Mitglied Aleksander Kwasniewski Präsident.

Jetzt aber ist von der SLD nur wenig zu hören, sowohl personell als auch programmatisch ist die Luft dünn. Seit 2005 dümpelt die Partei bei Wahlen und Umfragen bei meist unter 10 Prozent in den grauen und sandigen Tiefen. Die Nachfolger der alten Garde wie Wojciech Olejniczak oder Grzegorz Napieralski haben sich als wenig effektiv und durchsetzungsstark gezeigt. Nun sind wieder die Altkommunisten unter Vertretung von Leszek Miller an der Spitze. Besteht in den anstehenden Präsidentschaftswahlen Hoffnung auf einen Erfolg?

Zu Beginn der Scoop perfekt

Immerhin schien zu Beginn der Scoop perfekt. Magdalena Ogorek, Intelligenz und Anmut vereint, warf für die Partei ihren Hut in den Ring: eine Präsidentschaftskandidatin wie aus dem Bilderbuch. Doch kurz darauf kam die Ernüchterung, nur wenige Auftritte in der Öffentlichkeit, keine Interviews, kein offensiver Medienwahlkampf. Bei Gelegenheit hatte sogar Miller für Ogorek geantwortet, während sie daneben stand, und somit Aussagen der Kandidatin verhindert – ein in den Medien gefeierter Affront.

Dann wurden Berichte über Streitigkeiten der SLD mit Ogorek publiziert. Demnach konnte sogar ein Wahlwerbespot nicht fertiggestellt werden, da der Bund die Kosten für diesen nicht zur Verfügung stellte. In den Medien konnte man von Zwistigkeiten und vom Kampf zwischen der Professorin und der linken Kraft lesen. Dementsprechend kommen vermehrt Stimmen aus der Partei, die sich von Ogorek distanzieren. Ihr wird ein allzu selbständiger Wahlkampf vorgeworfen, der sich nicht an der Parteilinie orientiert, sich gar im Gegenteil schwerlich zur SLD bekennt.

Vorhergesagt wird der früheren Laienschauspielerin und Moderatorin ein Wahlergebnis im niedrigen einstelligen Bereich, was ein Erdbeben in der Partei mit kommunistischen Wurzeln auslösen kann. Kommentatoren mutmaßen, dass Leszek Miller dann endgültig abtreten muss, um in einer Reihe mit Aleksander Kwasniewski als Elder Statesman auf Festveranstaltungen und im Fernsehen zu brillieren. Was aber kommt danach? Wird so das Ende der SLD eingeleitet?

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Eine Antwort auf "Die Linke ohne Kandidat?"

  1. h.g.k sagt:

    Mit Frau Magdalen Ogorek hat Polen eine junge intelligente Politikerin die den Mut hat zu mindestens wirtschaftliche Beziehungen zu Russland wieder herzustellen .Aber somit hat Polen eine riesen Chance vertan .

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