Diskussion um Ascheverstreuung

Im polnischen Parlament wurde heute über das aus dem Jahre 1959 stammende Friedhofs- und Bestattungsgesetz debattiert. An dem Projekt der Novellierung arbeitet die Polnische Bauernpartei (PSL), die ein Verbot der Ascheverstreuung an beliebigen Orten fordert. Im geltenden Gesetz ist diese Frage nicht eindeutig geklärt. Um die Idee der Gesetzänderung entbrandte sofort eine heftige Diskussion, die Meinungen der Politiker sind geteilt. Ganz entschieden für die freie Wahl des Ortes der Ascheverstreuung sind die Parteien Palikot-Bewegung (RP) und Bund der Demokratischen Linken (SLD).

Die Polnische Bestattungskammer – eine Einrichtung, die alle Bestattungsinstitute vereinigt und ihre Interessen vertritt – sprach sich dagegen gegen die Verstreuung überhaupt aus. Die Institution ist überzeugt, dass Ascheverstreuung typisch für die Nazis war, die auf diese Weise die Erinnerung und alle Spuren ihrer Opfer verwischt haben. Diese Aussage wurde von einem Abgeordneten aus der SLD, Marek Balt, als empörend bezeichnet. Weiterhin betonte er, dass jeder selbst bestimmen dürfen soll, wie und wo er seine letzte Ruhe finden möchte. Andernfalls seien allein die Verwandten die einzigen Berechtigten, darüber zu entscheiden.

Geht es ums Geld?

Marek Balt sowie viele anderen Politiker werfen der Polnischen Bestattungskammer vor, dass sie für das Verbot der Ascheverstreuung sei, weil die Bestattungsinstitute auf diese Art und Weise mehr verdienen möchten. Derartiges Verhalten sei laut dem Politiker skandalös. Der gewöhnliche Preis für ein Grab beträgt etwa 1.800 Zloty. Dazu kommen noch die Kosten der Bestattung und eines Denkmals, wobei sich die Kosten einer Einäscherung nur auf ca. 200-300 Zloty belaufen.

Witold Skrzydlewski von der Bestattungskammer ist jedoch überzeugt, es gehe nicht um Geld, sondern um die Würde der Verstorbenen. Er meint, es handle sich um die Überreste von Menschen und jeder habe es verdient, würdevoll bestattet zu werden – also auf einem Friedhof oder in einem Kolumbarium. Das Geld spiele dabei keine Rolle.

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