Emigrationswelle aus Polen

Zeitungsberichten zufolge erreicht die Emigrationswelle aus Polen 2013 einen neuen Höhepunkt. Die massenhafte Auswanderung bestätigen staatliche Stellen. Die Ursachen dafür liegen bei der polnischen Regierung und in der Verwaltung.

Donald TuskDie Emigrationswelle aus Polen erreichte letztes Jahr einen vorläufigen Höhepunkt, melden heute polnische Medien. Nach Meinung von Experten seien 2013 circa 500.000 Menschen aus Polen ausgewandert. Demnach befänden sich rund 2,6 Millionen Polen im Ausland. Die Auswanderung sei darüber hinaus kritischer zu betrachten, da jetzt ganze Familien auswandern. In den Jahren zuvor seien nur einzelne Polen ausgewandert, die ihre Familien im Heimatland ließen und nicht dauerhaft im Ausland bleiben wollten.

Aktuelle Zahlen des polnischen Hauptstatistikamtes stützen diese Angaben, gleichwohl derzeit nur Werte bis 2011 vorliegen. Somit sind 2011 fast 266.000 Polen ausgewandet. Insgesamt leben circa 637.000 Polen in Großbritannien, fast 500.000 in Deutschland und knapp 118.000 in Irland. Die Einwanderung nach Polen, größtenteils aus der Ukraine und Weißrussland, ist verschwindend gering – eine Kehrtwende ist nicht in Sicht.

Die Probleme sind offensichtlich

Dabei sind die Probleme und Ursachen für die Emigration offensichtlich und liegen größtenteils in der Gesetzgebung und den Behörden. Die Regierung ist nicht daran interessiert, sich der Armutsbekämpfung zu widmen und eine größere Umverteilung in der Gesellschaft zu erwirken. Haushaltskonsolidierung und Wirtschaftsförderung sind die Hauptziele. So besteht noch immer ein relativ hoher Mehrwertsteuersatz von 23 Prozent und fast alle Einkommen aus abhängiger Beschäftigung werden mit 18 Prozent besteuert. Damit belastet der Fiskus überproportional „den kleinen Mann“ und verschont große und ganz große Einkommen.

Darüber hinaus sind die Finanzämter massiv unterbesetzt und können kaum prüfen, was große Wirtschaftsberatungsunternehmen an Unterlagen einreichen. Diese Leistung können der polnische Staat und die Bevölkerung nicht von Behörden erwarten, die teilweise eine Ausstattung haben, die mehrere Jahrzehnte überdauerte; wo Menschen mit uralten Computern arbeiten und Angst haben müssen, dass die Aktenschränke über ihnen zusammenbrechen.

Da hilft es auch nicht, wenn die Regierung überraschenderweise verkündet, Polen wolle zu den Top 20 in der Welt aufrücken. Gut ausgebildete Polen verlassen trotz der schönen Worte das Land, um im Westen vier Mal mehr zu verdienen und lassen die Alten und Schwachen zurück.

Regierungschef Donald Tusk // (cc) M. Śmiarowski/KPRM [CC BY-NC-ND 2.0] / Flickr

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