In eigener Sache: Deutsch-polnische Beziehungen – Fußball vereint

Polen und Deutschland auf dem grünen Rasen – da war doch mal was? Die Älteren erinnern sich sicher an die dramatische Wasserschlacht von Frankfurt 1974, als Deutschland die fußballerisch eigentlich besseren Polen aus dem Turnier kegelte und später Weltmeister wurde. Die Jüngeren denken sicher gerne an das WM-Vorrundenspiel in Dortmund 2006 zurück, als David Odonkor in der 90. Minuten den rechten Flügel runterflitzte und mustergültig Oliver Neuville bediente – 1:0 für Deutschland, grenzenloser Jubel im Stadion und auf den Fanmeilen der Republik.

Die Spiele zwischen Deutschland und Polen haben also eine lange Tradition und schon immer für aufregende Spielehighlights gesorgt. Doch die Beziehungen im Fußball gehen ja eigentlich noch viel tiefer: Auch auf Vereinsebene sind die Polen in Deutschland schon lange höchst erfolgreich. Der berühmte „Schalker Kreisel“ der 20er-, 30er- und 40er-Jahre kam nicht ohne geniale Fußballer mit polnischen Wurzeln aus, wie die Nachnamen von Ernst Kuzorra und Fritz Szepan verraten. Das von seinen Gegnern verächtlich „Polackenverein“ genannte Schalke 04 gewann mit ihnen unzählige regionale und nationale Meistertitel.

Und auch heute stehen die Polen für Erfolg: Die jüngsten beiden Deutschen Meisterschaften von Borussia Dortmund sind mit tatkräftiger Unterstützung der Kicker von jenseits der Oder geholt worden. Łukasz Piszczek, Jakub Błaszczykowski und Robert Lewandowski heißen die Helden der Schwarz-Gelben. Besonders Lewandowski, der in 92 Bundesligaspielen bereits überragende 51 Tore erzielt hat, wird schon mit den ganz Großen im Geschäft in Verbindung verbracht; Manchester United und Bayern München sollen interessiert sein, bis zu 40 Millionen Euro Ablöse stehen für den 24-Jährigen im Raum.

Polen hat also schon immer große Fußballer hervorgebracht, die in Deutschland ihre herausragenden Qualitäten bewiesen haben. Dies ist ein untrüglicher Beweis für die guten Trainings- und Ausbildungsbedingungen in Polen.

Auch der Wartenberger SV e.V. Berlin ist dabei

An diese Tradition knüpfte im Kleinen auch der Wartenberger SV e.V. Berlin an. Der Verein ist um gute Beziehungen zwischen den Nachbarländern bemüht, zumal viele Mitglieder polnischer Herkunft sind und die Grenze zu Polen unweit von Berlin liegt.

Ende März war es soweit: die Jugendmannschaft des Vereins reiste für fast eine Woche ins Trainingslager in die nahe der deutschen Grenze gelegene polnische Küstenstadt Kolberg. Eine intensive Trainingswoche wartete auf die Nachwuchsspieler – mit viel Energie und Tatkraft wurden die Trainingseinheiten absolviert. Der Höhepunkt der Reise kam jedoch am Tag vor der Abreise auf die Spieler zu: ein echtes Länderspiel mit allem Drum und Dran war organisiert worden.

Die jungen Kicker des Wartberger SV traten gegen die Jugendmannschaft des örtlichen Fußballvereins Kotwica Kołobrzeg an. Aber zuerst wurden die Nationalhymnen gespielt, der Bürgermeister von Kolberg hielt eine Rede und führte den Ehrenanstoß durch. Dann ging es los – Zweikämpfe wurden geführt, Schweiß und Tränen vergossen. Leider konnten die deutschen Kicker keinen ruhmreichen Sieg erringen, die Polen waren klar spielstärker und taktisch viel versierter. Doch nach dem Spiel heißt vor dem Spiel und ein riesiger Spaß und eine tolle Herausforderung war es allemal. Und da die Tribüne so gut gefüllt war, konnten die Kicker auch einen Hauch von Länderspielatmosphäre spüren.

Am nächsten Tag ging es nach Hause mit dem guten Gefühl, eine tolle Zeit in Polen verbracht und zusätzlich einen kleinen Beitrag zur Völkerverständigung geleistet zu haben.

Die Redaktion von Polen Heute freut sich darüber, an der Organisation der Reise nach Polen mitgeholfen zu haben, und wünscht dem Wartenberger SV viel Erfolg in der Saison!

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Eine Antwort auf "In eigener Sache: Deutsch-polnische Beziehungen – Fußball vereint"

  1. Toni Freiberg sagt:

    Ein sehr schön geschriebener Artikel!

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