Geldstrafen für Verweigerung der Impfung

In den letzten Jahren verbreitet sich in Polen ein beunruhigender Trend, Kinder nicht impfen zu lassen. Die vermeintlichen gesundheitlichen Folgen – die meistens nicht auf der Wahrheit beruhen – erschrecken immer mehr Eltern. Für die Verweigerung der Impfungen drohen Geldstrafen, ein Ehepaar wurde sogar von einem Arzt vor Gericht gebracht.

Wenn ein Kind zur Welt kommt, soll es in den ersten 24 Stunden seine ersten, obligatorischen Impfungen bekommen. Sollten die Eltern das verweigern, tragen die Ärzte das in eine Liste ein, die später an das Ordnungsamt (Sanepid) weitergeleitet wird. Sanepid kontaktiert zunächst die Eltern und versucht, sie mit Infomaterialien von den Impfungen zu überzeugen. Sollte dies nicht helfen, werden Mahnungen geschickt und den Eltern kann eine Geldstrafe auferlegt werden.

Die Geldstrafen können einmalig bis 10.000 Zloty (etwa 2.500 Euro) betragen. Diese kann allerdings auch mehrmals auferlegt werden, so dass der maximale Betrag sich auf 50.000 Zloty (etwa 12.000 Euro) belaufen kann. Doch die meisten Geldstrafen variieren zwischen ein paar Hundert und 5.000 Zloty (etwa 1.200 Euro). Diese Strafen sollen ein starker Anreiz sein, das Kind impfen zu lassen. Viele Eltern verzichten trotzdem auf die Impfungen der Kinder.

In Polen gab es schon einige Fälle, dass Eltern von nicht geimpften Kinder vor Gericht gebracht wurden. Der jüngste Fall betrifft junge Eltern aus Inowroclaw – sie wollten ihre jüngere Tochter nicht impfen lassen, weil ihr erstes Kind angeblich große gesundheitliche Probleme gehabt haben soll.

Ärzte in Polen betonen, dass Gerüchte, laut denen Impfungen Autismus oder schwere gesundheitliche Schäden hervorrufen können, nicht wahr sind und Eltern sich immer von kompetenten Ärzten beraten lassen sollten – und nicht von Internetforen, wo viele Mythen und falsche Informationen verbreitet werden. Selbst Gesundheitsminister Konstanty Radziwill appellierte an die Eltern, dass dank den Impfungen viele Krankheiten praktisch nicht mehr vorkommen. Die nicht geimpften Kinder stellen nämlich eine Gefahr für sich selber, andere Kinder und Erwachsene dar.

Bild: Gesundheitsminister Konstanty Radziwill // (cc)  P.Tracz/KPRM [Public Domain Mark 1.0] / Flickr

Schlagwörter: , , , ,

Weitere interessante Artikel:

Verschreibungspflichtige „Pille danach” immer näher Verschreibungspflichtige „Pille danach” immer näher
Die „Pille danach” wieder rezeptpflichtig? Die „Pille danach” wieder rezeptpflichtig?
Reform des Gesundheitsystem vorbereitet Reform des Gesundheitsystem vorbereitet
Reform des Gesundheitswesens in Sicht Reform des Gesundheitswesens in Sicht