Genossenschaftsbanken in Nöten

Die polnischen Genossenschaftsbanken (SKOK), sind in Erklärungsnöte geraten. Die 55 Banken mit rund 2.000 Zweigstellen haben knapp zweieinhalb Millionen Mitglieder und Einlagen von umgerechnet rund dreieinhalb Milliarden Euro. Seit 2012 werden die Genossenschaftsbanken von der Finanzaufsichtskommission (KNF), die sich aus Vertretern der Banken, Juristen und Vertretern der wichtigsten Ministerien zusammensetzt, kontrolliert.

Gleich der erste Bericht der KNF im Juni 2013 war vernichtend: trotz einem Gesamtgewinn von rund 60 Millionen Euro haben über die Hälfte der 55 Kassen 2012 Verluste gemacht. Die Eigenkapitalquoten der meisten Banken sind dramatisch niedrig, einige besitzen überhaupt kein Eigenkapital. Dazu kommt, dass fast jeder dritte Kredit der Genossenschaftsbanken „faul“, d.h. vom Ausfall bedroht ist. Den SKOKs wird zudem vorgeworfen, dass sich führende Vorstandsmitglieder enorm hohe Vergütungen genehmigen.

Auch Rydzyk Mitglied in einer Genossenschaftsbank

Die erste Konsequenz des Berichts aus dem Juni ist heute gezogen worden. Der Vorstand einer Genossenschaftsbank in Rumia (nahe Danzig) wurde durch einen kommissarischen Verwalter ersetzt. Die KNF fordert von über zwei Drittel der Banken tiefschürfende Korrekturen, die sie mit Bestimmtheit durchsetzen will. Sie selbst schätzt, dass umgerechnet rund 120 Milliarden Euro gebraucht werden, um die Banken zu sichern. Eventuell soll dazu der Stabilitätsfonds der Banken angezapft werden.

Auch die Meldung, dass eine Stiftung des polenweit bekannten Redemptoristenpaters Tadeusz Rydzyk in diesem Jahr Mitglied einer Genossenschaftsbank geworden ist, sorgt für einiges Aufsehen. Die Stiftung Lux Veritatis (Licht der Wahrheit) hat eine Schuldverschreibung von umgerechnet rund dreieinhalb Millionen Euro erhalten. Polnische Medien spekulieren, dass es Rydzyk erst dadurch möglich wurde, seinen religiösen Fernsehsender TV Trwam ins digitale Fernsehen zu bekommen. Zunächst war ihm keine Konzession für die Senderechte eingeräumt worden – unter anderem mit der Begründung, dass TV Trwam keine finanzielle Grundlage habe. Anfang Juli änderte der Nationale Rundfunkrat (KRRiT) jedoch überraschend seine Meinung.

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