Gesundheitswesen: Der gläserne Patient?

Seit einiger Zeit bahnt sich im polnischen Gesundheitswesen eine Revolution an. Mit dem 1. Januar 2013 trat bereits das eWUS-System in Kraft – hierbei handelt es sich um ein zentrales Informationssystem, das die Identifizierung der Versicherten beim Arzt, Psychologen oder im Krankenhaus ermöglicht. Grundlage dafür ist die PESEL-Nummer – jeder Pole bekommt eine solche zugewiesen; unter der Nummer können unter anderem Name, Geburtsort und -datum, Adresse sowie Geschlecht abgerufen werden.

Vor einigen Tagen wurde eine weitere Neuerung im Gesundheitswesen eingeführt: das Integrierte Patientensystem (ZIP). Damit kann der Patient über das Internet prüfen, ob er eine gültige Krankenversicherung hat sowie Details zu seinen Versicherungsleistungen wie Rezepte oder der Abrechnung von Behandlungen abfragen. Die Daten sind rückwirkend ab 2008 abrufbar – in Zukunft wird aller Voraussicht nach der Patient den Arzt online bewerten können. Um jedoch das System nutzen zu können, muss der Versicherte bei der örtlichen Vertretung Anmeldedaten beantragen, mit denen er sich auf einer speziellen Internetseite (zip.nfz.gov.pl) einloggen kann.

Diese Änderungen sind lediglich ein Teil einer breiteren Reform im Gesundheitswesen. Schon im Oktober 2012 und dann im März 2013 kündigte Gesundheitsminister Bartosz Arlukowicz, Bürgerplattform (PO), eine Dezentralisierung des Systems an. In Zukunft soll die Koordinierung und Verwaltung des aus Nationalem Gesundheitsfonds (NFZ) bestehenden Systems auf regionaler Ebene vollzogen werden.

Informationssicherheit

Eine Diskussion über Datensicherheit und -missbrauch findet in Polen, wenn überhaupt, nur am Rande statt. Es herrscht kein Bewusstsein dafür, dass unter anderem online gespeicherte und abrufbare Krankendaten genutzt werden können, um den Versicherten zu schaden. Ebenso sind Datenklau und -handel nicht im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Dementsprechend besteht vor allen Dingen Sorge darüber, ob das System richtig funktionieren wird – der Fokus liegt ferner auf der technischen Innovation und den Vorteilen.

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