Kuklinski: Filmpremiere von Jack Strong

Er ist der 007 Polens – aber in Echt: Ryszard Kuklinski wird als einer der bedeutendsten polnischen Agenten angesehen. An ihm wäre fast der Beitritt Polens zur NATO gescheitert. Jetzt läuft der Film „Jack Strong“ in den polnischen Kinos an, feiert Kuklinski und bringt ein ganzes Stück Ost-West-Geschichte zurück ins Bewusstsein. Doch auch zehn Jahre nach seinem Tod weckt der Geheimagent Kontroversen.

Kurz vor dem 13. Dezember 1981 – der Einführung des Kriegsrechts – musste es schnell gehen. Der polnische Geheimagent Ryszard Kuklinski, Pseudonym Jack Strong, floh mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen aus Polen. Mit Hilfe der CIA kam er in die USA, drei Jahre später wurde er in der Volksrepublik Polen unter Abwesenheit zum Tode verurteilt. Erst in den späten 1990er Jahren wurde er vollständig rehabilitiert und ihm der Rang des Oberst wieder zuerkannt. Ex-Premier Leszek Miller (Bund der Demokratischen Linken, SLD) sagte später, Kuklinskis Rehabilitation sei eine inoffizielle Bedingung für die Aufnahme Polens in die NATO gewesen.

Kuklinskis Wirken für den Westen begann in den 1970er Jahren. Er nahm, damals hoher Militär, Kontakt mit der CIA auf; 1972 kam es zum ersten Treffen in Den Haag. Kuklinski wollte der Sowjetunion schaden, die damals von vielen Polen als Besatzungsmacht und Kolonialherr betrachtet wurde. In den darauf folgenden zehn Jahren übergab er den Amerikanern mehrere tausend Seiten teils hochgeheimer Dokumente. Darunter waren taktische Pläne der UdSSR für einen Nuklearschlag, technische Daten der neusten sowjetischen Waffen sowie die Positionierung von Flugabwehrraketen in der DDR und in Polen.

Filmpremiere

Sein Wirken als Geheimagent wurde verfilmt und kommt unter dem Titel „Jack Strong“ in die polnischen Kinos – morgen ist die Filmpremiere. Der Film erfährt von Kritikern viele Vorschusslorbeeren. Er soll nicht nur spannend sein, sondern darüber hinaus auf historischen Fakten aufbauen. Nicht bekannt ist, ob er außerhalb Polens in die Kinos kommt.

Doch ein Garant für gute und tiefsinnige Action ist Wladyslaw Pasikowski, der Regie bei dem Agentendrama führte. Pasikowski ist verantwortlich für die bekanntesten polnischen Actionfilme wie Psy (Hund), Psy II: Ostatnia Krew (Hunde 2: Das letzte Blut) oder Operacja Samum (Operation Samum).

Kontroversen über den polnischen 007

Kuklinski ist fast schon eine Legende in Polen – er wurde Ehrenbürger von Krakau und Danzig. Obwohl sein Engagement im Kalten Krieg von vielen Kommentatoren lobend hervorgehoben wird, sehen Kritiker seine Rolle in einem ganz anderen Licht. Diese beziechnen ihn als Verräter, der die polnische Armee in Gefahr brachte. Bei einem Krieg hätten demnach polnische Soldaten unnötig Schaden nehmen können, da er viele wichtige Informationen an den Gegner weiterreichte.

Da viele seiner Aktionen noch immer geheim sind, wird ihm zudem vorgeworfen, er sei eine Art Doppelagent gewesen, der auch für den russischen Geheimdienst tätig war. So soll die Informationsweitergabe an den Feind des Öfteren nützlich gewesen sein, da sie – wie bei der Einführung des Kriegsrechst in Polen – zur Vorhersehbarkeit führte. Dadurch mussten die kommunistischen Machthaber keine Intervention des Westens fürchten.

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