Lepper: Jahrestag eines tragischen Todes

Heute vor zwei Jahren schlug die Nachricht ein wie eine Bombe: Andrzej Lepper tot aufgefunden in der Parteizentrale der Selbstverteidigung (Samoobrona) in Warschau. Laut Medienangaben erhängte sich der ehemalige Vorsitzende der Partei im Badezimmer an einer Schnur. Schon kurz nach dieser Nachricht sind unterschiedliche Theorien zum Tathergang aufgekommen – Selbstmord war nur eine davon.

Denn enge Weggefährten und Parteifreunde bestritten stets, ein Freitod wäre denkbar gewesen; zumal Leppers Familie unter anderem finanzielle Probleme hatte und er sie nicht alleine gelassen hätte. Darüber hinaus war Lepper in einige Affären und Gerichtsverfahren verwickelt – hauptsächlich durch sein Eingreifen ist die von ihm vorher mitgetragene Regierung um Premierminister Jaroslaw Kaczynski (Recht und Gerechtigkeit, PiS) auseinandergebrochen. Damals beschuldigte er Premierminister Kaczynski, dieser habe den Machtapparat missbraucht, um gegen Koalitionspartner und die Opposition vorzugehen. Lepper bekleidete zuvor das Amt des Vize-Premierministers und war Landwirtschaftsminister. Die Regierungszeit war überschattet von vielen Streitigkeiten innerhalb der Koalition aus PiS, Selbstverteidigung und Liga Polnischer Familien (LPR) – Lepper wurde mitunter für diese verantwortlich gemacht.

Die Neuwahlen im Jahre 2007 brachten eine Koalition aus Bürgerplattform (PO) und polnischer Bauernpartei (PSL) an die Macht; diese wurde Ende 2011 wiedergewählt und regiert bis heute. Selbstverteidigung kam nach einer schweren Wahlniederlage nicht mehr ins Parlament – PiS hingegen wurde zweitstärkste Kraft und ist bis heute die führende Oppositionspartei.

Gedenken einiger Freunde

Heute nun gingen einige Dutzend Freunde und politische Weggefährten durch die Straßen Warschaus und erinnerten an den bekannte Politiker. An der früheren Parteizentrale der Selbstverteidigung legten sie einen Kranz nieder und zündeten Kerzen an. Funktionäre der Partei bekundeten, das Gedenken an Lepper solle dazu beitragen, der noch existierenden Selbstverteidigung neuen Aufschwung zu geben. Sie fordern zudem eine Wiederaufnahme der Untersuchung zu seinem Selbstmord; denn von offizieller Seite wurden Ermittlungen eingestellt, da keine Hinweise auf Fremdeinwirkung gefunden werden konnten.

Andrzej Lepper erlangte Berühmtheit als Volkstribun mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen – der Landwirt war nie bekannt als Staatsmann oder angepasster Politiker des Establishments. Oft wurde ihm Populismus vorgeworfen. 2001 zog er zum ersten Mal mit seiner Partei in den Sejm (polnisches Parlament) ein – diese konnte über 10 Prozentpunkte im Vergleich zu den vorherigen Wahlen im Jahre 1997 zulegen, sie erlangte somit einen Stimmenanteil von 10,2 Prozent. In den darauffolgenden Wahlen 2005 konnte Selbstverteidigung mehr als einen Prozentpunkt zulegen. Das Markenzeichen der Partei waren rot-weiß gestreifte Krawatten; die Parlamentarier der Selbstverteidigung setzten sich größtenteils aus Landwirten zusammen, die vor dem Einzug ins Parlament geringe politische Erfahrungen aufweisen konnten.

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