Marihuana in aller Munde

Seit Jahren tobt in Polen ein Kampf um die Legalisierung von weichen Drogen – die aktuelle Gesetzgebung sieht bis zu drei Jahren Gefängnis für deren Besitz vor. Die Palikot-Bewegung (RP) möchte nun eine Gesetzesinitiative ins polnische Parlament (Sejm)  einbringen, die genau diese kleinen Mengen legalisiert.

Dieses hat unter Vertretern konservativerer Gruppierungen im Parlament Entrüstung ausgelöst. Mitglieder der Partei Solidarisches Polen (SP) plädieren für eine Anhebung der Strafen für den Besitz von Drogen. Vertreter der regierenden Bürgerplattform (PO) halten die bestehenden Regelungen für ausreichend. Die Linke (SLD) ist als einzige Partei außer der Palikot-Bewegung für die Legalisierung von weichen Drogen. Daher ist eine Mehrheit im Parlament für die Initiative relativ unwahrscheinlich. Und auch mehr als zwei Drittel der polnischen Bevölkerung ist aktuellen Umfragen zufolge dagegen.

Der unmittelbare Auslöser für die erneute Diskussion über die Legalisierung von weichen Drogen ist ein durch die Medien bekannt gewordener Selbstmord eines 16-jährigen Jungen an Heiligabend 2012. Die Mutter sagte den Medien, der Junge habe sich aufgrund des Konsums von Marihuana umgebracht.

Die Palikot-Bewegung ist schon früher durch Aktionen für die Legalisierung von weichen Drogen wie Marihuana aufgefallen. Anfang 2012 wurde zum Beispiel eine Protestaktion in unmittelbarer Näche des Parlament organisiert, in deren Verlauf der Vorsitzende der Palikot-Bewegung Janusz Palikot etwas anzündete und rauchte, das aussah wie ein Joint.

Schlagwörter: , , ,


Diesen Artikel drucken
Flattr this!

4 Antworten auf "Marihuana in aller Munde"

  1. Dada sagt:

    Und wie viele Menschen nehmen sich (täglich, jährlich, weltweit) nach Alkoholkonsum das Leben? Und was jetzt, Wodka verbieten?

    • Lukas Plewnia sagt:

      Und das ist genau das Problem – die Diskussion findet im luftlehren Raum statt. Es gibt unzählige Untersuchungen, die belegen, dass der Alkoholkonsum wesentlich gefährlicher ist als andere Drogen. Marihuana wird sogar bescheinigt, eine eher harmlose Droge zu sein, die körperlich nicht abhängig macht. Politiker in Polen fragen sich dann in Interviews gegenseitig, ob denn die Gegenseite den eignen Kindern erlauben würde, Marihuana zu rauchen oder es sogar wollen würde. Als gemeiner Zuschauer fragt man sich dann, wann die Politiker-Eltern mit ihren Kindern am Abend die Flasche Wodka trinken.

    • Lars Leschewitz Lars Leschewitz sagt:

      Man könnte auch sagen: Im vergangenen Jahr haben über 300 Soldaten der US Army Selbstmord begangen. Vielleicht sollten wir dann endlich Kriege verbieten?

      • Dadaismus sagt:

        Meine Güte! Das kann man alles gar nicht glauben!
        Also allein wegen diesem Bericht müsste jedem noch so eingefleischten Gegner der Legalisierung unschwer auffallen, dass es eben NICHT um gesundheitliche Probleme geht, eben nicht um den Schutz des Bürgers.
        Mit trauriger Sicherheit hat das Verbot ganz andere Gründe.

        Wie meine Vorgänger schon schrieben: Alkohol wäre bei solchen Gründen wie Selbstmord oder generell Tod durch Rauschgift das allererste, das verboten werden müsste. Und während sich auch hier in Deutschland jeden Tag unregistriert tausende Menschen in aller öffentlichkeit bis zur Besinnungslosigkeit betrinken und pöbeln werden die ebenso zahlreichen Cannabis-Konsumenten neben Heroinabhängige gestellt.

        Offensichtlich und ohne jeden Zweifel sind die Menschen, die diese Politik betreiben, nicht informiert. Überhaupt nicht.

        Und durch diese Entscheidungen verliert für mich die ganzheitliche Politik JEDE Glaubwürdigkeit und Autorität.
        Ich bin sehr kritisch und schwerer beinflussbar geworden, seit dem ich mich über dieses eine Thema informiert habe.
        Gute Arbeit!!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Kommentar absenden

© 2017 Polen Heute. Alle Rechte gesichert. XHTML / CSS fähig.