Modlin-Flughafen kreuzt Regierungspläne

Die Woiwodschaft Masowien will den Flughafen Modlin mit Warschaus Zentrum verbinden. Dieser Plan durchkreuzt die langfristigen Pläne der polnischen Regierung, einen zusätzlichen dritten Zentral-Flughafen zu bauen. An diesem sind auch Chinesen interessiert.

Kulturpalast in WarschauDer Warschauer Flughafen Modlin ist mit seinen 3 Millionen Passagieren jährlich wesentlich kleiner als der Flughafen Chopin, welcher laut Prognosen schon im Jahr 2035 seine maximale Kapazität von 25 Millionen Passagieren erreichen wird. Der Flughafen Chopin liegt günstig, nämlich nur sieben Kilometer von der Innenstadt entfernt. Dies ist jedoch auch der Grund, warum er nicht weiter ausgebaut werden kann.

So wird der kleine Bruder Modlin langsam, aber sicher eine wesentlich wichtigere Rolle einnehmen, als man das vorausgeahnt hat. Der Flughafen sollte nur eine Entlastung für den Hauptflughafen sein. Die polnische Regierung wollte nämlich einen weiteren zentralen Flughafen bauen lassen.

Nun will die Wojewodschaft Masowien die Achillesferse des Modlin-Flughafens loswerden: die fehlende infrastrukturelle Direktanbindung an Warschaus Zentrum. Momentan muss man zum Bahnhof in Modlin reisen und von dort mit dem Bus zum Flughafen. Es dauert wesentlich länger und kostet auch mehr als eine mögliche Direktverbindung. Das lässt viele mit dem Auto fahren, was wiederum zur Überfüllung des Autoparkplatzes führt.

Direktverbindung zur Innenstadt geplant

Eine Direktverbindung Modlins mit der Warschauer Innenstadt würde dazu führen, dass die Regierung von ihrem Neubauplan ablassen müsste oder ihn zumindest überdenken müsste. Man wollte einen weiteren Zentral-Flughafen zwischen Warschau und Lodz bauen. Sehr daran interessiert waren auch die chinesische Regierung und chinesische Großinvestoren. In den letzten Monaten erklärte China, dass Polen für die Volksrepublik das Tor nach Westeuropa werden solle und das Handelsvolumen mit Polen erhöhen werde. Lodz solle eine zentrale Umladestelle werden. Dazu bräuchten sie jedoch einen wesentlich größeren Flughafen. Dieser Zentral-Flughafen sollte bis zu 50 Millionen Passagiere jährlich bedienen können.

Diese hohe Kapazität würde jedoch wahrscheinlich das Ende des Flughafens Modlin bedeuten. Es verwundert also nicht, dass die Woiwodschaft den Regierungsplänen zuvorkommen will und den Bau der Zugstrecke schon im Juli bestätigt hat. Die Kosten belaufen sich auf 120 Millionen Zloty (ca. 28 Mio. Euro). Der erste Zug soll schon 2020 fahren. Ein Konflikt zwischen der Staatsregierung und der Woiwodschaft Masowien ist also schon vorprogrammiert. Immerhin hat man der chinesischen Regierung eine infrastrukturelle Anbindung versprochen und solche Versprechen kommen Verträgen gleich.

Bild: Kulturpalast in Warschau // (cc) Lukas Plewnia [CC BY-SA 2.0] / Flickr, polen-heute.de

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