Mutmaßlicher pädophiler Bischof aus dem Klerus geworfen

Der seit einigen Monaten von den Medien nicht mehr verfolgte Fall von Kindesmissbrauch durch polnische Geistliche in der Dominikanischen Republik wurde heute wieder aufgerollt. Ursache ist die Mitteilung des vatikanischen Pressebüros, dass der vermeintliche Kinderschänder Erzbischof Jozef Wesolowski aus dem Klerus geworfen wurde.

Der Verweis aus dem Priesterstand ist die höchste Strafe wegen Kindesmissbrauchs für Geistliche in der katholischen Kirche. Diese Entscheidung gegenüber dem nun ehemaligen Bischof Wesolowski traf der Gerichtshof erster Instanz bei der Kongregation für die Glaubenslehre im Vatikan. Gemäß dem vatikanischen Recht hat Wesolowski nun zwei Monate Zeit, Widerruf zu erheben.

Bischof Jozef Wesolowski war als apostolischer Nuntius in vielen Ländern der Welt tätig – unter anderem in Südafrika, Japan, der Schweiz, Indien, Dänemark und schließlich in der Dominikanischen Republik. Gleichzeitig war er ein päpstlicher Delegierter in Haiti und Porto Rico. Von diesem Amt wurde er durch Papst Franziskus nach den ersten Verdächtigungen auf Pädophilie im August 2013 abberufen.

Staatsanwaltschaft ermittelt weiter

Die heutige Strafe seitens der Kongregation für Glaubenslehre ist nicht die einzige, die der verwiesene Bischof tragen könnte. Wenn die Entscheidung der Kongregation rechtskräftig wird, darf ein weiteres Strafverfahren von der vatikanischen Staatsanwaltschaft aufgenommen werden. In Polen könnten dem Geistlichen bis zu 12 Jahre Haft drohen – doch Wesolowski untersteht dem vatikanischen Recht.

Die polnische Staatsanwaltschaft teilte mit, dass sie nicht über die offizielle Stellung der vatikanischen Institution verfüge und die heutige Entscheidung keinerlei Einfluss auf die weiteren Ermittlungen in Polen habe. Erst nach Erhalt der vollständigen, offiziellen Informationen könnten diese analysiert werden. Der Fall des polnischen Geistlichen war von Anfang an schwierig für die polnischen Strafverfolgungsorgane – Jozef Wesolowski besitzt nämlich die vatikanische Staatsbürgerschaft und war bis heute durch die diplomatische Immunität geschützt.

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2 Antworten auf "Mutmaßlicher pädophiler Bischof aus dem Klerus geworfen"

  1. Angelika Oetken sagt:

    Die „Inhaftierung“ auf dem Territorium des Vatikans dient dem Schutz des Täters.

    http://netzwerkb.org/2014/06/27/ex-vatikanbotschafter-wegen-kindesmissbrauchs-verurteilt/#comment-228417

    Den ganzen PR-Bohei des RKK-Führungskader, von wegen Opfer einladen und Reue bekunden einfach mal ignorieren.

    Wenn der politische Einfluss des Klerus die Täter in ihren eigenen Reihen nicht (mehr) vor staatlicher Verfolgung schützen kann, werden die Täter in Sicherheit gebracht, woanders hinberufen, laiziert und mit bürgerlichen Berufen versehen oder in Klöster geschickt. Innerhalb des Vatikans ein Gefängnis für Priester einzurichten, ist gleichzeitig öffentlichkeitswirksam und man schafft einen sicheren Ort für den Täter. Und so ein hoher Funktionär wie es beispielsweise Wesolowski ist, gerät unter Kontrolle. Es könnte ja sein, dass er sonst mit den „falschen“ Leuten spricht. RKK-Führungskader: dieser hohe Funktionär ist unter Kontrolle. Die ganze Story „Wesolowski“ klingt nach organisiertem Kinderhandel zum Zwecke der sexuellem Ausbeutung. Wesolowski hat sich erwischen lassen. Das ist aus der Sicht seiner Chefs und Mit“brüder“ sein eigentliches Verbrechen.

    Die UNO-Antifolterkommission hat die RKK nicht umsonst angezählt. Wegen Verstoßes gegen die Antifolterkonvention. Das machen die UN-Kommissionäre nicht einfach so. Denn sie riskieren dabei viel. Die UNO genießt zwar einen guten Ruf, hat aber so gut wie keine Möglichkeiten, ihre Beschlüsse durchzusetzen. Sie ist immer auf die Kooperation und den guten Willen der politisch Verantwortlichen angewiesen. Und die RKK hat ihre Apparatschicks überall. Siehe nur mal das Kabinett Merkel.

    „Organisierte Missbrauchskriminalität“ … an dieser Stelle sitzt der Hebel. Da ist der wunde Punkt beim Klerus. Nirgends weichen Schein und Sein bei dieser Organisation mehr voneinander ab. Hier kann man diese „Brüder“ dran kriegen.

    Auch wenn es schweres Unrecht ist Täter zu schützen: wir sollten uns immer klar machen, dass für Kleriker die Katholische Kirche so etwas wie eine idealisierte Familie darstellt: der allmächtige, gleichzeitig allwissende, gütige und strenge Vater, die Mutter, die sich ganz und gar dem Vater unterwirft und sich für ihn, aber vor allem die Kinder aufopfert, auf eine eigene Persönlichkeit genauso verzichtet wie auf eigenes sexuelles Erleben. Sie opfert selbst ihren Körper. Er dient einzig der Reproduktion. Der Bruder, der sich für die Familie zu Tode foltern lässt. Letztlich auf Geheiß des Vaters.

    Wer sich mit solchen Vorstellungen identifiziert, so wie es Kleriker tun, liefert der seinen „Mitbruder“ der Justiz aus? Zumal es „Satan“ war, der ihn verführt hat? Siehe eines der jüngsten Statements von Papst Franziskus.

    Der Hintersinn an der ganzen Sache ist doch, dass Kleriker, die solche Einstellungen haben und leben es sich offensichtlich als grundsätzlich lustvoll und attraktiv vorstellen, Kinder zu missbrauchen. Darin ähneln sie übrigens traditionellen Psychoanalytikern. Die davon ausgehen, die neurotisch abgewehrte Lust sei das, was das missbrauchte Kind später psychisch krank macht. Der erwachsene Patient müsse nur lernen, zu akzeptieren, dass ihm das, was die Missbraucher mit ihm angestellt haben, sexuelle Freude gemacht habe, sich von Schuldgefühlen frei machen und dann werde er gesund (Siehe Kernberg….)

    Missbrauch ist also aus Sicht dieser beiden Zünfte lediglich eine Variante der – für Kleriker ja verbotenen, von Analytikern idealisierten – sexuellen Praxis.

    Aus klinischer Sicht handelt es sich bei solchen Einstellungen eigentlich um Perversionen

    http://www.medizin-im-text.de/blog/2013/20721/perversion-perverser-charakter-charakterperversion/

    Nicht umsonst sagte der Ex-Priester Patrick Wall in einem Interview:

    „Ich habe an gut 1000 Fällen von sexuellem Missbrauch mitgearbeitet. Nach dem, was ich da erfahren habe, darf mein Kind nicht mal in die Nähe einer katholischen Kirche kommen“
    http://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2010-11/missbrauch-kirche-moench

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

  2. Mirek sagt:

    Solche Fälle ereignen sich nicht nur in der katholischen Kirche meine Lieben und nicht jeder Prister ist eine Bestie. Sie ereignen sich überall, auch in der evangelischen, jüdischen, muslimischen und vielen weiternen Religionsgemeinschaften. Selbstverständlich gibt es in Krankenhäusen, Schulen, Kindergärten, Sportvereinen aber auch im engsten Familienkreis Pädophile. Also bitte nicht stigmatisieren.

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