Nach dem Brexit – Polnische Regierung wünscht sich die EWG zurück

Für die polnische Regierung wiegt der kommende Brexit schwer, denn nun verliert sie einen wichtigen Mitstreiter für eine wirtschaftliche und gegen eine politische Union. Die Euro-Staaten könnten in der Zukunft mehr Gewicht innerhalb der EU bekommen. Entsprechend harsch sind die Reaktionen aus Warschau. Verantwortlich für den Brexit macht Warschau vor allem den Präsidenten des Europäischen Rates und ehemaligen polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk. Doch sieht Warschau auch die deutsche EU-Politik geschwächt und möchte diese Chance für eine Kompetenzrückverlagerung und weitere Reformen nutzen.

Union Jack, Flagge des Vereinigten Königreichs von GroßbritannienRegierungspolitiker, wie die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo, der polnische Außenminister Witold Waszczykowski, sowie der PiS-Vorsitzende Jaroslaw Kaczynski machen vor allem die Führungskräfte der EU für den Brexit verantwortlich und fordern Konsequenzen. Speziell bei Donald Tusk sehen sie eine besondere Schuld, da er den Brexit vorausgeahnt, aber nichts dagegen unternommen habe. Für Waszczykowski ist Tusk keine Führungspersönlichkeit, sondern ein zweit- oder drittklassiger Politiker ohne Ideen für die Lösung der europäischen Probleme. Ähnlich hat sich auch der tschechische Außenminister Lubomir Zaoralek zu EU-Kommissionspräsident Juncker geäußert.

Der polnische Außenminister fordert eine Neugestaltung der EU und eine Überarbeitung der EU-Verträge. Dabei erteilt er einer sozial-politischen Vertiefung der EU im Rahmen des Euro eine Absage. Die Einführung des Euro wäre für Polen seiner Meinung nach eine Katastrophe, ohne den Euro wäre aber Polen von dieser Integration ausgeschlossen. Dies würde, so Waszczykowski die EU weiter teilen.

Auch für die polnische Ministerpräsidentin Szydlo ist die bisherige EU-Politik nach dem Brexit gescheitert. Damit ist für Szydlo auch das deutsch-französische Tandem als Motor der EU-Integration gescheitert und es brauche „neue Ideen“.

Polnische Regierung für ein Vereinigtes Europa souveräner Staaten

In einem Interview hat Kaczynski bereits erste Vorschläge für Reformen gemacht, denen sich Szydlo und Waszczykowski anschlossen und die wahrscheinlich als Grundlage für die polnische Position dienen werden. Darin fordert er ein Ende der weiteren Integration. Darüber hinaus möchte er, dass in den EU-Verträgen die Aufgaben der EU präzisiert werden, damit die einmal beschlossenen Gesetze auch eingehalten werden.

Kaczynski spricht sich gegen das Einstimmigkeitsprinzip aus, doch möchte er, dass die „Ioannina-Klausel“, die einer Minderheit, welche keine Sperrminorität erreicht, trotzdem weiter Verhandlungen bis zu einem Kompromiss garantiert, ausgeweitet wird. Kaczynski möchte diese Sperrminorität, die aktuell nur von Mitgliedsstaaten wahrgenommen werden kann, die mindestens 55 Prozent der EU-Bevölkerung vertreten auf 15 bis 20 Prozent senken. Damit hätte Polen bei einem Austritt Großbritanniens alleine schon ca. 8,7 Prozent der EU-Bevölkerung. Die Visegrád-Gruppe (Polen, Ungarn, Tschechien und Slowakei), die sich zunehmend zu einem kohärenten Akteur innerhalb der EU mausert, käme dann auf ca. 15 Prozent der EU-Bevölkerung.

Bereits vor dem Brexit-Referendum hat sich der polnische Präsident Andrzej Duda für eine Europäische Union der souveränen Nationalstaaten ausgesprochen, die vor allem auf ökonomischer Ebene miteinander kooperieren sollten. Diese EU würde sich seiner Meinung nach auch Großbritannien wünschen. Faktisch würde dies eine Rückkehr zur EWG bedeuten.

Egal wie die Verhandlungen ausgehen werden, auch in Berlin scheint sich die Meinung durchgesetzt zu haben, dass es in einem absehbaren Zeitraum keine weitere Integration geben wird, da diese vor allem die Haftung Deutschlands erhöhen würde. Ob sich Polen mit seinen Forderungen nach Kompetenzrückverlagerung wird durchsetzen können, wird von der zukünftigen Stimmung und den Mehrheiten in der EU abhängen. Doch wird Warschau zukünftig seine EU-Politik offensiver vertreten.

Bild: Union Jack, Flagge des Vereinigten Königreichs von Großbritannien

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30 Antworten auf "Nach dem Brexit – Polnische Regierung wünscht sich die EWG zurück"

  1. Andrzej sagt:

    Kaczyński hat mit seinen Worten nicht Tusk sondern die eigenen Parteikollegen, polnische Minister und die Regierungschefin Beata Szydlo angesprochen welche immer auf einer maximal harten Position bei den Verhandlungen zwischen Brüssel und London beharrt haben. Gerade Warschau hätte sich geweigert, die Regeln zu ändern, die einen freien Markt von Arbeitskräften in der EU vorsehen, weshalb Hunderttausende polnische Arbeitsmigranten auf die Britischen Inseln gekommen sind. Damit haben sie bei einem Teil der Briten eine grosse Unzufriedenheit ausgelöst. Tusk ist auch nicht das Sprachrohr der Briten. Das ist Cameron welche mit seinen Eu kritische äusserungen und dem provokativen Referendum diese probleme erst gemacht hat. Es ist nicht ganz so einfach eine solche Union zu führen wo viele Regierungen zusammenspielen müssen. Aber sicher werden auch diese Probleme innerhalb der EU überwunden. Schwierig ist es halt wenn jetzt plötzlich gewisse nationalistischen Regierungen versuchen die Suveränität der Eu zu untergraben und eine schwäche herbeireden und so die Einheit von der sie die letzten Jahre massiv profitiert und deren Wohlstand sie durch diese Union erreicht haben als unfähig hinstellen obwohl die Probleme in den eigenen Reihen zu suchen sind. Da sieht man den wahren Charakter und es fragt sich ob diese Förderung nicht an schärfere Gesetze gebundensein sollte.

    • Phil sagt:

      Andrzej du bist wirklich kein Pole. Dir geht es nur um Kaczynski und PiS bashing.

      • Polski Patriota sagt:

        Stimme ich Ihnen zu. 🙂

      • Andrzej sagt:

        Phil was hat das ganze damit zu tun dass ich kein Pole bin und die Tatsachen schildere? Genau der oben genannte ist ja der welcher jeden und alles in den Dreck zieht um die eigenen Fehler zu vertuschen. Aber ich bin immer offen für positives aus der Etage von Pis. Nur zu. Jeder hier welcher für Pis spricht geht mal zuerst zu den Neadertalern zurück um mir zu sagen wie die polnische Geschichte gelaufen ist. Aber die aktuelle Lage zu schildern und zu sagen was denn so pisitiv ist ohne dassman wiederlegen kann das etwas falsch läuft das kann niemand. Und vergessen Sie nicht. Ich habe sehr viele Verwandte in Polen und es ist traurig zu sehen wie verzweifelt diese Menschen sind welche mal ein Studium abgeschlossen haben und gelernt haben sich im Alltag zu etablieren und erfolgreich wurden. Sie lachen nur über das was momentan läuft und haben angst um ihr Land welches sie mitgestaltet haben und teil davon sind. Das macht mir sorgen und darum informiere ich mich sehr genau was in Polen geschieht. Man kann diese Regierung belächeln und alles mit Humor nehmen. Nur werden die Menschen in Polen die Suppe irgendwan auslöffeln müssen und das sehen diejenigen welche von Politik und Wirtschaft eine Ahnung haben. Nicht ungeduld wird belohnt. Die Geduldigen werden belohnt.

        • Phil sagt:

          Ihre Kommentare sind nichts anderes als Kassandrarufe. Was sie nicht begreifen wollen ist, dass die EU versucht Nationalstaaten in Geisselhaft zu nehmen. In Polen sind Medien, Banken und Eliten völlig von Brüssel vereinnahmt. Alle Polen sehen das als Problem auch PO wähler, weil sie wissen, dass man nicht 2 Herren dienen kann. Im Entwicklungsprozess der EU zeigt sich, dass sie mehr und mehr zum Nachteil der freien Völker Europas handeln möchte.

          • Andrzej sagt:

            Ja und wie die Rufe von Kassandra niemand hören wollte ist es auch heute. Ich sehe mich aber nicht als Kassandra. Auch nicht als basher. Ich sehe einfach das es so nicht geht und versuche dies in einfacher Form zu publizieren.
            Übrigens regiert nicht die EU die Staaten. Denn sonst bräuchten sie ja die eigene Regierung nicht mehr. SchUen Sie genau hin. Und die öffentlichen Medien sind halt einfach meist links gerichtet. Darum versuchen gewisse nationalkonservative Regierungen welche eher rechts stehen ja auch die Medienhoheit zu erhalten. Banken? Sind ja eh meist international und verdienen momentan nichts. Die Eliten? Die haben erkannt was dem Staat gut tut. Dank diesen Eliten gehts aber auch den bürgerlichen besser. Aber es zeigt sich. Um am grossen Topf fressen zu können tut man alles. Sobald die eigene Lage besser ist steht man in den topf rein und erzählt dann dass der topfbesitzer in beschmutzt hat. Es ist doch schön zur Elite zu gehören. Aber auch da wird einem nichts geschenkt.

        • Polski Patriota sagt:

          @Andrzej unterlassen Sie doch ihre Kommentare! Sie sind kein Pole, Sie haben keine Kenntnisse über diese Nation wie @Deutsch-Polen und Co.

          Ich hatte einen Kommentar von Ihnen gelesen was Smolensk angeht, es gibt genug Beweise das es kein “einfacher Unfall“ war. Aber das war am Rande erwähnt, Fakt ist sie haben hier definitiv wie Deutsch-Pole nichts verloren.

          In fast jedem Kommentar lese ich was gegen die PiS von Ihnen, Sie kommen wohl damit nicht klar, dass die PiS sich besser für Polen macht?!

          Sie sagten selbst Sie leben in der Schweiz, so sehen Sie sich auch als Schweizer, dann durchstöbern Sie Medien, Politik und Gesellschaft der Schweiz. Und am besten auch wenn Sie schon ein Schweizer sind, die Schweizer Schreibweise für Ihren Namen verwenden sprich: Andreas. 🙂

          Ich finde es immer wieder lustig, wie User die weder Kenntnisse über Polen noch allgemein das Wissen über Polen haben, hier kommentieren.

          • Andrzej sagt:

            @Polski Patriota. Sie reden hier als PiS Anhänger und sind nicht die Stimme Polens.

          • Andrzej sagt:

            @polsi patriota: Smolensk sollten sie wirklich nicht zu laut in den Mund nehmen. Aber glauben sie ruhig was sie an paranoia eingetrichtert bekommen.

          • Deutsch-Pole sagt:

            Was bilden Sie sich überhaut ein? Wer sind sie hier bestimmen zu dürfen, wer hier kommentieren darf und wer nicht? Woher nehmen Sie Ihre unbegründete Überheblichkeit, anderen Kenntnisse über Polen abzusprechen? Ich bin nicht nur Pole und polnsicher Staatsbürger sondern lebe auch in Polen. Also erzählen Sie mir nicht, dass ich keine Ahnung habe.

  2. Ulisan sagt:

    Nach meiner Meinung stellt sich immer mehr heraus, dass nur noch eine Minderheit (naemlich die sechs Gruenderstaaten) die EU am laufen halten wollen. Alle 21 anderen Laender nehmen nur die Vorteile wahr und zeigen sich nicht im mindesten solidarisch. Von Pflichten wollen sie nichts wissen.
    Wenn man einen Bummel durch Warschau oder Gdansk macht, ist man sehr erstaunt, wieviel der neuen Gebaeude und Einrichtungen von der EU finanziert wurden. Nimmt das in Polen keiner wahr? Glaubt man, das alles selbstverstaendlich ist, aber man selbst die EU mit Fuessen treten darf?
    Ich hoffe auf einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung in Polen. Allein schon deshalb, weil ich es gern erleben moechte, dass Polen vom Netto-Empfaenger zum Netto-Einzahler wird. Ich bin mal gespannt, wie man sich dann verhaelt.

    • Andrzej sagt:

      Ich denke es wollen schon alle profitieren. Aber jeder will nach seinen Regeln. Die Kohle fliesst ja. Das ist ja selbstverständlich. Es ist wie sie sagen. Überall fliessen die Milliarden und die Infrastruktur und Kultur wird gefördert wie wild. Schön das es so ist. Den Menschen geht es auch viel besser. In Polen boomt der Automarkt wie verrückt. Aber jetzt schimpft man mal einfach über die Eu und will sagen wie es laufen soll. Man redet von verlaufter seele und heimatstolz. Dabei würde achtung den andern gegenüber und Vertrauen viel mehr zum guten gelingen beitragen. Vieles fängt im Kopf an. Ob Positiv oder Negativ. Und darum gibt es auch den Spruch: der tote Fisch beginnt beim Kopf zu stinken.

      • Phil sagt:

        @ Andrezj bei Ihnen Stimmen die Loyalitäten nicht. Jetzt soll Polen seine Staatsräson hinter der der EU stellen? Geht’s noch? Sie reden wie ein Deutscher, die hassen auch ihre Nation.

        P.S ich wünsche mir wieder eine polnische Automarke.

        • Andrzej sagt:

          @Phil. Ich bin gespannt wie sich das zusammenleben in der EU entwickeln wird. Auf jeden Fall nicht einseitig. Ganz sicher wird Polen dabei sein und kooperativ als Vollmitglied mitwirken.
          Die polnische Automarke gibts ja schon. Leider erstmals nur als Konzeptcar von Polonez. Fraglich ob die polnische Bevölkerung dies kauft da alle auf Deutsche Autos stehen.
          Aber Fiat Tychy ist ja auch polnisch wenn man so will. Es gibt aber soviele andere Produkte aus Polen welche ich empfehlen kann. Angefangen bei tollen Lebensmitteln bis zu Fahrrädern u d Schiffen.

          • Phil sagt:

            Polonez gibt es nicht, die Firma heisst FSO. Das mit dem Polonez Conceptcar ist nur ein Hobby von ein paar Jungs.

          • Andrzej sagt:

            @Phil ich habe dies letztes Jahr mal in einer polnischen Zeitschrift gelesen. Vermutlich haben Sie aber recht. Ich weiss nur das es früher Sirena, Polonez und Warszawa gab. Wer weiss Tesla hat es auch aus dem nichts geschafft. Solche Inovationen wären eine Förderung der EU wert. Elektroautos mit tollem Design ala Tesla aus Polen. Das wär was. 😉

        • Andrzej sagt:

          @Phil ich bin sicher dass Sie Irren. Die Deutschen sind Stolz auf ihr Land. Aber wie überall gibt es die welche die Regierung lueben und andere nicht.

    • Andrzej sagt:

      Ich finde Ihren Kommentar sehr gut.

  3. Deutsch-Pole sagt:

    Polen profitert von der EU nicht nur in Sachen Transferleistungen sondern auch vom europäischen Binnenmarkt und da ist gerade Deutschland mit Abstand der wichtigste Absatzmarkt für den polnischen Export. In politischer Hinsicht gibt es sicher vieles zu kritisieren an der EU. Aber dann sollten aus Polen auch konkrete Vorschläge zur Reform der EU kommen um diese demokratischer und transparenter zu gestalten. Eine europäische Konföderation von gleichberechtigten Nationalstaaten die wirtschaftlich, militärisch und politisch kooperiert ist für die Herausforderungen durch die Globalisierung absolut notwendig

  4. Tom sagt:

    Also, Phil, da du ja dem Andrzej unterstellst, kein Pole zu sein und ihm deshalb seine Urteilskraft über die Polnische Verhältnisse absprichst, sage ich dir als Deutscher, dass wir unsere Nation nicht hassen. Als Pole kannst du das doch auch gar nicht beurteilen, nicht wahr? Da du aber sehr genau zu wissen scheinst, was ein Pole ist, frage ich dich und den Polski Patriota: Was bitte genau ist ein Pole, was macht ihn denn aus? Ihr scheint ja hier sehr kompetent zu sein und durchaus ehrenwerte Leidenschaft für Polen zu haben. Was sich die Polnische Regierung wünscht (EWG) in der EU wird man zur Kenntnis nehmen, von wirklicher Relevanz ist es aber nicht. Ob ihr es nun hören wollt oder nicht: Ohne die sehr großen Investitionen der EU-Länder in Polen und die tüchtigen und durchaus tapferen Menschen dort geht da nicht viel. Ohne den großen Absatzmarkt in Deutschland geht auch viel weniger. Polen kann es sich in seiner Struktur nicht leisten ohne – wenn vielleicht auch zähneknirschende – Kooperation auszukommen.Thats it. Eure Bevölkerungszahl ist Volkswirtschaftlich nicht so relevant, da gibt es andere Schwergewichte in Kaufkraft und als Absatzmarkt. Also: Polen braucht mehr Polen! Viele sind aber massig abgewandert. Aber damit die zurück kommen, muss sich die Polnische Regierung anders (weniger kompliziert und „in geeignetem Format“) aufstellen.

    • Phil sagt:

      Die Deutschen haben Selbsthass. Die Deutschen Eliten sehen die EU als kompensationsmittel da man ja nicht auf Deutschland stolz sein darf oder nur in diesem verqueren Linksliberalen Sinne.
      Die Polen sehen die EU als Gelegenheit das Land aufzubauen und sich in ein Westeuropa einzubetten, dass sich die Polen anders erträumt haben. Die Faszination für den Westen ist in Polen erloschen würde ich sagen.
      Zur Frage, was ist Polen. Pilsudzki hat es als Bekenntnis zur Sprache, Kulur und Glauben definiert.
      Natürlich ist Polen auf Fördergelder angewiesen, aber wir sind nicht Stolz auf diesen Zustand. Wir möchten ein Land werden, dass andere Länder Unterstützt überhaupt werden wir unsere Interessen nicht für Geld aufgeben.

      • Tom sagt:

        Phil, danke für deine Zeilen. Deutschland hat mit ungeheurem Rassenhass und Überheblichkeit eine große Not über Europa gebracht. Wir sind, Gott sei Dank, nicht so, dass wir uns schütteln und denselben Parolen kritiklos wieder hinterherlaufen.Das wäre ein Hohn für alle Opfer des Nationalsozialismus. Wir haben sicher noch immer große Probleme der fairen Selbstannahme, aber, wie du siehst, ist das primitiv-patriotische gekläffe einiger Deutsch-Nationaler Bewegungen in Deutschland dumpf und beschämend. Richtig mögen tut die Deutschen wohl kaum ein Nachbarland, Neid und Komplexe schlagen uns doch sehr oft entgegen. Als Deutscher, der eher dem Dichter und Denker Klischee entspricht, und absolut nicht dem „verqueren linksliberalen“ Lager angehört, versuche ich dir eine andere Facette der Betrachtung zu vermitteln. Da wir ja auch als „oberlehrerhaft“ abgestempelt werden, möchte ich dem Eindruck vorsorglich entgegentreten.Allerdings war ich oft u.a. in Polen zur Industrieentwicklung und durfte mein Wissen und meine Erfahrung an talentierte Menschen abgeben.Ich schätze diese Menschen noch Heute. Polen hat mehr Potenzial als nur im Rahmen einer EWG zu agieren. Das ist ein unangemessen ängstlicher Weg für ein Land mit diesem Stolz. Sie mal, wo Pilsudzki überall war, er hat seinen starken Charakter auch nicht nur aus den Begegnungen allein mit der Polnischen Kultur geprägt. Europa braucht ein starkes Polen, dass bereit ist sein kulturelles und intellektuelles Potenzial zur Formung von ganz Europa einzubringen. Schade, das England das nicht erkennen konnte und jetzt vor unabsehbaren und unnötigen Zuständen steht. Schade, schade, schade….

        • Phil sagt:

          Klangvolle Worte Tom. Deutschland hat viel von den Engländern gelernt in den letzten Jahrzehnten, wie man seine ideologischen Ansprüche durchsetzt. Ihr versucht mit Geld und netten Worten und mit Hilfe Frankreichs, die Völker Europas euren Willen aufzuzwingen. Das wird nicht gelingen. Polen wird mit Hilfe des echten Europas den Kontinent wieder gerade biegen.

          P.S. Das beste für Europa wäre eine EWG. Wir brauchen keine EU mit ihrem degenerierten. Linksliberalem, ideologischen Überbau.

          • Tom sagt:

            Starker Tobak, Phil. In der Tat kann man von den Engländern viel lernen. Aber nicht nur, positives, sondern auch negatives. In dem Austrittreferendum Englands zeigt sich, welche Lücken die soziale Entwicklung in England genommen hat und wie wenig politische Verantwortung England bereit ist in Europa zu übernehmen. Deutschland kann geopolitisch so gar nicht agieren. Zuviele Nachnbarn zwingen uns zu einem sehr gemäßigten agieren mit unseren Nachbarn. Einer dieser Nachbarn ist das junge, dynamische Polen, der andere, das ewig reaktionäre,sozialistisch- rechts-nationale Frankreich. Ich glaube nicht, dass es ein echtes und ein unechtes Europa gibt, es gibt ein reales Europa. Dazu gehören alle Facetten des Pluralismus oder so wie hier in diesem Forum auch subjektive Einstellungen zu Europa.Aus dem Vorkriegsslogan „Am Deutschen Wesen wird die Welt genesen“ sind wir Deutschen längst draußen, Phil. Aber auch am Polnischen, Italienischen, Englischen, Französischen…. usw. Wesen wird Europa nicht genesen. Europa ist eine ätzende und anstrengende Vielfalt, die es auf Augenhöhe gemeinsam zu managen gilt. Eine polnische Brechstange wird da auch nicht helfen.Ich verstehe aber voll und ganz den Wunsch nach einem reformierten Auftreten der Europäer. Die Herren Schulz, Tusk und Juncker schaffen diese Anforderung nicht und die gegenwärtige Struktur ist nicht geeignet eine Vision für die Bürger seiner Bürger zu erzeugen. Es muss aber erst einmal ein besserer Entwurf zum jetzigen auf dem Tisch sein, dann erst sollte man Altes durch Besseres ersetzen.

          • Deutsch-Pole sagt:

            Wer die EU als linksliberal bezeichnet hat keine Ahnung von Politik. Man kann die EU durchaus zu Recht in vielen Punkten kritisieren, aber vorallem dafür, dass sie neoliberal ist, also absolut Kapitalismus freundlich im schlimmsten aller Sinne.

    • Andrzej sagt:

      @Tom. Das einzige was Sie hier zu lesen bekommen ist wohl dass Sie sich hier nicht aufhalten sollen. Das ist ein Platz für Polen. Ich lebe übrigens teilweise in Polen und meine Frau und ich befassen uns sehr mit der Politik in Polen. Aus diesem
      grund äussere ich mich hier immer wieder. Ihrem Kemmentar kann ich nur zustimmen.

      • Tom sagt:

        Andrzej, auch ich interessiere mich für Polen und liebe es. Meine Familie war viele Jahrhunderte dort ansässig. Ich freue mich über deine ausgleichenden Kommentare und wie du dagegen hälst, wenn es manchmal robust und eindimensional wird. Ich denke, zumindest Phil wird zustimmen, dass ein wesentlicher Bestandteil der Polnischen Kultur neben der Freiheitsliebe auch die Gastfreiheit ist und auch der Glaube in Polen das Gebot beachtet: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!“ Eine Wesensart der Polen ist aber auch ihre „zweifelnde Kompliziertheit“ – oder auch als „Mistrauen“ bekannt.Mir fiel immer auf, wie extrem zwischen „Kopf“ und „Bauch“ das rumort. Das ist manchmal sehr positiv anspruchsvoll und manchmal leider unangemessen vereinfachend. Aber egal wie: angesichts der Stimmungslage in Europa muss Brüssel ganz anders liefern als bisher. Die Ideen der jetzigen Polnischen Regierung für ein Polen im Europa und in der Welt von Heute sind aber mehrheitlich polarisierend. Das fördert natürlich eine Distanzierung und Polemisierung der notwendigen Debatten

        • Phil sagt:

          @Tom Wenn du deinen Nächsten liebst, wie dich selbst, dann wirst du deinen Nächsten zum Christlichen Glauben bringen…. Das ist mit diesem Gemeint.

          Die Polen sind nicht Misstrauisch oder Kompliziert. Sie wollen nur nicht ihre Gesellschaft ruinieren wie die Franzosen und Deutschen. Ich hoffe, dass die Deutschen einsehen, dass sie mit Europa einen falschen Weg eingeschlagen haben und jetzt eine Veränderung nötig ist im Sinne der polnischen Regierung. Tom, ich weiss Deutschland hat viele Fehler in seiner Geschichte gemacht, aber begeht nicht noch einen, indem ihr Europa zu einem zentralistischen Superstaat Formen wollt.

          • Andrzej sagt:

            @Phil ich denke dass die Nächstenliebe meist beim Geldbeutel aufhört. Dies ist auch in Europa so. Jeder ist tolerant bis es ihn etwas kostet und wenn man schaut wieviel die Deutschen, Engländer und Franzosen schon Geld in die Eu pumpten um das vereinte Europa voranzubringen, so müssen wir alle auch verstehen warum gewisse Leute einen Groll haben gegen dieses Konstrukt.
            Wie so eine EU zu sein hat, ist nicht so einfach zu definieren. Ich bin aber als Schweizer ein Befürworter dieses Gedankens und denke dass es zwei Lösungen geben sollte für die EU. Zum einen die Vollmitglieder und zum andern die Partnerstaaten so wie die Schweiz welche Faktisch dazugehört aber eben doch noch gewisse Barrieren drin hat. EWG bedeutet dass wir wieder den Europa Wirtschaftsraum haben mit den einzelnen Währungen und der grossen Handelswährung Euro. Würde aber bedeuten dass die Förderungen ausbleiben und die Staaten dieses Schuld an die Zahler amortisieren müssten. Wie dies zu bewerkstelligen ist bleibt noch offen. Aktuell läuft die Wirtschaft noch. Wenn aber jetzt die Bankenkrise in Italien kommt und die EU dieses Schlamassel nicht mit dem Italienischen Staat in den Griff bekommt so werden wir uns wohl eher Sorgen um die Zukunft machen müssen als wenn wir jetzt ein wenig über diese Luxussorgen beschäftigen welche uns aktuell plagen. Denn ohne Wachstum passiert schnell nichts mehr und die Schulden aller Länder werden grösser und grösser was letztlich zum Kollaps des ganzen Systemes führt. Wo ich Ihnen aber vehement widerspreche ist Ihre aussage dass die EU den Weg der polnischen Regierung einschlagen muss. Da kennen Sie meine Meinung dazu. Wir brauchen wirtschaftliche Rahmenbedingungen welche den Wirtschaftsraum Europa stärkt und die Zukunft für uns alle und unsere Nachkommen sichert. Aber nicht ein Europa mit nationalistischem Gedankengut und der ewige Blick zurück uns einen Zukunft mit umliegenden Partner bescheren soll. Die Aufgabe ist schwierig aber mit Weitsicht und Mut schaffen wir alle das. Die EU sollte so etwas wie ein Superstaat sein. Die Frage ist nur wie im Detail.

  5. leser sagt:

    Hallo Polska Ptriota wir sind uns doch einig das der Flug bzw der Landungsversuch bei diesem Wetterverhältnis und Warnungen aus dem Tower ganz einfach unverantwortlich war.Alles hinterher ist nichts anderes als von eigenen Problemen oder Miissgeschicken usw abzulenken.Bin sehr sicher sie sehen das auch so.

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