Pastafaris bald eingetragene Glaubensgemeinschaft?

Vor einem Jahr hat Minister Boni die Eintragung der Pastafaris als Glaubensgemeinschaft abgelehnt. Heute haben die Anhänger des Spaghettimonsters vor einem Verwaltungsgericht Recht bekommen, ihr Antrag muss nochmal geprüft werden. Doch bis zur Eintragung kann noch viel Zeit vergehen.

Der Streit tobt in Polen schon lange: Können die Anhänger des fliegenden Spaghettimonsters als eingetragene Glaubensgemeinschaft anerkannt werden? Ziemlich genau vor einem Jahr wurde die Entscheidung vom damaligen Minister für Öffentliche Verwaltung und Digitalisierung Michal Boni mit Nein beantwortet. Diese Gruppierung sei nicht geschaffen worden, um als Glaubensgemeinschaft zu wirken, so Boni. Sein Ministerium habe Gutachten eingeholt, die belegten, dass sich Atheisten mit Hilfe dieses Pseudo-Glaubens über Glaubensgemeinschaft lustig machen wollten.

Die Pastafaris wehrten sich und haben nun gewonnen. Ein Verwaltungsgericht verurteilte das Ministerium für Öffentliche Verwaltung und Digitalisierung dazu, den Antrag dieser Religion auf Eintragung als Glaubensgemeinschaft nochmal prüfen. Dabei muss das Ministerium die Vorgaben des Gerichtsurteils beachten. Doch dieses ist nicht rechtskräftig und das Ministerium kann innerhalb von einem Monat beim Obersten Verwaltungsgericht Berufung einlegen.

Das Verwaltungsgericht begründete sein Urteil mit verfahrenstechnischen Fehlern, die das Ministerium bei der Ablehnung des Antrags begangen haben soll. Auch seien die bestellten Gutachten fehlerhaft.

Viele Vorteile

Nicht registrierte Glaubensgemeinschaften sind in der Ausübung ihrer Religion in Polen nicht eingeschränkt. Sie können frei wirken und ihren Glauben verbreiten. Wozu dann die Klage?

Die rund 160 eingetragenen Kirchen und Glaubensgemeinschaften erhalten einige hundert Millionen Euro an Steuerprivilegien jedes Jahr sowie unmittelbar Gelder aus dem Staatshaushalt. Ferner wird Religion von Geistlichen in der Schule gelehrt – auf Staatskosten. Als eingetragene Glaubensgemeinschaft könnten die Pastafaris diese Privilegien auch für sich einfordern und somit als Bewegung ihren Glauben viel stärker verbreiten und wachsen.

Doch die Auseinandersetzung kann noch lange dauern und könnte am Ende beim Europäischen Gerichtshof für Menschen­recht in Straß­burg landen.

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2 Antworten auf "Pastafaris bald eingetragene Glaubensgemeinschaft?"

  1. Deutsch-Pole sagt:

    Dieser Konflikt zwischen orthodoxen Christen und extremen Atheisten ist symptomatisch die gesamte westliche Welt. Fakt ist, dass die Dominanz der christlichen Kirchen mit ihrem Einfluss auf die Politik in vielen europäischen Ländern nicht vereinbar ist mit den demokratischen Prinzipien des Laizismus. Diese Kritik gilt sowohl für Polen als auch für Deutschland!

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