Polen in Schwarz-Weiß – für und gegen Abtreibung

Das Thema Abtreibung teilt die Polen wie kaum ein anderes Thema. Am Montag sind sowohl Befürworter wie Gegner des Anti-Abtreibungsgesetzes auf die Straße gegangen. Keine Seite ist zum Kompromiss bereit.

SchwarzDas Thema des Monats ist sicherlich das umstrittene Abtreibungsverbot. Die Smolensk-Katastrophe hat gezeigt, wie geteilt die polnische Gesellschaft eigentlich ist. Jetzt wird es nur noch schlimmer. Bisher war es gefühlt eine politische Teilung, jetzt kommt die moralisch-ethische hinzu.

Abtreibungskompromiss unter Beschuss

Anfang der 90er Jahre einigte man sich politisch einen sogenannten Abtreibungskompromiss ins Leben zu rufen. In bestimmten Fällen sollte demnach die Abtreibung möglich sein. Dazu gehört bis heute unter anderem eine Schwangerschaft, die durch eine strafbare Handlung wie eine Vergewaltigung entstanden ist.

Diesen Kompromiss will die regierende Recht und Gerechtigkeit (PiS) durch ein absolutes Abtreibungsverbot ablösen, obwohl nicht sie die Gesetzesinitiative ergriffen hat. Von dem Recht hat die konservative Organisation Ordo Iuris Gebrauch gemacht. Schwangerschaften, die durch Vergewaltigungen entstanden sind oder lebensgefährlich für die Frau sind, könnten nicht mehr unterbrochen werden, zumindest nicht legal.

Schwarzer Protest

Tausende Frauen und Männer gingen deswegen am „Schwarzen Montag“ auf die Straße, um gegen diese Gesetzesvorlage zu demonstrieren. Als ob es nicht schon genug zu diskutieren gäbe, wird erstmal gestritten, wieviel Demonstranten in Wirklichkeit auf der Straße waren. Bei der größten Ansammlung in Warschau lagen die offiziellen Angaben zur Anzahl der Demonstranten weit auseinander. Die Polizei nannte 17.000, die Stadtverwaltung sah in der Masse ca. 30.000 und die Organisatoren knapp 20.000 Teilnehmer. In Krakau zählten die Organisatoren ca. 15.000 Demonstranten, in Posen 8.000 und in Danzig und Gdingen ca. 2.500. Die Polizei gab in einer Presseerklärung bekannt, dass insgesamt 143 Versammlungen gemeldet wurden, die mit dem Schwarzen Protest im Zusammenhang stehen. Es haben dabei ca. 98.000 Menschen im ganzen Land teilgenommen. Auch im Ausland, etwa in Berlin, nahmen tausende an den Protesten teil.

Weißer Protest

Den Weißen Montag gab es auch. Die Befürworter des Anti-Abtreibungsgesetzes zogen sich weiße Kleidung an, organisierten Gruppen auf sämtlichen Social-Media-Kanälen und führten Gegendemonstrationen zum Schwarzen Protest durch. Die Katholische Kirche schloß sich dem Weißen Protest an und ließ die Gottesdienstführer bei den Montagspredigten im Namen der Kirche dazu Stellung nehmen. Zahlen wurden in den Medien nicht genannt. Der Weiße Protest sah unter anderem vor, dass die Frauen an diesem Tag normal zu Arbeit gehen.

Jetzt wird es bunt

Die Medienwelt in Polen spielt nach diesen Demonstrationen verrückt. Es wird gezählt, geprüft, geschrieben und gestritten. Von echter Diskussion merkt man dabei nicht viel. Dabei geht es doch nicht um eine Verschwörungstheorie, bei der ein Flugzeug, Nebel und Bäume im Mittelpunkt stehen, sondern um das Leben. Alle haben auf ihre Weise treffende Argumente, doch keiner hat den Willen, um nachzugeben. Es wurden weder Gesprächsrunden, noch ernstzunehmende politische Debatten angeboten. Es stellt sich auch die Frage, ob bei 38 Millionen Einwohner die Teilnahme von 98.000 Demonstranten zu einem so wichtigen Thema zum Umsturz der Regierung führen kann, wie es einige Oppositionspolitiker behaupten. Es zeigt sich abermals, dass die polnische Gesellschaft aktive Politk meistens vor dem Fernseher betreibt. Die Einschaltquoten am Montag Abend waren erstaunlich hoch.

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2 Antworten auf "Polen in Schwarz-Weiß – für und gegen Abtreibung"

  1. Andrzej sagt:

    Das Volk hat stärke bewiesen und gezeigt wie man denkt. Schön dass dieser Vorstoss abgeschmettert wurde. 🙂

    • Deutsch-Pole sagt:

      Es ist der erste Erfolg der außerparlamentarischen Opposition in Polen. Bleibt die Frage ob es der einzige bleibt? Es ist schon bedauerlich, dass die liberal-progressiven Kräfte bisher keine deartigen Massen mobilisieren wenn es um Dinge geht die uns alle betreffen, unabhängig von Geschlecht, sexueller Ausrichtung, ethnischer oder nationaler Zugehörigkeit. Ein Phänomen das sowohl in Polen, Deutschland und dem Rest Europas zu beobachten ist.

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