Polen lebt in Smolensk

Ein Thema beherrscht die polnische Öffentlichkeit sei April 2010 wie kein zweites: der Flugzeugabsturz bei Smolensk. Damals kamen unter anderem Präsident Lech Kaczynski und der letzte Staatspräsident im Exil Ryszard Kaczorowski ums Leben. Das Ereignis prägt das öffentliche Bewusstsein so sehr, da sich darum Mythen und Legenden gebildet haben. Die klerikale Rechte hat mehrere Spielarten von Anschlägen auf den Präsidenten in ihrem Repertoire – beweisen sollten das Experten, denen vor einigen Tagen der Expertenstatus aberkannt wurde, da sie nie Flugzeugunglücke untersuchten und keinen Zugang zu Primärquellen hatten

Heute sagte der Zwillingsbruder des verunglückten Präsidenten und Vorsitzender der größten Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) Jaroslaw Kaczynski auf einer Pressekonferenz, die Katastrophe und die Verantwortung für diese könnten nicht aufgeklärt werden, bevor es nicht einen Machtwechsel gäbe. Kaczynski würde dann unter Umständen eine Kommission einsetzen wollen, die sich mit dem Flugzeugabsturz beschäftigt. Dieses ist die Antwort auf das Einstellen von Ermittlungen einer Warschauer Staatsanwaltschaft in Bezug auf die Organisation des Fluges nach Smolensk: Dabei seien nach Meinung der Kommission keine Versäumnisse festgestellt worden.

Antwort aus dem liberalen Lager

Das liberale Polen hingegen glaubt nicht an derartige Verschwörungstheorien. Dementsprechend gehen Experten und Kommentatoren von menschlichem Versagen und schlechten Witterungsbedingungen aus, die in Kombination die Katastrophe auslösten. Vielmehr werde das Flugzeugunglück instrumentalisiert, um einer bestimmten politischen Option zur Macht zu verhelfen.

Die weltbekannte polnische Regisseurin Agnieszka Holland sagte heute in einer Fernsehsendung des rechtsliberalen Nachrichtensenders tvn24, es gehe hierbei um eine absolut zynische politische Manipulation von Seiten Antoni Macierewicz und Jaroslaw Kaczynski, die die Lüge nur oft wiederholen bräuchten, damit sie wahr werde. Diese Menschen hätten Polen krank gemacht und würden sich, so Holland, vor der Geschichte verantworten müssen.

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