Polnische Esskultur

Sag mir was du isst, und ich sage dir wer du bist – also wie verändert sich die Esskultur in Polen.

Mitte Januar wurde zum ersten Mal das Street Food Festival in Lodz veranstaltet, das sich als voller Erfolg erwies. Das Festival wurde in einer alten Fabrikhalle, eigentlich in einem Skatepark, veranstaltet. Es steht für den neuen Trend in der Esskultur: das „Slow Fast Food“, das sich in Polen immer größerer Beliebtheit erfreut. Einer der Organisatoren hat es folgendermaßen kommentiert: „Ich freue mich, dass die Einwohner von Lodz die traditionelle polnische Hühnersuppe „Rosol“, die auf jedem polnischen Tisch zu Hause ist, so gerne gegen eine Streetfood-Mahlzeit tauschen.

Tatsache ist, dass sich Polen in der letzten 25 Jahren nicht nur politisch und kulturell stark verändert hat, worüber Medien oft berichten – sondern auch kulinarisch.

 Wie und was isst der durchschnittliche Kowalski?

Laut dem Report „Polen auf dem Teller“ des Instituts für Meinungsforschung Homo Homini vom März 2013 isst jeder dritte Pole fast ausschließlich Zuhause. Die Befragten, die sich in der Stadt verköstigen lassen, wählen oft die italienische (zweiter Platz mit 27%) und die asiatische Küche (dritter Platz). Interessanterweise ist an der Spitze die polnische Küche (fast 48 %).

80 Prozent der Befragten essen am Mittag und 15 Prozent abends außer Haus. Die Tradition des Frühstückens und des Brunchs in Restaurants ist in Polen zwar nicht stark ausgeprägt, wird jedoch immer populärer. Die Tatsache, dass so viele der Befragten mittags in der Stadt essen, liegt natürlich am Zeitmangel. Für die Hälfte der Befragten ist das der wichtigster Grund. Fast genauso wichtig ist die soziale Dimension des Essens in Restaurants und Gaststätten, was die These bestätigt, dass Ernährung nicht nur Nahrungsaufnahmen, sondern auch ein wesentlicher Teil der sozialen und kulturellen Identität darstellt.

Polnischer Schnitzel, italienische Pizza und Burger

Die Polen essen sehr gerne sowohl das traditionelle polnische Schnitzel oder die polnische saure Mehlsuppe „Zurek“, als auch Pizza sowie vietnamesische und chinesische Speisen. In letzter Zeit erfreuen sich verschiedene Burger und Slow Fast Foods einer sehr großen Beliebtheit, wobei der Döner in den Vordergrund tritt.

Somit sättigt das gesunde, aber gleichzeitig schnelle Essen und weckt Interesse – gerade das Slow Fast Food füllt diese Nische. Darüber hinaus machen sich einige Kommentatoren darüber lustig, dass das aus Lachs und Butterfisch gemachte sog. „polnische Sushi“ zu einem neuen Volksgericht geworden ist. Sushi hat seit ein paar Jahren vor allem in der gut ausgestatteten Metropolmittelklasse Polens große Popularität erlangt.

Esskultur als Teil der modernen Gesellschaft

Das große Interesse an (nicht nur polnischem) Essen spiegelt sich auch im Bereich der Popkultur und in den Medien wider. Neue kulinarische Festivals schossen in letzten zwei bis drei Jahren wie Pilze aus dem Boden, wie zum Beispiel das  Street Food Festival in Lodz, das Festival der Foodtruck-Geschmacks in Gdingen oder das Street Food Festival by Tomasz Jakubiak in Warschau. Neben der Vorstellung von Essen werden verschiede Events und Workshops zum Thema gesundes Essen veranstaltet. Alle oben genannten Festivals haben zum ersten Mal 2013 stattgefunden und waren ein Besuchererfolg, was auf die Veränderungen im Verbrauchergeschmack in Polen aufmerksam macht.

Ein anderes Festival, das bereits seinen Platz in der Popkultur gefunden hat, ist das bekannte Food Film Fest in Gdingen. Es ist ein einzigartiges kulinarisches und filmisches Fest. Dabei werden Filme aus der ganzen Welt gezeigt, die interessante soziale und kulturelle Aspekte des Essens darstellen.

Abgesehen von den internationalen Einflüssen in der Esskultur ist in Polen die regionale Ernährung besonders beliebt, dass unter anderem aus Schlesien, dem Goralengebiet, den Masuren oder Großpolen kommt.

Trends der Esskultur

Essen ist eine Grundlage der kulturellen und sozialen Identität, was an Polen deutlich zu sehen ist. Das bezieht sich vor allem auf die stets wachsende Mittelklasse der polnischen Gesellschaft. Man kann ferner die These wagen, dass sich die Ernährungstrends in Polen heutzutage schnell ändern und eine interessante Mischung aus traditionellen und modernen Einflüssen bilden. Eine wichtige Rolle spielt hier die Generation der jungen Polen, die viel reisen und neben der Neigung zum polnischen Essen, sehr gerne die internationale Küche probieren.

Wenn man also die moderne polnische Gesellschaft erforschen möchte, sollte man nicht nur nach kulturellen und politischen Veränderungen fragen, sondern auch nach den Ernährungstrends. Vielleicht würde der französische Schriftsteller Anthelme Brillat-Savarin und Autor des berühmten Satzes „sag mir was du isst und ich sage dir wer du bist”  diese Frage jetzt anders formulieren, wie zum Beispiel: Pole, sag mir wie du das „polnische Sushi” machst und ich sage dir, wer du bist”!

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7 Antworten auf "Polnische Esskultur"

  1. kamila sagt:

    interessant! 🙂

  2. Jarek sagt:

    Das ist vollkommener Quatsch! Diese artikiel ist nur für Warschauer!!!
    Faren Si bitte stukchen weiter richtung Sud oder Nord 100 km wek aus Warschau und ist andere welt!!! Wer ist Pizza in kleine dorf ? Nur jugendliche! wenn überchaupt ist eine Pizzeria? Brunchs ist nur in grose Stedte. Chinesiche küche! Nur für studenten weill bilig ist! Zurek ist nur belibt in Warchau und Schlesien!!!

  3. Ralf Meier sagt:

    Da ich fast 15 Jahre nach Polen – Masuren fahre , schließe ich mich der Meinung von Jarek voll an . Hier scheinen mir auch , wie in Deutschlan üblich , einige Medien volles Programm Werbung für untypische Essgewohnheiten zu machen ! Ich kann aus eigener Erfahrung nur Hi , Hi , Hi machen ! Glaube das wer will ?!?!

  4. Justyna Goliasz Justyna Goliasz sagt:

    Vielen Dank für die interessante Kommentare. Ich muss aber sagen, das ist doch unstrittig, dass die Essgewohnheiten in kleineren Dörfen und in Metropelen am meistens nicht vergleichbar sind. In touristischen Regionen, wie z.B. Masuren oder Schlesien wird dann (zum Glück) traditionelles/klassisches polnisches Essen gegessen. Das widerspricht aber nicht der Tatsache, dass man in größeren Städte immer öfter Italienisch oder Asiatisch isst. Das zeigen u.a. Statistiken von CBOS.

  5. Lemski sagt:

    Vielen Dank für die Aufklärung über die Essgewohnheiten der Polen. Das deutsche Publikum dankt der jungen, ausgezeichnet ausgebildeten Autorin des deutschen „Polen Heute“ für die Aufklärung, die die polnischen Wirklichkeit so tangiert wie das Christentum die DDR.
    Ich empfehle dem deutschen Leser einen persönlichen Kontakt mit den Polen und der polnischen Küche.

  6. Bronnek sagt:

    bin Deutscher und komme seit 1973 regelmässig nach Polen, moja tschona is schlonski panni, polski uschice is barzdo tschenkie….
    ich weiß, dass mein polnisch ganz ganz schlecht ist. Polnisch zu lernen ist eine ganz schwierige Sache, Steffen Möller ist mein polnischer Lieblingsautor.
    Natürlich sind die essgewohnheiten der Polen sehr unterschiedlich. Jedes Jahr bekomme ich diverse Eionladungen, zu Hochjzeiten, Kindtaufen runde Geburtstage. Eins kann ich sagen, die Polen sind alle „Feierbiester“ und das Essen wird 3 Tage genossen.
    Dazu gehört auch die polnische Trinkkultur.
    Ein Pole lässt nie ein halbgelehrte Flasche zurückstellen. Ich habe mein Herz für alle Polen geöffnet…deswegen bekomme ich von meinen polnischen Freunden echte Herzlichkeit zurück. Die alten Omas und Großmütter haben noch die alten polnischen Rezepte; ob es die bald noch gibt, ich meine die Rezepte.
    Bis später verbleibe ich mit liebe Grüße an die polnischen Leser…

  7. Reussner Olaf sagt:

    bin geb in Masuren 1958 , bin sehr oft in Polen , meine Muttersprache behersche ich so gut wie nicht leider !!, sprechen geht , für die Kawarnia an der Ecke reicht es .
    aber nichts geht über einen echten guten Bigos Oma sagte immer ; Bigos – drei tage Arbeit ,drei Tage essen – das Gute in Polen ist ,ich finde immer noch ohne Probleme gute polnische Küche im Restaurant – Deutschland – sucht mal ein Deutsches typisches Gericht fast egal wo – geht nicht ! Asien , Italien M.Doof und alle Rester dieser Welt fast . gute deutsche Hausmannskost – vergiss es – ja und Warschau , selbst Opa sagte abwinkend , ach Warschau , das ist nicht Polen – habe Verwandschaft in zakopane – Goralen – dort ist es eigentlich !!! ??? bis heute nicht möglich jemanden zu heiraten aus Warschau . Schande über Alles . ( hinter der Hand ) oh saure Gurckensuppe im Sommer , ich fange an zu träumen – Dobra Noc oder Essen zu Weihnachten – glaube unvergleichich auf der Welt .

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