Polnische Medien ohne Frauen

Ereignisse und neuste Nachrichten werden in den polnischen Mainstream-Medien im Durchschnitt nur zu 13 Prozent durch Frauen kommentiert. Im Fernsehen, im Radio und in der Presse sind überwiegend männliche Stimmen zu hören. Zwischen April 2014 und März 2015 wurden 14 journalistische Radio- und Fernsehprogramme auf Anteil von Frauen und Männer überprüft, die da mitdiskutieren. Insgesamt waren es in diesem Zeitraum 644 Personen. 126 davon Frauen. Nun traten manche Personen sogar sieben Mal auf, was dazu führte, dass 3206 männlichen  und 493 weibliche Stimmen in den Medien präsent waren.

Polnische FlaggeDie Frage, warum der Anteil von Männer und Frauen in den polenweiten Diskussionen dermaßen nicht proportional ist, wird oft mit folgender Floskel beantwortet: “Es gibt nicht genügend Expertinnen”. Und selbst wenn es sie geben würde, sei es schwierig, sie zu erreichen. Nun scheint das Argument wenig überzeugend zu sein.

Deshalb entstand die Idee, eine Datenbank als ein Werkzeug zu schaffen, mit dem man Expertinnen aus verschieden Bereichen und Regionen Polens schnell finden kann. Daraufhin wurde ein gemeinsames Projekt ins Leben gerufen, das aus einer breiten Öffentlichkeitskampagne, einer Konferenz zum Thema Frauenbeteiligung in den Medien und aus der Expertinnen-Datenbank besteht.

Dies wird von der Zeitschrift Politische Kritik, verschiedenen Frauenorganisationen (Frauenverein Konsola, Stiftung für Frauen in der Wissenschaft) und Medien (Radio für dich (RDC)), Tageszeitung Dziennik Opinii und Radio radiOrakel koordiniert. Die Teilnehmenden am Projekt sind der Meinung, es sei besonders notwendig Frauen in Diskussion zu traditionell “männlichen Themen” einzubeziehen.

Die Forscher haben ebenfalls , abgesehen vom Geschlecht, analysiert, wer meistens in die Medien eingeladen wird. Oft sind es weder Intellektuelle noch Experten, sondern Politiker.

Frauen in der öffentlichen Diskussion

Von den vierzehn untersuchten journalistischen Programmen in Radio und Fernsehen, wurden Frauen am meisten zu der Sendungen Tomasz Lis Live und Die Wahlen bei TOK eingeladen. Hier war der Frauenanteil jeweils 27,1 Prozent und 26,9 Prozent. Auf dem dritten Platz leigt die Sendung Politischer Salon des öffentlichen Radios (17,1%).

Auf dem Ende des Rankings steht Kontrwywiad (Radio RMF FM, 7,8 %), Jeden na jednego (TVN, 7,4%), Kawa na lawe (TVN, 5,1 %). In der Mitte des Rankings steht mit 11,8 Prozent Frauenanteil das Programm Graffiti (Polsat). Damit werden bei der Hälfte der meinungsbildenden Programmen in Fernsehen und Radio nur eine Frau und neun Männer zur Diskussion eingeladen.

Die von den polnischen linken Zeitschrift Politische Kritik angeregte Kampagne wurde von anderen skandinavischen Frauenorganisationen inspiriert. Diese sind zum Bespiel: die schwedische Mediation für Justiz (Rättviseförmedlingen) und das dänische KVINFO. Mal sehen, ob und welche Wirkungen diese Kampagne haben wird und ob sich die Expertinnen-Datenbank etablieren wird. Sie findet man unter ekspertki.org.

Bild: Polnische Flagge // (cc) Lukas Plewnia – polen-heute.de [CC BY 2.0] / Flickr
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