Polnische Weltraumagentur ins Leben gerufen

Das polnische Parlament hat heute fast einstimmig die Gründung einer Weltraumagentur beschlossen. POLSA soll in Warschau angesiedelt sein und vor allem die heimische Industrie mit Aufträgen versorgen. Polen will endlich Gewinne aus seiner Mitgliedschaft in der Europäischen Raumfahrtagentur ESA ziehen.

Abseits der großen Debatten um die Ukraine, MH17 und möglicherweise nicht rechtmäßige Durchsuchungen eines Abgeordnetenzimmers hat sich das polnische Parlament einmal selten einmütig gezeigt. Mit 434 Stimmen hat der Sejm heute beschlossen, dass eine polnische Weltraumagentur gegründet werden soll. Nur drei Abgeordnete stimmten dagegen. Die Agentur soll den Namen POLSA tragen (Polish Space Agency) und spätestens 2017 ihre Arbeit aufnehmen. Sie soll ihren Sitz in Warschau haben. Die Kosten werden auf zwei bis drei Millionen Euro im Jahr geschätzt.

Mit Satellitenbau der heimischen Wirtschaft helfen

Initiator der Gesetzesvorlage ist der ehemalige Vizepremier und Vorsitzende der Bauernpartei (PSL) Waldemar Pawlak. Das oberste Ziel von POLSA soll sein, im Rahmen der Europäischen Raumfahrtagentur ESA Forschung zu betreiben. Polen ist der ESA 2012 beigetreten und zahlt über 40 Mio. € im Jahr ins Budget ein. Bis 2017 sollen davon knapp die Hälfte an polnische Firmen zurückfließen. Mit POLSA verspricht sich Polen noch besser um die europäischen Forschungsgelder konkurrieren zu können.

Experten gehen davon aus, dass Polen sich besonders in den Bereichen des Satellitenbaus und der Erdbeobachtung spezialisieren könnte. Zudem werden positive Effekte auf die heimische Industrie, aber auch den Rüstungssektor erwartet. Die Initiatoren des Gesetzes rechnen vor, dass weltweit über 250 Mrd. Dollar Umsatz in der Raumfahrt gemacht werden. In Norwegen soll sogar jeder investierte Dollar vier bis fünf Dollar Umsatz generieren. Ob Polen hier mithalten kann, muss sich zeigen. Schon jetzt warnen Kritiker vor zu großen Erwartungen. Die Kooperation von Forschung und Industrie würde in Polen bei weitem nicht so reibungslos klappen wie in anderen europäischen Staaten.

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