Protest in Warschau gegen „Kreuzschändung“

In Warschau hat heute eine Gruppe von Gläubigen vor dem Zentrum für Moderne Kunst in Warschau protestiert. Anlass der Kundgebung ist ein Kunstfilm, der die religiösen Gefühle der Gläubigen verletzen soll. Unter den Demonstranten sind auch Politiker der rechtsklerikalen Partei Recht und Gerechtigkeit, die bereits Strafanzeige gestellt hat.

In Warschau hat heute eine Gruppe von Gläubigen und rechtsklerikalen Politikern vor dem Zentrum für Moderne Kunst in Warschau protestiert. Anlass der Kundgebung, an der über 100 Menschen teilnahmen, war die Ausstellung „British British Polish Polish: Kunst der Ränder Europas, die langen 90er-Jahre und heute“. Konkret erregte der Film „Die Verehrung von Christus“ des Künstlers Jacek Markiewicz den Unmut der Protestierenden. In dem Film von 1993 liebkost der nackte Künstler einen gekreuzigten Jesus auf einem Bett. Seinen eigenen Angaben zufolge wolle Markiewicz damit seine Zuneigung zum „wahren Gott“ zeigen – in Abgrenzung zu dem in der Kirche verehrten „Scheingott“.

Die Ausstellung wird bereits seit Mitte September gezeigt und dauert noch zwei Wochen an. Doch erst jetzt haben klerikale Gruppen und Politiker zu einem Protest gegen die Ausstellung aufgerufen. Mehr als einhundert Personen waren dem Aufruf gefolgt und hielten Plakate sowie polnische Flaggen hoch, einige waren in religiösen Trachten angereist. Zum Abschluss der Veranstaltung skandierten sie „Schande, Schande!“

PiS-Politiker stellen Strafanzeige

Auch Politiker der rechtsklerikalen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) waren in die Krakauer Vorstadt (Krakowskie Przedmiescie) gekommen. Sie sprachen von einer „Schändung des Kreuzes“ und verlangten die Absetzung der Leitung des Kunstzentrums. Auch Kulturminister Bogdan Zdrojewski und Ministerpräsident Donald Tusk hätten sich zu verantworten. Zwei Sejmabgeordnete haben sogar bereits Strafanzeige wegen Verletzung religiöser Gefühle gestellt.

Immer wieder kommt es in Polen zu religiös motivierten Protesten und Strafprozessen. Ein bekanntes Beispiel ist der Musiker Adam „Nergal“ Darski, der auf der Bühne eine Bibel zerrissen hat und sich dafür vor Gericht verantworten muss. Besonders die rechtskonservative PiS, das Medienimperium von Redemptoristenpater Tadeusz Rydzyk und einige ultrareligiöse Gruppierungen haben großes Mobilisierungspotenzial und finden starken Widerhall in den polnischen Medien.

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