Recht und Gerechtigkeit kämpft auf dem flachen Land

Auf ihrem Parteikonvent ging die Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit mit der Regierung scharf ins Gericht. Die Partei versucht, auf dem flachen Land an Wählerstimmen zu gewinnen. Ein Konflikt mit der Bauernpartei um die Stimmen der Bauernschaft scheint unausweichlich.

Die rechtsklerikale Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), hat heute im beschaulichen Przysucha (ca. 6000 Einwohner) einen Parteikonvent abgehalten. Der Ort der Zusammenkunft ist nicht zufällig eine Kleinstadt: Die größte Oppositionspartei des Landes traf sich unter dem Schlagwort „PiS näher an den Menschen. Polen ist eins. Zusammenfassung der Rundfahrt durch Polens Landkreise 2013“. Diese Rundfahrt hatte PiS und Parteichef Jaroslaw Kaczynski im letzten Jahr in mehrere Kleinstädte und Dörfer in ganz Polen geführt.

Die Rundfahrt durch Polen und der heutige Parteikonvent sind Teil der PiS-Strategie, mehr Wähler auf dem Land und in Kleinstädten anzusprechen. In kleineren Städten ist PiS in Umfragen bereits die führende Partei, während in den großen Städten eher die regierende, liberalkonservative Bürgerplattform (PO) vorne liegt.

Auf dem Parteikonvent von PiS kam es daher auch vornehmlich zu einer Generalabrechnung mit der Regierung. Diese habe das Land in eine Krise geführt, so das Credo der PiS-Redner. Heute würden sich viele Menschen in Polen nicht mehr fragen „wie leben?“, sondern müssten sich die Frage stellen „wie überleben?“, sagte Kaczynski. Recht und Gerechtigkeit wolle dagegen „für alle Polen da sein“. Der Parteichef versprach, dass dies auch im Mitte Februar veröffentlichten Programm der Partei zum Europawahlkampf ersichtlich sei.

Kampf um die Bauernschaft

Während PiS in den Kleinstädten also bereits Fuß gefasst hat, hat die Partei auf dem flachen Land dagegen noch einiges aufzuholen. Die polnische Bauernschaft sieht eher in der Bauernpartei (PSL) ihre Interessenvertretung, PiS folgt in Umfragen erst mit einigem Abstand auf Platz zwei. Daher erwarten Analysten im kommenden Wahlkampf eine harte Auseinandersetzung zwischen PSL und PiS um die Stimmen der Bauernschaft. Dazu passt, dass Jaroslaw Kaczynski in seiner Rede hervorhob, dass über 60 Prozent der Polen auf dem Land leben würden und diese Menschen die Stärke des Landes darstellten.

Aus dem Lager der PiS kommen bereits erste Stimmen, die der PSL einen Verrat an den Landwirten und der Dorfbevölkerung Polens vorwerfen. Zuletzt hatten sich zudem die Parteichefs Jaroslaw Kaczynski (PiS) und Janusz Piechocinski (PSL) per Brief einen heftigen Wortwechsel geliefert. Auslöser waren zwar die Äußerungen des britischen Premiers David Cameron gewesen, dahinter liegt jedoch ein tiefer gehender Konflikt um die Vorherrschaft auf dem Land.

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