Recycling: In Polen bald Alltag?

Seit der Einführung des Grünen Punktes zu Beginn der 1990er Jahre ist Mülltrennung in Deutschland alltäglich – kaum jemand, der nicht mindestens drei Mülleimer im Haushalt hat. In Polen ist das anders; die Kultur der Mülltrennung hat sich noch nicht so weit entwickelt. Kaum ein Haushalt trennt Papier vom Biomüll oder vom Plastikmüll. Eher selten sind Container für Glas oder für Altpapier.

Das soll sich nun ändern – polnische Zeitungen schreiben von einer „Müllrevolution“. Denn am 1. Juli tritt eine Gesetzesnovelle in Kraft, nach der Haushalte, die Müll trennen, geringere Kosten für die Müllabfuhr bezahlen müssen. Die Einsparung ist erheblich und kann mehr als 30 Prozent betragen; die Kosten variieren jedoch von Gemeinde zu Gemeinde.

Probleme des Gesetzes

Um sparen zu können, muss der Hausbesitzer bei der Stadtverwaltung eine Erklärung vorlegen, dass der Haushalt Mülltrennung betreiben wird. Danach muss der Haushalt konsequent Haushaltsmüll trennen – wenn festgestellt wird, dass der Müll nicht getrennt wurde, kann es zu hohen Nachzahlungen kommen.

In Mietshäusern soll der Hausverwalter oder -besitzer eine Umfrage durchführen, ob die Mieter zur Mülltrennung bereit sind. Dieses kann jedoch Probleme mit sich bringen, wenn einige Mieter den Müll nicht trennen und im Nachhinein alle Mieter dafür zahlen müssen. Die Kontrolle darüber soll durch Mitarbeiter der Stadtverwaltung erfolgen.

Vertreter der rechtsliberalen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) verteidigen das neue Gesetz und sehen zunächst keine Probleme, da sich die Mülltrennung für alle Haushalte lohnt. Vertreter von Oppositionsparteien kritisieren, dass es hier zur Kollektivhaftung kommen kann. Außerdem gehe mit der Reform eine massive Erhöhung der Gebühren für die Müllabfuhr einher.

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