Smolensk-Experten: Beweise zum Attentat gefälscht

Eines der Schlüsselbeweise von Professor Wieslaw Binienda zum vermeintlichen Attentat im April 2010 in Smolensk – eine Fotografie der Tragfläche des verunglückten Flugzeugs – wurde gefälscht. Das ist das Urteil der von der Regierung berufenen Kommission zur Klärung der Frage nach den Ursachen der Flugzeugkatastrophe in Smolensk. Dieser Ausschuss unter Leitung von Maciej Lasek wirft dem angeblich inkompetenten Experten vor, in einem Computerprogramm bearbeitetes Beweismaterial zu verwenden, um eigene Thesen zu erfinden und auf diese Weise die Öffentlichkeit irrezuführen.

Dieses Bild nutzte das von Antoni Macierewicz (Recht und Gerechtigkeit, PiS) gegründete Team, das sich zum Ziel gesetzt hat, zu beweisen, dass der Flugzeugabsturz kein Unglück war, sondern ein lange geplantes Attentat auf das damalige polnische Staatsoberhaupt. Auf dem in einer Präsentation von Professor Binienda benutzten Foto ist ein Loch mitten in der Tragfläche zu erkennen, wobei an den vorderen und hinteren Rändern keine Schäden vorhanden sind. Laut dem für Flugwesen zuständigen Experten in der Kommission von Maciej Lasek, Edward Lojek, wurde das gefälschte Bild in dem Beweismaterial von Macierewicz’ Mitarbeitern benutzt, um zu bestätigen, dass es zu einem Bombenattentat gekommen ist und die Tragfläche nicht durch den Zusammenstoß mit einem Baum beschädigt wurde.

Lojek betonte, dies sei eine evidente Fälschung und Tatsachenmanipulation. Außerdem seien keine weiteren Spuren einer Explosion zu erkennen. Maciej Lasek kündigte an, einen Antrag bei der Staatsanwaltschaft zu stellen, um den Autoren der Fotografie zu ermitteln.

Macierewicz weist Vorwürfe zurück

Antoni Macierewicz will sich auch an die Staatsanwaltschaft wenden – wegen einer angeblichen Verleumdung. Seiner Meinung nach habe die Kommission von Lasek keine Gründe dafür, Professor Binienda eine Fälschung vorzuwerfen. Es wurde zum Beispiel nicht genau bestimmt,  um welche Präsentation des Professors es sich in diesem Falle handelt. Außerdem nutze Lasek selber – laut Macierewicz – gefälschte Beweise, wie zum Beispiel unechte Aufnahmen aus der Black Box.

Heute sollte auch eine Debatte im polnischen Parlament stattfinden, in der beide Kommissionen die Ergebnisse ihrer Ermittlungen vorstellen sollten. Danach waren die Reden der Familien der Opfer des Flugzeugabsturzes geplant – eine davon sollte Jaroslaw Kaczynski halten. Diese Debatte wurde aber aus unbekannten Gründen auf nächste Woche verschoben.

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