Smolensk: Fernab der Sachpolitik

In Deutschland werde keine sachorientierte Politik gemacht, meint so mancher Kommentator hierzulande. Doch in Polen verläuft der politische Diskurs auf einer ganz anderen Ebene. Meinungen, Sympathien und Animositäten geben die Schlagrichtung vor – fernab jeglicher Sachpolitik. Das Flugzeugunglück bei Smolensk ist ein äußerst aktuelles Beispiel für das Ringen um Deutungshoheit.

Alternative Theorie: Anschlag

 „Berichte, dass drei Menschen überlebt haben, sind glaubwürdig“, soll heutigen Medienberichten zufolge der Parlamentarier Antoni Macierewicz gestern im Rahmen einer Gedenkveranstaltung der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) gesagt haben; gestern vor drei Jahren verunglückte unter anderem Präsident Lech Kaczynski in einer Flugzeugkatastrophe tödlich. Doch dabei ist vieles unklar – was beispielsweise mit den Überlebenden passiert ist oder woher die Informationen kommen. Macierewicz möchte nach eigenen Angaben seine Informanten schützen, sicher seien die Informationen jedoch, da er sie aus drei voneinander unabhängigen Quellen habe.

Dies ist lediglich ein vorläufiger Höhepunkt einer langen Kette an Behauptungen, die bisher ohne Beweise blieben. So wurde kurz nach der Katastrophe behauptet, der Nebel sei von den Russen selbst hergestellt worden und die Lotsen des Militärflughafens hätten die Piloten der verunglückten Präsidentenmaschine in die Irre geführt. Behauptet wurde vor einiger Zeit auch, dass Spezialkräfte Überlebende des Flugzeugabsturzes am Unglücksort exekutiert hätten. Die Theorie, dass in Wirklichkeit Explosionen das Flugzeug zerstörten und es sich um einen Anschlag handelte, hält sich bis heute und wird von vielen Menschen in Polen geglaubt. Doch auf die zwei Schüsselfragen wurden von Anhängern dieser alternativen Theorien bisher keine schlüssigen Antworten geliefert: Wieso flog die Präsidentenmaschine den technisch stark veralteten Militärflughaben an trotz widriger Sichtverhältnisse? Und wem nutzte der Anschlag? Denn der Präsident in Polen hat eine eher repräsentative Rolle, genauso wie in Deutschland der Bundespräsident.

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