Streit in der Kirche um kritischen Geistlichen

Am gestrigen Sonntag veröffentlichte der Geistliche Wojciech Lemanski einen Eintrag auf seinem Blog, der in den polnischen Medien heute für einiges Aufsehen sorgt. Lemanski, ein landesweit bekannter Pfarrer, äußert sich in seinem Beitrag sehr kritisch über Erzbischof Henryk Hoser und dessen Entscheidung, Lemanski in den Frühruhestand zu versetzen. Anfang Juli hatte Hoser Lemanski aus dem Amt des Pfarrers in einem Dorf nahe Warschau entfernen lassen. Der Grund dafür war Lemanskis abweichende Haltung zur offiziellen Meinung der Kirche in einigen Themenfeldern. Zudem hatte er sich mit Hoser überworfen, dem Lemanski „nicht zulässiges und skandalöses Verhalten gegenüber einem Priester“ vorwirft. 2010 soll sich Hoser bei einem Gespräch unter vier Augen Lemanski gegenüber „tief ungebührlich“ verhalten haben. Lemanski hat es bisher aber abgelehnt, seine Andeutung genauer zu erläutern. Jedoch hat er in seinem Beitrag den schottischen Erzbischof Keith O’Brien erwähnt, der erst im Frühjahr 2013 wegen sexueller Avancen gegenüber Priesterseminaristen in den 80er-Jahren in die Schlagzeilen geraten war.

Kritischer Geistlicher und Blogger

Wojciech Lemanski hat sich unter anderem in der Debatte zur In-Vitro-Fertilisation zu Wort gemeldet. Dabei kritisierte er das intolerante Verhalten der Kirche den Menschen gegenüber, die sich dieser Prozedur unterzogen haben oder durch sie gezeugt worden sind. Im Fernsehen stritt er sich mit Geistlichen über bioethische Fragestellungen und geriet in Konflikt mit Erzbischof Hoser, dem Chef der Bioethikgruppe des polnischen Episkopats. Hoser hatte in dieser Funktion die Anwendung von In-vitro aufs Schärfste angeprangert. Auch im Fall Nergal stellte sich Lemanski auf die Seite kritischer Geistlicher, die den Sänger der Metalband Behemoth in Schutz nahmen. Zudem geriet er in die Kritik, als er anmahnte, Fälle von Pädophilie in der Kirche aufzuklären.

Seit rund einem Jahr unterhält Lemanski ein öffentlichkeitswirksames Internet-Blog. Anfang dieses Jahres erhielt er von der Bischofskonferenz die Aufforderung, sich gänzlich aus den Medien zurückzuziehen. Später folgte der „väterliche Rat“, sich freiwillig zur Ruhe zu setzen – Lemanski weigerte sich. Nun hat Erzbischof Henryk Hoser die Reißleine gezogen. Mitglieder aus Lemanskis Gemeinde hatten noch erfolglos per Brief an den Bischof versucht, ihren Pfarrer zu schützen.

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