Tschechen beliebt, Russen und Roma weniger

Das Meinungsforschungsinstitut CBOS hat die Polen wieder gefragt, welche Völker sie besonders mögen. Gewonnen haben erneut die Tschechen. Große Abneigung empfinden die Polen gegenüber Sinti und Roma, Rumänen und Russen. Doch auch US-Amerikaner sind längst nicht so beliebt wie noch in den 1990er-Jahren.

Jedes Jahr fragt das Meinungsforschungsinstitut CBOS die Polen, welche anderen Völker sie besonders mögen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich nicht viel getan. An erster Stelle stehen wie seit längerem die Tschechen. 50 Prozent der Polen empfinden Sympathie für die Einwohner des Nachbarlandes. Danach folgen die Italiener (48 %) und die Slowaken (47 %) vor Spaniern und Iren (46 %).

Die Sozialwissenschaftler beim CBOS erklären die Stabilität damit, dass die Polen sich besonders an den „sozial-ökonomisch entwickelteren Staaten positiv orientieren“ würden. Aus der Reihe fallen nur die Engländer. Gegenüber dem Vorjahr fiel die Sympathie hier um vier Prozentpunkte auf 43 Prozent. Eine Erklärung könnten jüngste Verstimmungen wegen negativer Äußerungen von Premierminister David Cameron über polnische Zuwanderer sein.

Auch die Beliebtheit der Russen ist weiter gefallen, sie gehörte schon in den letzten Jahren zu den niedrigsten. 2014 finden nur noch 25 Prozent der Polen Russen sympathisch (minus sechs Prozentpunkte). Möglicherweise könnten die umstürzlerischen Vorgänge in der Ukraine ein Grund für das schlechte Abschneiden der Russen sein. Viele Polen sehen Russland als negativen, antiwestlichen Einflussfaktor im Kampf um eine Westanbindung der Ukraine.

US-Amerikaner: keine Idole mehr

Unübersehbar ist auch ein gewisser Antiziganismus in der polnischen Gesellschaft. Mit 55 Prozent Abneigung rangieren Sinti und Roma ganz oben auf der Liste der ungeliebten Völker, knapp vor den Rumänen (45 % Abneigung). Das ist besonders interessant, weil die Minderheit der Sinti und Roma mit geschätzt maximal 40.000 Angehörigen in Polen relativ klein ist. In einem Zensus 2011 bekannten sich sogar nur knapp 17.000 Personen zu dieser Volksgruppe. In der Volksrepublik Polen ist die Gruppe zudem größtenteils sesshaft geworden. Jedoch sind sie noch immer vielen Benachteiligungen und offener Diskriminierung ausgesetzt. Doch auch Chinesen, Vietnamesen und Türken (über 30 % Abneigung) kommen bei der polnischen Bevölkerung nicht gut weg.

Das Meinungsforschungsinstitut CBOS führt die Umfragen seit Anfang der 1990er in Polen durch. Über diese Zeitperiode ist besonders der Wandel der Popularität der US-Amerikaner dramatisch. Während sie zu Beginn der 1990er-Jahre noch mit über 60 Prozent Beliebtheit ganz weit vorne lagen, sind sie inzwischen auf nur noch 41 Prozent gefallen. Zudem wuchs die Zahl derjenigen Polen, die eine klare Abneigung gegen US-Amerikaner fühlen, von neun auf 21 Prozent. Der ständige Streit um die Visumpflicht für Polen bei der USA-Einreise und die von Polen  wahrgenommene ausbleibende Wertschätzung der Teilnahme an den US-amerikanischen Kriegen scheinen sich hier besonders negativ auszuwirken.

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