Tusk: Polen bald unter Top 20

Laut Premierminister Tusk soll Polen in den nächsten acht Jahren zu den reichsten Ländern der Welt gehören. Dabei soll auch die Infrastruktur verbessert und die Ungleichheit in der Bevölkerung gesenkt werden. Doch die aktuelle Situation Polens kann auch anders interpretiert werden.

Donald TuskPremierminister Donald Tusk kündigte heute auf einer Pressekonferenz an, Polen solle bis 2022 zu den reichsten 20 Ländern der Welt aufrücken. Dies solle durch ein starkes Wirtschaftswachstum und durch EU-Strukturhilfen erfolgen, die in der Finanzperspektive 2014 bis 2020 ca. 125 Milliarden Euro betragen sollen. Zurzeit sei Polen, so Tusk, einige Plätze unterhalb den Top 20, doch das könne sich ändern. Der Regierungschef kündigte auch an, dass Polen schon 2016/2017 bei der Länge der Schnellstraßen und Autobahnen vor Großbritannien liegen werden, davor sind dann nur noch vier andere Länder. „Dies erfüllt mich mit besonderer Zufriedenheit“, so Tusk, der sich mit dem Seitenhieb auf Cameron nicht zurückhalten konnte. Dieser hat erst letzten Sonntag Einwanderer aus Polen kritisiert.

Darüber hinaus will Tusk die Ungleichheit in der Bevölkerung verringern und wesentlich mehr Geld in die universitäre Bildung fließen lassen, die das Wirtschaftswachstum unterstützen soll. Dabei sollen Unternehmen entscheiden, in welche Richtung geforscht werden und welche Universität überhaupt zusätzliche Gelder erhalten soll.

Hohes Ungleichgewicht und viel Armut

Ankündigungen der Regierung zum Trotz kann die Realität in Polen auch anders begriffen werden. Zum Beispiel ist das Einkommen aus abhängiger Beschäftigung im Durchschnitt fast vier Mal geringer als in Deutschland, während die Preise in den Supermärkten und Shoppingmalls auf dem gleichen Niveau liegen. Viele polnische Familien können nur deswegen einen relativ hohen Lebensstandard erreichen, weil sie Geld von im Ausland lebenden Familienangehörigen überwiesen bekommen. So beträgt der durchschnittliche Bruttolohn um die 870 Euro im Monat und der Mindestlohn liegt bei circa 400 Euro.

Beim BIP befindet sich Polen zwar nach Schätzungen des IWF für 2013 auf Platz 23. Das Land ist mit 38 Millionen Einwohnern jedoch besonders bevölkerungsreich. Beim BIP pro Kopf liegt es nur auf Platz 54 (kaufkraftbereinigt: Platz 49). Das wachsende Budgetdefizit in Relation zum BIP von ca. 68 Prozent (2013) und die beständig hohe Arbeitslosigkeit (ca. 13%) tragen nicht unbedingt dazu bei, die Armut zu senken und das Land wohlhabender zu machen. Und die Zukunft sieht aus dieser Perspektive nicht so rosig aus.

Bild: Donald Tusk // (cc) M. Śmiarowski/KPRM [CC BY-NC-ND 2.0] / Flickr

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