Warschau im Regen – Alles außer Fußball

 

Ein gehöriges Nachspiel hat das Qualifikationsspiel für die WM 2014 in Brasilien zwischen Polen und England, das vorgestern im Nationalstadion in Warschau hätte stattfinden sollen. Zunächst kam es zu sintflutartigen Regenfällen, die das Spielfeld unter Wasser setzten und unbespielbar machten. Nach langer Wartezeit wurde das Spiel um einen Tag verschoben. Nun spannt sich eine Diskussion darum, wer Schuld an dem Debakel hat. Die Opposition im polnischen Parlament stellte die regierende Bürgerplattform (PO), Sportministerin Joanna Mucha und Premierminister Tusk als Schuldigen heraus. Ihnen sei anzulasten, dass das Dach nicht schließbar sei und unter dem Spielfeld eine voll funktionstüchtige Drainage fehle. Ex-Innenminister Ryszard Kalisz vom oppositionellen Bund der Demokratischen Linken (SLD) nahm die Regierung jedoch in Schutz. Seiner Auffassung nach oblag es dem Gesandten der FIFA, die das Stadion für das Spiel angemietet hatte, bei Abnahme der Spielstätte alle Funktionalitäten zu überprüfen. Ähnlich argumentiert die Regierung. Hinzukommt, dass beide Mannschaften dagegen gestimmt haben, das Stadiondach zu schließen. Ihnen war noch das EM-Eröffnungsspiel in Erinnerung, als es unter dem geschlossenen Dach unerträglich schwül wurde und die Spieler schnell ermüdeten. Aufsehen erregtem im Internet auch die drei Fans, die während der Wartezeit aufs Spielfeld des ironisch in „Nationalschwimmbad“ umgetauften Stadions stürmten und sich eine Verfolgungsjagd mit Ordnern lieferten. Ihnen drohte theoretisch eine Haftstrafe bis zu drei Jahren wegen Störung einer Großveranstaltung durch „Flitzen“. In einem Eilverfahren wurden zwei von ihnen zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Aber auch hier regt sich schon Widerstand. Ein Vergehen bestünde nach Meinung des ehemaligen Justizminister Krzysztof Kwiatkowski (PO) nicht, weil das angeblich gestörte Ereignis, sprich das Fußballspiel, überhaupt nicht stattgefunden habe. Auch die Internetszene und Premier Tusk sprachen sich gegen ein Urteil aus. Fast nebensächlich blieb, dass sich das polnische Nationalteam am folgenden Tag beachtlich stark gegen England präsentierte und ein hochverdientes 1:1 erkämpfte.

Quelle: YouTube

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