Wie berechtigt ist die Kritik an Robert Lewandowski wirklich?

Nach einigen schwächeren Spielen im Verein nahm die Kritik an Polens Nationalstürmer Robert Lewandowski zuletzt zu. Ist diese berechtigt und neigt die WM-Hoffnung tatsächlich dazu, in wichtigen Spielen abzutauchen? Wir analysieren die Situation statistisch und kommen dabei zu spannenden Resultaten.

Polnische FlaggeÜberragende Werte Lewandowskis in Bundesliga

Ehe er bei der Fußball-Weltmeisterschaft für Polen auf Torejagd gehen soll, hat Robert Lewandowski noch einige Vereinsspiele vor sich. Mit dem FC Bayern München spielte der Stürmer die komplette Saison lang in drei Wettbewerben – und dies auch durchaus erfolgreich. Die Torjägerliste der Bundesliga führt er nicht erst seit dem winterlichen Abgang von Pierre-Emerick Aubameyang zu Arsenal souverän an. Auch ganz allgemein überzeugt der Pole beim FC Bayern statistisch. Überzeugend ist vielleicht gar Understatement: Lewandowski kommt auf 105 Tore in 124 Spielen. Das lässt sich in einen Schnitt von 0,85 Toren pro Spiel umrechnen. Diesen Wert erreicht in der Historie sonst nur der große Gerd Müller. Besonders: Polens Nationalspieler benötigt für diesen Schnitt weniger Spielzeit, als der Bundesliga-Rekordtorschütze.

International hakt es jedoch beim Kapitän der Nationalmannschaft, wenn es in der Champions League in den großen Spielen um alles geht. Hier findet sich auch der Hauptkritikpunkt der letzten Wochen. Der Blick auf die Statistiken lässt jedoch im Grunde nichts Schlimmes vermuten: 11 Tore in 20 K.o.-Partien sind beim Polen notiert. Damit steht er hinter einer Klublegende wie dem aktuellen Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge. Dennoch fehlen seit der Galavorstellung in Diensten von Borussia Dortmund im Halbfinale 2013 gegen Real Madrid und den vier Toren im Hinspiel die Topleistungen in der entscheidenden Phase. Der Ex-Trainer und zweimalige Königsklassen-Gewinner Ottmar Hitzfeld stellt treffend fest, dass er treffsicherer in großen Spielen treffsicherer sein müsse.

Was fehlt Lewandowski in den „Big Games“?

Wie lässt sich also erklären, dass Lewandowski in aller Regelmäßigkeit die Gegner mit einer Gerd-Müller-Quote auseinander nimmt, aber dann nicht trifft? Muss man im DFB-Pokal-Finale gegen Eintracht Frankfurt ähnliches befürchten? Die Bayern sind nicht nur in der Mr Green App der klare Favorit. Die Quoten auf ein Lewandowski-Tor liegen im Übrigen bei 1,50 (Stand 1. Mai). Ende einer „Big Game“-Krise? Sowohl Spieler als auch Verein werden darauf hoffen, bevor die Phantom-Diskussion ins Lächerliche abdriftet. Einer der besten Torjäger seiner Generation, Dieter Hoeneß, bringt die Stärken von Lewandowski auf den Punkt: „Feinste Technik, eine Top-Athletik, geschickte Ballbehauptung, ein Rechts-links-Abschluss. Sehr viel mehr kann ein Mittelstürmer nicht haben.“

Auf der Suche nach der Trophäe mit den großen Ohren versprach sich Lewandowski nach dem deutschen Finale 2013 die besten Chancen in rot und weiß. Ein Jahr später wechselte er ablösefrei nach München, gewonnen hat er den Titel seitdem trotz allem nicht. Auch deshalb ranken sich immer wieder Spekulationen um den Polen. Trotz eines bis 2021 gültigen Vertrags wird oft und gerne Real Madrid als künftiger Arbeitgeber des Stürmers ins Spiel gebracht. Zweifelhaft sind diese Gerüchte allemal, nicht zuletzt aufgrund des fehlenden Interesses des FCB, den Stürmer abzugeben. Das beste Argument für seinen langfristigen Verbleib kann Lewandowski mit Leistung in den großen Spielen selbst liefern. Es scheinen stets nur Bruchteile eines Prozentes zu fehlen, damit der Knoten auch wieder auf großer Bühne platzt.

 

 

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