WOSP unter Beschuss

Erst letzten Sonntag fand das 22. Finale des Großen Orchesters der Weihnachthilfe statt. Dabei wurden fast neuen Millionen Euro für Kinder und alte Menschen gesammelt. Doch die Spendenaktion sieht sich Angriffen der klerikalen Rechten ausgesetzt und wehrt sich gegen Anschuldigungen. Jetzt mischt sich auch die Caritas Polska in die Diskussion ein und verteidigt das Große Orchester.

Das Große Orchester der Weihnachtshilfe (WOSP) feierte letzte Woche Sonntag das 22. Finale – wieder sind für Polen verhältnismäßig viele Spenden gesammelt worden. Dieses Jahr werden fast neun Millionen Euro für elektronische Geräte auf Kinderstationen und für die Geriatrie zur Verfügung stehen.

Furore machte der kleine Lukasz, der todkrank als ehrenamtlicher Helfer unterwegs war. Als Auszeichnung organsierte WOSP-Gründer Jerzy Owsiak vor dem Wohnhaus des 10-Jährigen ein spontanes Konzert mit Bühne und Star.

Klerikale Rechte greift an

In fast jedem polnischen Krankenhaus steht medizinisches Gerät, das auf Initiative von Jerzy Owsiak gesammelt wurde. Doch schon seit Jahren stehen Owsiak und WOSP unter Beschuss – wie auch dieses Jahr. Die klerikale Rechte behauptet, verhältnismäßig wenige Mittel aus den Sammlungen würden für den tatsächlichen Zweck ausgegeben; viel Geld verschwinde in undurchsichtigen Kanälen. Auch erhalte WOSP sehr viel mediale Aufmerksamkeit, während zum Beispiel die Caritas wesentlich weniger beachtet würde, obwohl die katholische Hilfsorganisation viel mehr Geld sammle.

Darüber hinaus wirft die klerikale Rechte Owsiak vor, dass er die Haltestelle Woodstock organisiert und viele der für WOSP gesammelten Mittel in diese Veranstaltung flössen. Das Rockkonzert wird jedes Jahr im Sommer als Dank für die ehrenamtlichen WOSP-Spendensammler veranstaltet. Dabei soll es, laut rechtsklerikalen Vertretern, regelmäßig zu Drogenkonsum, ungebührlichem Verhalten und der Anbetung von Satan kommen.

Und die Anschuldigungen gehen noch viel weiter: Krystyna Pawlowicz, Abgeordnete der rechtsklerikalen Partei Rechte und Gerechtigkeit (PiS), schreibt in einem Kommentar: „Owsiak schmückt sich mit armen und kranken Kindern“ und er und sein Umfeld „bekämpfen auf brutale Weise die Kirche“.

Owsiak erwidert

Krystyna PawlowiczJerzy Owsiak und seine Anhänger erwidern, alles sei transparent und legal. Erst am Dienstag dieser Woche verteidigte Wladyslaw Kosiniak-Kamysz, Minister für Arbeit und Sozialpolitik, die Spendenaktion. „Sie ergänzt die Rolle des Staates und ist notwendig“, so Kosiniak-Kamysz.

Die Kontrollen gegenüber Spendenorganisationen wie WOSP sind in Polen besonders intensiv, genauso wie die Anforderungen gegenüber der Transparenz. Jüngste Kontrollen des Ministeriums für Arbeit und Sozialpolitik (MPiPS) haben ergeben, dass die administrativen Kosten des Großen Orchesters ca. acht Prozent ausmachen. Es fließen also ca. 92 Prozent der Gelder in den tatsächlichen Zweck der Stiftung – damit zählt WOSP zu den effektivsten Spendenorganisationen in Polen.

Auf die Haltestelle Woodstock angesprochen, erwidert Owsiak regelmäßig, dass auf diesem Rockkonzert nichts Unanständiges passiere und es für viele Jugendlich ein besonders schönes Ereignis sei. Des Weiteren werde die Veranstaltung aus Spendengeldern finanziert, die insbesondere für diesen Zweck, unabhängig von WOSP, gesammelt würden. In der Tat sind Vorfälle von Drogenmissbrauch oder ähnlichem bisher nicht bekannt geworden.

Caritas schaltet sich ein

Die Caritas selbst hat sich gestern in die Diskussion eingeschaltet: Der Sprecher der Caritas Polska Pawel Keska sprach sich in einem Radiointerview gegen die Politisierung von Spendenaktionen aus. Demnach solle man WOPS und die Caritas nicht gegeneinander ausspielen. Beide Organisationen seien grundverschieden und behinderten sich nicht.

Abzuwarten bleibt, ob Politiker und Kommentatoren der klerikalen Rechten zukünftig die Aussagen des Caritas-Sprechers berücksichtigen werden. Da jedoch die öffentliche Debatte in Polen eher nicht konstruktiv geführt wird, scheinen solche Hoffnungen unbegründet.
Bild 1: Krystyna Pawlowicz // (cc) Lukas Plewnia / Polen Heute [CC BY-SA 2.0] / Flickr

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