Bauboom in Warschau

Im Mai 2016 wird der Bürokomplex Warsaw Spire feierlich eröffnet – mit seinem 220 Meter hohen Turm eingerahmt von zwei je 55 Meter hohen Gebäuden wird es der höchste Bürokomplex in Polen. Somit nähert sich Warschau der 5-Millionen-Marke hinsichtlich der Büroflächen. In Polen ist die Hauptstadt natürlich auf Platz 1. Um jedoch europaweit zu den Top-Städten zu gehören, muss noch reichlich gebaut werden.

Warsaw SpireDer neue Bürokomplex Warsaw Spire ist das neue Gesicht des wiederkehrenden Baubooms in der polnischen Hauptstadt. Nachdem auch Polen nach der verhältnismäßig gut überstandenen Wirtschaftskrise von 2008 den Bau vieler Projekte erstmal absagen musste, wird nun wieder kräftig gegraben, gebaut und geplant. Es entsteht ein zweites Büroviertel in Warschau, nun im Stadtbezirk Wola. Das erste wurde entlang der Domaniewska-Strasse im Bezirk Mokotow hochgezogen. Dort ist es mittlerweile so eng, dass es den vielversprechenden Namen „Mordor an der Domaniewska-Strasse“ erhalten hat.

Die Bevölkerung Warschaus ist im Hinblick auf die Entstehung eines weiteren Büroviertels, wie so oft, zweigeteilt. Entlang der Domaniewska-Strasse kommt es morgens wie abends zu zahlreichen Staus und in Bussen wie S-Bahnen ist es so eng, dass man sich nicht mehr festhalten muss. Die U-Bahnlinie verläuft weiter östlich, sodass sie das alltägliche Verkehrschaos nicht entlasten kann. In Wola hingegen steht der Warsaw Spire gegenüber einer Metro-Stration. Wie sich hier der Gang
ins Büro gestalten wird, ist bisweilen noch unklar.

Gründe für die Diskussion sind vielfältiger Natur – die Gegner argumentieren damit, dass in unmittelbarer Nähe Wohnviertel mit Einfamilienhäusern liegen, dass man an den Kassen in den Supermärkten länger anstehen muss oder dass man es einfach nicht gewohnt ist, dass man bei Rot an der Ampel Schlange stehen muss.

Die Befürworter hingegen sehen darin die Chance, endlich zu den reichsten Städten Europas aufzuschließen. Jedes Büro schafft direkt (Niederlassung zahlreicher Firmen) wie indirekt (Wasserlieferanten, Stromversorgung, Steuereinnahmen) Arbeitsplätze und die Umgebung eines jeden Bürogebäudes erlebt eine infrastrukturelle Aufbesserung. Bei all den Diskussionen ist eines sicher: Der Bauboom wird nicht Halt machen und irgendwie wird man sich einigen müssen.

Warschau wird im Jahr 2016 die 5-Millionen-Marke hinsichtlich der Büroflächen (in Quadratmetern) überschreiten. Ende 2013 hatte Warschau 4,2 Mio. Quadratmeter Büroflächen im Angebot. Lediglich Budapest und Prag lagen mit 3,2 Mio. bzw. 2,9 Mio. Quadratmeter hinter Warschau. Doch nach oben ist der Weg dann doch steiler. Amsterdam hat 7 Mio, Frankfurt a.M. 12 Mio, München 20 Mio. und Paris sogar 28 Mio. Quadratmeter. Warschau verändert sein Antlitz unglaublich schnell, das muss man zugeben. Gewöhnt war man seit den 70er-Jahren an relative Ruhe auf dem Bau. Doch ist das vielleicht der Preis, den man zahlen muss, um mitgehen zu können.

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