Nach 500 plus folgt nun Billige Wohnung plus

Das Programm zur Familienförderung 500 plus hat der regierenden Recht und Gerechtigkeit viele Anhänger beschert. Nun hat die Regierung ein neues Projekt vorgestellt, welches den Erwerb eines Eigenheimes vereinfachen soll – vor allem durch niedrigere Kaufpreise. Das nationale Wohnungsprogramm soll noch dieses Jahr im Sejm eingebracht werden. Bleibt nur noch die Frage der Finanzierung offen.

Polnische FlaggeDas Programm 500 plus soll die finanziellen Probleme ärmerer Familien lösen und noch kinderlosen Paaren die Entscheidung des Kinderkriegens einfacher machen.

Nun will die Regierung das seit Jahrzehnten in Polen bestehende Wohnungsproblem mit einem nationalen Wohnungsprogramm lösen. Momentan fehlen in Polen 460.000 Wohnungen.

Funktionsweise von „Billige Wohnung Plus“

Das Projekt ist auf 15 Jahre ausgelegt und sieht vor, dass staatliche wie private Firmen Grundstücke freigeben, auf denen die billigen Wohnungen gebaut werden sollen. Privatpersonen können diese dann ganz normal mieten. Sollten sie die Wohnung irgendwann als Eigentum erwerben wollen, müssen sie 20 Prozent des Mietpreises mehr bezahlen. Ganz nach dem Prinzip des Autoleasings.

Eine so erworbene Wohnung würde letzten Endes zwischen 2.500 und 3.500 Zloty (ca. 600-800 EUR) pro Quadratmeter  kosten. Eine Wohnung im Schlafviertel Warschau-Bemowo kostet momentan 6000 bis 7000 Zloty (ca. 1.500-1.800 EUR). Billiger geht es in Warschau kaum.

Das Programm Billige Wohnung plus richtet sich nicht nur an die Geringverdiener. Davon profitieren soll auch die neu entstehende Mittelklasse. Weder die Region, noch das Alter sollen eine Rolle spielen.

Finanzierung

Da in 15 Jahren 460.000 Wohnungen gebaut werden sollen, müsste man ca. 30.000 Wohnungen jährlich errichten, was den Staat bei 2.500 Zloty (ca. 600 EUR) Baukosten pro Quadratmeter 4 Milliarden Zloty (ca. eine Milliarde Euro) kosten würde. Ein Regierungssprecher betonen jedoch gegenüber den Medien, dass das Programm den Staat nichts kosten werde. Die Grundstück stünden ja kostenlos zur Verfügung und die restlichen Kosten würden durch die Mietkosten rein kommen.

Kritik

Kritiker hingegen sehen in diesem Programm viele Probleme. Die privaten Investoren würden nicht ohne weiteres ihre Grundstück zur Verfügung stellen. Man wird sie also mit rentablen Angeboten locken müssen. Auch ist die politische Situation in Polen sehr unsicher, was die Attraktivität solcher langfristigen Investitionen geringer erscheinen lässt. Zu guter Letzt wird der Staat vorab hohe Summen investieren müssen, um das Programm zum Laufen zu bringen. Die Zinskosten wurden jedoch in die Berechnungen nicht mit einbezogen.

Es heißt also abwarten. Die Bevölkerung vertraut solchen staatlichen Programmen nicht, da man schon unzählige Male die Lösung des Wohnungsproblems versprochen hatte. Die Skala des Plattenbaus im ganzen Land ist bis heute ein großes Denkmal in Polen. Fast in jedem Dorf steht ein solcher Betonklotz. Hoffentlich werden die neuen Wohnungen schöner aussehen und gemütlicher sein.

Bild: Polnische Flagge // (cc) Lukas Plewnia [CC BY-SA 2.0] / polen-heute.de/Flickr

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