Bischöfe: Kein Kompromiss bei Abtreibungen

Die polnischen Bischöfe sind zu keinem Kompromiss bei Schwangerschaftsabbrüchen bereit. Sie unterstützen Gesetzesvorhaben, die ein totales Abtreibungsverbot fordern. Die Erfolgsaussichten für eine gesetzliche Verschärfung des Abtreibungsrechts sind angesichts der Parlamentsmehrheit von PiS sehr groß.

Warschauer Erzbischof Kazimierz NyczBeim Thema Abtreibungen ist das polnische Episkopat zu keinem Kompromiss bereit. In einem Hirtenbrief fordert die Bischofskonferenz den „vollen Schutz des Lebens“. Der Hirtenbrief soll den Gläubigen am kommenden Sonntag in den Kirchen vorgelesen werden. Die Kirchenoberen berufen sich auf das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten!“, um das Leben „jedes Menschen von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod“ zu schützen. Damit stellt sich das Episkopat auch gegen die aktuelle Gesetzeslage, die als „Kompromiss“ bezeichnet wird. Dort ist der Schwangerschaftsabbruch in drei Fällen vorgesehen: Gefahr für das Leben der Mutter, hohe Wahrscheinlichkeit einer schweren und möglicherweise tödlichen Behinderung des Kindes, Schwangerschaft durch Vergewaltigung.

Selbst diese strenge Auslegung steht nun auf dem Prüfstand. Ein passender Gesetzesentwurf ist bereits von der Bürgerbewegung pro-life in den Sejm eingebracht worden. Die erste Lesung wird bald stattfinden. Zudem fordert eine neue Bewegung namens „Stoppt Abtreibung“ das totale Verbot aller Schwangerschaftsabbrüche. Und die Verschärfung des Abtreibungsrechtes hat sehr prominente Fürsprecher: Ministerpräsidentin Beata Szydlo (Recht und Gerechtigkeit, PiS) hat bereits ihre Unterstützung zugesagt.

Streit seit vielen Jahren

Der Streit um Abtreibungen treibt das tiefkatholische Polen schon lange herum. Denn während die Kirche, pro-klerikale Medien und die rechten Parteien das eigentlich schon sehr strenge Abtreibungsrecht noch weiter verschärfen wollen, gibt es auch liberale Gegenstimmen. Die Bürgerplattform (PO) hatte in ihrer Regierungszeit versucht, die vielen unter der jetzigen Rechtslage illegalen Abtreibungen zumindest teilweise zu legalisieren. Daran war die Partei beinahe zerbrochen, weil auch viele PO-Abgeordnete eher der konservativen Linie folgten.

Wie sich eine Verschärfung des polnischen Abtreibungsrechts auf die Gesellschaft und vor allem die Frauen in Polen auswirken würde, mag man sich nicht ausmalen. Offiziell liegt die Abtreibungszahl in Polen bei unter 1.000. Inoffiziell geht man hingegen von bis zu 100.000 Abtreibungen pro Jahr aus – vieles findet heimlich oder gleich im Ausland statt. Wenn demnächst Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren drohen sollten, werden wohl noch mehr Frauen zur Behandlung ins Ausland gehen müssen.

Bild: Warschauer Erzbischof Kazimierz Nycz // (cc) Lukas Plewnia / polen-heute.de [CC BY-SA 2.0] / Flickr

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