Deutsch-polnische Beziehungen im Zeichen der Wirtschaftsbeziehungen

Auch wenn in den Nachrichten ein anderer Eindruck vorherrscht, Deutschland und Polen bleiben eng verflochten. Gerade die Wirtschaftsbeziehungen zueinander sind ein elementares einigendes Momentum.

Kulturpalst in Warschau bei NachtDie politischen und kulturellen Verwerfungen zwischen Polen und Deutschland könnten in diesen für Europa stürmischen Zeiten größer nicht sein. 

Die Justizreform führt das Land hinter Oder und Neiße geradewegs in ein autokratisches System, das aus der Parteizentrale von Recht und Gerechtigkeit (PiS) geführt wird. Damit droht auch ein Polexi, wie der Spiegel vor einigen Tagen schrieb.

Kulturell driftet Polen aus deutscher Perspektive ins Mittelalter. Rechts-konservative Lokalregierungen verkünden Zonen frei von der LGBT-”Ideologie”, während sich in Deutschland sogar die CDU für die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen hatte.

Wirtschaftliche Entwicklungen – einigendes Element

In der Wirtschaft hingegen erscheint Deutschland als Vorbild und Anknüpfungspunkt für Polen zu dienen. Seit Jahren holt das Land zur westlichen Wirtschaftselite auf, wir sprachen schon vor Jahren von einem Modernisierungskurs

Aktuell berichtet die Deutsche Welle von den Bestrebungen, Polen wolle Deutschland bis 2040 beim Bruttoinlandsprodukt einholen. Das erscheint auf den ersten Blick unrealistisch, die Aufbruchstimmung in Warschau und vielen anderen Teilen des Landes ist jedoch mit den Händen spürbar. 

Und schon einmal hatte Polen ein Wunder vollbracht. In den Jahren der letzten Weltwirtschaftskrise ab 2007/08 war es eines der wenigen europäischen Länder, das jedes Jahr ein positives Wirtschaftswachstum vorweisen konnte.

Wirtschaftliche Verflechtungen – so stark wie nie

Daher wird kaum jemanden überraschen, dass die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern so stark wie nie sind. So gingen 2018 fast 30 Prozent der polnischen Exporte nach Deutschland. Für die Bundesrepublik hingegen ist Polen der sechstgrößte Außenhandelspartner.

Es kann auch auf die europäische Verflechtung sowie die räumliche und infrastrukturelle Nähe zwischen Deutschland und Polen zurückgeführt werden, dass Exporte aus Deutschland nach Polen von eminenter Bedeutung für das wirtschaftliche Wachstum in Polen sind. Zur Folge hat, dass eine Stossrichtung: Industrie 4.0.

In diesem Rahmen ist es notwendig, dass zum Beispiel Sensorik-Komponenten deutsche Standards erfüllen, denn sie sind der Ursprung und Grundstein von Daten im Bereich der Digitalisierung. Ein wichtiges Unternehmen für in diesem Industriesegment ist RS Components mit seiner Präsenz in Polen.

Digitales Polen – noch ein Wunschtraum?

Obgleich der beeindruckenden wirtschaftlichen Entwicklung und der Richtung Industrie 4.0, bleibt eine umfassende Digitalisierung in Polen noch ein Wunschtraum. So schreibt Germany Trade & Invest davon, dass Polen beim Index für digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) aus dem Jahr 2018, der von der Europäischen Kommission erstellt wird, auf einem der letzten Plätze ist. 

In der Lebensrealität zwischen Deutschland und Polen fühlt sich das jedoch anders an. In Polen hat man noch im hinterstens Dorf 4G und in grösseren Städten kann man flächendeckend schnelle über Mobilfunk surfen. Die Steuererklärung kann auch von Zuhause aus über das Internet erledigen und viele polnische Städte haben kostenlose Hotspots bereitgestellt.

Wie geht es weiter?

Gibt es einen Polexit und werden Deutschland und Polen auseinander driften? Das erscheint gleichwohl der negativen Presse zu den kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen unwahrscheinlich.

Auch die rechtskonservative PiS möchte Polen weiter auf Wachstumskurs sehen und das geht nur mit der EU und mit Deutschland. Daher werden sich beide Länder wohl in Zukunft weiter aufeinander zu bewegen.

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