Einmarsch der Roten Armee: Streit um Geschichte

Zwischen Polen und Russland gibt es Streit um das demontierte Denkmal eines Generals der Roten Armee. Die Botschafterin soll sich erklären. Polen hält dagegen das Gedenken an den Einmarsch der Sowjetarmee im September 1939 hoch.

Polnische FlaggeDas russische Außenministerium hat die polnische Botschafterin in Moskau einbestellt. Katarzyna Pelczynska-Nalecz soll sich zu einer Aktion in Pieniezno (an der polnisch-russischen Grenze in der Woiwodschaft Ermland-Masuren) äußern. Dort ist heute das Denkmal des sowjetischen Generals Iwan Tschernjachowski demontiert worden. Dies ist besonders pikant, weil sich heute der Einmarsch der Roten Armee in Polen am 17.09.1939 zum 76. Mal jährt. General Tschernjachowski wird von vielen Polen für die Auslöschung der Heimatarmee in der Region um Wilnius verantwortlich gemacht.

Gegen die Demontage des Denkmals hat die russische Regierung Protest eingelegt. Die Grab- und Denkmäler der Roten Armee müssten gemäß der internationalen Übereinkunft von 1994 gewahrt werden. Aus Sicht der russischen Botschaft in Polen sei die Entfernung der Büste des Generals eine Kränkung von 600.000 Soldaten der Roten Armee. Gemeint sind vermutlich die Soldaten der 3. Weißrussischen Front, deren Oberbefehlshaber Tschernjachowski war. Im Internet entwickelte sich daraufhin eine hitzige Diskussion zwischen der russischen Botschaft und polnischen Internetnutzern um die „historische Wahrheit“.

Tschernjachowki – Held in Russland

Iwan Tschernjachoswki gilt in Russland als einer der größten Helden des Großen Vaterländischen Krieges, wie der Zweite Weltkrieg dort heißt. Er war der jüngste Armeegeneral der Roten Armee und fiel während der Schlacht um Ostpreußen im Februar 1945 in der Nähe von Pieniezno. Nach dem Ende der Sowjetunion wurde sein Leichnam von Wilnius nach Moskau überführt. Von seinem Denkmal in Pieniezno sind bereits in den 90er-Jahren Hammer und Sichel entfernt worden. Jahrelang hatten sich zudem verschiedene Initiativen für die Entfernung des Konterfeis eingesetzt. Der Bürgermeister der Stadt deutete an, die Büste des Generals könnte Russland übergeben werden.

Anlässlich des 76. Jahrestages des Einmarsches der Roten Armee in Polen hat Ministerpräsidentin Ewa Kopacz in der Ukraine zusammen mit Premier Arsenij Jazenjuk den Ereignissen gedacht. Ihre beiden Länder hätten den Preis für den Totalitarismus bezahlt, so die Regierungschefin. Ziel der sowjetischen Aggression sei die Auslöschung der polnischen Elite gewesen. Dies bewiesen Katyn, Charkow und Twer. Der ukrainische Premier fügte hinzu, dass „in der zivilisierten Welt kein Platz mehr für Imperialismus, Totalitarismus“ sei.

Bild: polnische Flagge

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