Eurozone: Wohin geht der Weg?

Seit zehn Jahren gehört Polen zur Europäischen Union. Das Land hat in dieser Zeit wirtschaftlich aufgeholt. Nun stellt sich immer häufiger die Frage: Wann wird der Euro eingeführt? Im Jahre 2008 sollte es 2011 bzw. 2012 soweit sein, 2009 nannte die Regierung 2012 als bestmöglichen Termin. Seit 2010 ist man diesbezüglich etwas vorsichtiger und wiederholt stets, dass Polen “im richtigen Moment” der Eurozone beitreten werde. Die neuste Umfrage von TSN Polska zeigt deutlich, dass nicht nur die Regierung der konkreten Antwort ausweicht, sondern auch die Bürger eher unentschieden sind.

In einer aktuellen Umfrage von TSN Polska zur Einführung des Euro sind die Stimmen geteilt. 46 Prozent der Befragten sind dafür und 42 Prozent dagegen. Der relativ niedrige Anteil an Befürwortern ist Ausdruck von Befürchtungen, dass die Euroeinführung kurzfristig viele schmerzliche Auswirkungen haben könnte wie zum Beispiel Preiserhöhungen oder Missbrauch. Somit ist die Mehrheit der Befragten (63%) der Meinung, dass die schnelle Aufgabe des Zlotys direkte negative Folgen für ihren Haushalt haben würde. Nur 14 Prozent sind der Meinung, dass der Euro keine negativen Folgen für sie bringen würde. Seit der letzten TSN-Umfrage (vom September 2013) ist der Anteil der Euro-Anhänger um zwei Prozent gestiegen.

Mittel-osteuropäische EU-Länder in der Eurozone

Polen als Land, das dem Euro-Beitritt zurückhaltend gegenüber steht, beobachtet mit großem Interesse andere neue EU-Mitgliedstaaten, die die gemeinsame Währung entweder bereits eingeführt haben oder dies in naher Zukunft machen werden. Gemeint sind Slowenien (2007), Slowakei (2009), Estland (2011), Lettland (2014) und Litauen (2015).

Als Erfolgsfall wird oft Estland hervorgehoben, wo die Preisen nach dem Euro-Beitritt nur geringfügig stiegen. Ein Negativbespiel ist jedoch die Slowakei, denn das Land musste teils empfindliche Preissteigerungen hinnehmen. Das ist auch der Grund, warum die im Grenzgebiet lebenden Slowaken inzwischen lieber in Polen einkaufen. Negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum im Heimatland hat das auf jeden Fall.

Wohin geht der Weg?

Die Diskussion über den Euro-Beitritt bleibt in Polen auf der Agenda. Da das Thema einen direkten Einfluss auf das Portemonnaie jedes Bürgers hat, wird es heiß diskutiert. Zurzeit sind es jedoch nur theoretische Überlegungen, da es weder einen festen Beitrittstermin gibt, noch einen Vorschlag zum Wechselkurs. Im Übrigen fehlt es auch an einer durchdachten Informationskampagne, die zum Beispiel in Estland durchgeführt worden war.

Vielmehr ist der schnelle Währungswechsel momentan nicht möglich: Dazu müssten notwendige Änderungen in der Verfassung vorgenommen werden. Die Regierung hat dazu jetzt allerdings nicht die nötige Mehrheit. Aufgrund dessen ist der Beitritt Polens in die Euro-Zone auf absehbare Zeit wohl eher unwahrscheinlich.

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