„Fußballfans und Katholiken können für ihre Belange eintreten“

Am 13. Marsch der Gleichheit in Posen beteiligte sich auch der Stadtpräsident. Die von ihm genehmigte Dekoration der Demonstrationsroute mit Regenbogenflaggen wurde nach kurzer Frist zerstört.

RegenbogenAm Samstag, 24. September, fand in Posen zum 13. Mal der Marsch der Gleichheit statt, der mit einem großen Picknick im Karol-Marcinkowski-Park begann und dort – nach einem Zug mehrerer hundert Menschen zum Freiheitsplatz – auch endete. Er stellte den Höhepunkt der „Poznan Pride Week“ („Regenbogenwoche“) mit Workshops, Diskussionen und kulturellen Veranstaltungen dar und zählte zu seinen Teilnehmern unter anderem den Stadtpräsidenten Jacek Jaskowiak (PO) nebst dessen Stellvertreter, die Regisseurin Agnieszka Holland („Bittere Ernte“, „Hitlerjunge Salomon“) und den künstlerischen Leiter des lokalen Polnischen Theaters, Theater- und Restaurantkritiker Maciej Nowak.

Jaskowiak unterscheidet sich damit von den Oberhäuptern anderer Großstädte wie Hanna Gronkiewicz-Waltz in Warschau, welche eine Schirmherrschaft über die Parade der Gleichheit in der Landeshauptstadt abgelehnt hatte, und auch seinem Amtsvorgänger Ryszard Grobelny, der den Marsch 2005 sogar noch verboten hatte. Bei seiner zweiten Teilnahme an der Kundgebung bekam er dementsprechend vielfach Applaus dafür, die Hauptstadt Großpolens zu einem sehr toleranten, für Minderheiten und Ausgeschlossene offenen Ort gemacht zu haben, der in Sprechchören als „freie Stadt Posen“ gefeiert wurde.

Aus Anlass der Demonstration waren am Vorabend mit Einverständnis des Stadtpräsidenten auch Regenbogenflaggen in den Straßen aufgehängt worden, durch welche der Marsch ziehen sollte – ein Novum in Polen. Diese Entscheidung begründete er damit, dass wie die Fans von Lech Posen, die durch das Aushängen von Flaggen die Verbundenheit mit ihrem Verein zum Ausdruck brächten, und gläubige Katholiken, die an Prozessionen teilnehmen und an kirchlichen Feiertagen ihre Häuser schmücken könnten, jeder das gleiche Recht haben müsste, seine Identität und seine Überzeugungen auszuleben und – auch hinsichtlich der sexuellen Orientierung – anders zu sein. Holland, die auf Einladung Jaskowiaks nach Posen gekommen war, zeigte sich allerdings besorgt, dass die Minderheit auch ihre gegenwärtigen Rechte wie dasjenige, sich versammeln zu können, verlieren könnte und erhöhte Wachsamkeit daher vonnöten wäre.

Die regenbogenfarbenen Flaggen sollten dann bis Sonntag entlang der Marschstrecke zu sehen sein, überstanden die erste Nacht allerdings nicht. Nach Angaben der die Veranstaltung organisierenden LGBT+-Gruppe Stonewall stellte die Polizei die Personalien von sechs Tätern fest, die für die Zerstörung verantwortlich wären. Zumindest auf dem Unabhängigkeitsplatz wollte man daraufhin die Beflaggung allerdings wiederherstellen.

Vor Beginn des Zuges hatte zudem die Posener Patriotische Vereinigung „Polen treu“ eine Kundgebung abgehalten, an der sich auch Mitglieder der ONR (Nationalradikales Lager) beteiligten. Der Leiter der Vereinigung, Bogdan Freytag, griff Jaskowiak dafür an, der Anbringung der – so wörtlich – „bunten Lumpen, die das Symbol des Bösen, des öffentlichen Ärgernisses, des Sittenverfalls“ wären, zugestimmt zu haben, obwohl die Durchführung eines „durch Schwulheit und Linksradikalismus gepredigten Götzendienstes (…) in einer katholischen Stadt, in einem katholischen Staat“ nicht gebilligt würde.

Bild: Rebenbogen-Installation in Warchau (allerdigns bereits abgebaut) // (cc) Lukas Plewnia [CC BY-SA 2.0] / Flickr

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