Auswandern nach Polen – was es zu beachten gibt

Um die 8.000 Menschen wandern jährlich nach Polen aus. Die Wirtschaft zeigt in Polen mittlerweile ein gutes Wachstum. Damit der Umzug nach Polen reibungslos über die Bühne geht, gibt es einige Dinge zu beachten.

Polnische Straße

Wohnsitzabmeldung

Wenn man eine Eigentumswohnung oder ein Haus besitzt und nur vorübergehend nach Polen umziehen möchte, dann sollte man gut abwägen, ob man die Immobilie nicht verkaufen möchte. Ein Nachteil ist, dass man bei einem Verkauf eine Wohnsitzabmeldung einreichen muss. Der Umziehende kann nur schwer begründen, dass er trotz des Wegzugs weiterhin mehr Zeit in Deutschland verbringen will. Durch die Abmeldung des deutschen Wohnsitzes verliert man jeglichen Anspruch auf Erziehungs- und Kindergeld.

Wenn man sich dazu entschließt seine Immobilie zu behalten, dann muss man klar abwägen, ob eine Vermietung sich lohnt. Zwar kann die Immobilie Einkünfte bringen, jedoch würde dies nervenauftreibende Konflikte mit sich ziehen, wenn der Mieter nicht zahlen sollte oder mit der Immobilie nicht vernünftig umgeht. Damit man dies vermeiden kann, sollte man einen vertrauenswürdigen Mieter suchen. Referenzen sind dabei sehr wichtig.

Wenn man dann nach Polen kommt, um sich niederzulassen, benötigt man eine Legalisierung des Aufenthalts, d. h. eine Arbeitserlaubnis. Für Länder, die der Europäischen Union angehören, wie Deutschland und die Schweiz, sind solche Dokumente jedoch nicht erforderlich. Die Bür können die Grenze jederzeit legal überschreiten, wenn sie beschließen, nach Polen auszuwandern.

Bei der Ankunft in Polen ist es wichtig, an die Anmeldepflicht zu denken, die vom Ministerium für innere Angelegenheiten und Verwaltung eingeführt wurde. Jeder, der in Polen lebt, muss seinen ständigen oder vorübergehenden Wohnsitz beim zuständigen Amt der Gemeinde, in der er sich aufhält, anmelden. Dies kann auch online geschehen. Die Anmeldung ist kostenlos und gilt für Personen, die länger als 3 Monate in Polen leben.

Vergleich der Wohnungspreise in Polen und Deutschland

Warschau von oben
Warschau von oben

Bei der Entscheidung, in Polen zu leben, sollte man auch die Größe der Stadt berücksichtigen.

Dennoch sind die Preise für den Kauf oder die Miete einer Wohnung in Polen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern recht niedrig. In Warschau zahlt man derzeit etwa PLN 13’500 (EUR 3’375 EUR) pro Quadratmeter für den Kauf einer Wohnung. Im Vergleich zu Hamburg zahlen wir EUR 4’300 pro Quadratmeter, das sind fast EUR 1’000 mehr.

Entscheiden wir uns hingegen für das Mieten, zahlen wir im Durchschnitt PLN 2’500 bis PLN 4’000 PLN (EUR 625 bis EUR 1’000) pro Monat für eine Wohnung von etwa 50 m². In Deutschland liegen die Preise für Wohnungen in Großstädten in einer ähnlichen Spanne zwischen EUR 750 und EUR 1’200. Bei den Mietpreisen unterscheiden sich beide Länder nicht so sehr voneinander.

Wenn man weniger bezahlen möchte, lohnt es sich, andere Städte wie Allenstein, Lublin oder Bydgoszcz zu wählen, wo die Preise wesentlich niedriger sind. Pro m² bezahlt man für den Kauf einer Wohnung in Bydgoszcz beispielsweise PLN 6’105 (EUR 1’500), und für eine 2-3-Zimmer-Wohnung von 50 m² zahlt man PLN 2000 – PLN 3000 (EUR 500 – EUR 750) an Miete. Aktuelle bieten viele Unternehmen Homeoffice an, so dass Sie, wenn Sie sich für Polen entscheiden, nicht in der teuersten Stadt leben müssen.

Eine Wohnung in Polen kann direkt von einer Privatperson oder mit Hilfe einer Agentur gemietet werden. Im letzteren Fall müssen wir eine Provision an den Vermittler zahlen, der die Miete vermittelt. In diesem Fall kann der Preis höher sein, aber die Suche und die Formalitäten werden nicht auf unseren Schultern lasten.

Derzeit besteht in Polen aufgrund der hohen Inflation eine große Nachfrage nach Mietwohnungen, was die Aufnahme von Krediten und den Kauf einer Wohnung stark einschränkt. In diesem Jahr nahm Polen eine sehr große Zahl von Flüchtlingen aus der Ukraine auf, die ebenfalls eine Unterkunft benötigten. Daher gibt es viel mehr Angebote zum Kauf als zur Miete. Die gestiegene Nachfrage wirkt sich auch auf den Anstieg der Preise aus.

Was passiert mit den Krankenversicherung in Deutschland?

Wenn man Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist, dann kann man nach der Rückkehr nach Deutschland diese wieder wie gewohnt aufnehmen. Anders sieht es aber bei einer privaten krankenversicherten Person aus. Diese muss eine Anwartschaft beantragen, sofern die erwirtschafteten Rücklagen nicht verfallen sollen.

Eine in Deutschland abgeschlossene Lebensversicherung kann bei einem Umzug nach Polen mitgenommen werden. Dies sollte man sich aber vom Versicherer schriftlich bestätigen lassen.

Krankenversicherung in Polen

Die Krankenversicherung in Polen basiert auf den ZUS-Beiträgen (Sozialversicherungsanstalt), die für alle in Polen arbeitenden Menschen obligatorisch sind und direkt vom Gehalt abgezogen werden. Alle Beiträge werden an den Nationalen Gesundheitsfonds (NFZ) überwiesen, der für die Versicherung in Polen zuständig ist.

Anspruch auf diese Versicherung haben Bürger der EU-Mitgliedstaaten und der Schweiz. Sie garantiert eine medizinische Grundversorgung, kostenlose Arztbesuche, Behandlungen und die Erstattung von Rezepten.

Viele Polen nutzen jedoch private Arztpraxen und die auf dem Markt angebotenen Zusatzversicherungen, u. a. von PZU (Powszechny Zakład Ubezpieczeń) und Warta. Gründe dafür sind riesige Warteschlangen bei den Fachärzten und die sehr langen Wartezeiten für Operationen, die bis zu 6 Monate betragen können. Ärzte, die in Polen im Rahmen des NFZ tätig sind, sind an eine Höchstzahl von Patienten gebunden, für die der NFZ dem Krankenhaus oder der Klinik entsprechende Mittel für die Behandlung zur Verfügung stellt.

Für eine privatärztliche Behandlung zahlt man je nach Facharzt etwa 150-200 PLN (etwa 50 €) pro Besuch. Derzeit werden in Polen von einigen Arbeitgebern zusätzliche Versicherungspakete als Benefits angeboten. Wenn der Arbeitnehmer sich für ein solches Angebot entscheiden, beträgt sein monatlicher Beitrag nur 70 PLN (etwa 17 €); zusätzlich zum Arbeitgeberanteil.

Kündigungen bei Wegzug aus Deutschland

Alle Versorgungsunternehmen müssen fristgerecht gekündigt werden. Weiterhin müssen auch Zeitschriften und Zeitungen abbestellt werden Es gibt bei der Deutschen Post die Möglichkeit einen Nachsendeantrag zu stellen. Dieser kostet nicht viel Geld. Der Nachsendeantrag gilt für eine Zeittraum von sechs bis zwölf Monate. Es kann trotzdem sinnvoll sein den Briefkasten eines Bekannten als deutsche Adresse zu nutzen.

Unterstützung im Falle der Arbeitslosigkeit

Wenn Sie Ihren Arbeitsplatz verlieren, während Sie in Polen leben, verlieren Sie Ihre Grundversicherung. Ein unterzeichneter Arbeitsvertrag, ein Werksvertrag oder eine eigene unternehmerische Tätigkeit ist die Grundlage für die Sozialversicherung und die NFZ-Versorgung (Krankenversicherung). Nach Beendigung des Vertrages sind wir für die nächsten 30 Tage durch die Versicherung gedeckt. Danach haben wir die Möglichkeit, uns beim Arbeitsamt zu melden, das uns nach Annahme des Meldeverfahrens in das Register der arbeitslosen Arbeitssuchenden einträgt und uns eine kostenlose medizinische Grundversorgung gewährt.

Als Ausländer ist es wichtig, dass Sie mindestens 6 Monate lang ununterbrochen in Polen gearbeitet haben, da Sie sonst vom Arbeitsamt nicht als arbeitslos gemeldet werden.

Als Unterstützung kann das Arbeitsamt eine Geldleistung gewähren, wenn Sie innerhalb eines Zeitraums von 18 Monaten mindestens 1 Jahr lang gearbeitet haben. Derzeit beträgt die Beihilfe für Arbeitslose in Polen 1200 PLN (300 €), was fast der Hälfte des nationalen Mindestlohns entspricht. Es ist eine sehr geringe Unterstützung, die zur Lebenserhaltung nicht ausreicht.

Altersvorsorge und Rente

Bevor man Deutschland für längere Zeit verlassen wird, sollte man Kontakt mit der Rentenversicherungsanstalt aufnehmen. Man kann einen Antrag auf Kontenklärung stellen. Es handelt sich um einen kostenlosen Service, der viele Vorteile bietet und auf freiwilliger Basis funktioniert. So kann man Gewissheit erlangen was fehlende Papiere angeht. Sollten die Unterlagen unvollständig sein, kann man vor dem Umzug noch für Klarheit schaffen.

Natürlich ist es gut, schon in jungen Jahren an die Altersvorsorge zu denken und einen Teil des Einkommens in eine private Rentenversicherung oder in Aktien zu investieren. Dennoch gibt es auch das staatlich geregelte System der Altersvorsorge, an das sich jeder Arbeitnehmer in Polen ganz einfach halten kann.

Das System funktioniert so: Jeder, der in Polen arbeitet, bezahlt einen bestimmten Prozentsatz seines Einkommens als Rentenbeitrag ab. Die Höhe dieses Prozentsatzes hängt von verschiedenen Faktoren ab – etwa vom Alter oder ob man selbstständig ist oder nicht. Im Schnitt sind es aber um die 10%.

Das Rentenalter ist bei Frauen 60 Jahre und bei Männern 65 Jahre. In diesem Alter erhält man also die Rente ausbehahlt. Manchmal ist es allerdings auch möglich, die Rente schon vor dem offiziellen Renteneintritt zu beziehen. Das gilt zum Beispiel dann, wenn man lange in Polen gearbeitet hat oder eine bestimmte Anzahl von Jahren als Beamter tätig war. Allerdings ist die Höhe der Rente in diesem Fall entsprechend niedriger.

Wie hoch die Rente ist, die man bekommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen spielt natürlich die Dauer der Arbeitszeit eine Rolle. Je länger man in Polen gearbeitet hat, desto höher ist auch die Rente. Auch der Verdienst wird berücksichtig – allerdings nur bis zu einer gewissen Grenze, da sonst das System ungerecht würde. Die Höhe dieser Grenze wird jedes Jahr neu festgelegt und liegt im Moment bei rund 4500 Zloty brutto im Monat. Für alle Einkünfte über diesem Betrag zahlt man keine Rentenversicherungsbeiträge mehr ein und erhält deshalb auch keine entsprechende Leistung von Seitens des Staates.“

Studienangebot in Polen für Ausländer

Das polnische Hochschulangebot basiert auf drei Abschlüssen: Bachelor, Master und Promotion. Die meisten Studiengänge sind kostenpflichtig, aber es gibt einige wenige Bedingungen, unter denen sie unentgeltlich sein können.

In Polen gibt es ein System von Vollzeit- (Unterricht von Montag bis Freitag), Teilzeit- (Unterricht an Wochenenden) und Online-Studiengängen. Das Bachelor-Studium dauert 3 Jahre und ist ein Erststudium. Ein Ingenieurstudium dauert ebenfalls 3,5 Jahre. Mit der Ausnahme, dass man nach dem Ingenieurstudium den Titel eines Ingenieurs erhält. Nach Abschluss des Bachelorstudiums muss man, um den Titel zu erhalten, ein Masterstudium beginnen, das weitere 2 Jahre dauert. An den polnischen Universitäten gibt es auch eine einheitliche Form des Magisters, das 5 Jahre dauert. Studien dritten Grades, d. h. Promotionsstudien, sind bereits viel tiefer gehende Studien in einem bestimmten Wissensgebiet. Sie dauern mehrere Jahre.

Jeder, der einen Bachelor-, Ingenieur- oder Masterabschluss hat, kann das Angebot eines Aufbaustudiums nutzen. Die Dauer variiert je nach der gewählten Universität. Im Durchschnitt etwa 1 bis 1,5 Jahre.

Wenn Sie Bürger eines Landes der Europäischen Union oder der Schweiz sind, können Sie in Polen kostenlos studieren. Um sich für ein Hochschulstudium zu bewerben, benötigen Sie einen Sekundarschulabschluss und ggf. Abschlussprüfungen. Alle Dokumente müssen von einem vereidigten Übersetzer ins Polnische übersetzt werden.

Das Angebot an Hochschuleinrichtungen und Studiengängen in Polen wird jedes Jahr größer. Seit der Pandemie ist auch die Möglichkeit des Online-Lernens eingeführt worden. Dadurch hat man eine viel größere Auswahl. Man muss sich nicht an die Universitäten der Stadt anpassen, in der man lebt. Wenn wir uns für ein Online-Studium entscheiden, steht uns ein landesweites Angebot an Hochschulstudiengängen zur Verfügung. Darüber hinaus werden Stipendien an Studierende für herausragende akademische Leistungen vergeben, unabhängig von ihrem Geburtsland.

Ist Polen in der EU?

Europaflagge
Europaflagge

Polen ist seit 2004 ein Mitglied der Europäischen Union und hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Partner innerhalb der EU entwickelt. Polen ist auch eines der Länder, die am meisten von den EU-Fördermitteln profitieren. Die aktuelle Regierung fährt allerdings einen europakritischen Kurs und stellt die Zusammenarbeit mit der EU in Frage. Die Beziehungen zwischen Polen und der EU sind momentan angespannt.

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki begründet die europakritische Haltung seines Landes damit, dass die EU nicht genug für die Länder des Ostens getan habe. Er kritisiert, dass osteuropäische Länder wie Polen immer noch benachteiligt werden und spricht von einer „ungerechten Union“. Die polnische Regierung fordert mehr Mitspracherecht in der EU und setzt sich für eine Reform der Institutionen ein. Sie ist jedoch gegen eine weitere Aufnahme neuer Mitgliedstaaten in die Europäische Union.

Morawiecki glaubt, dass eine engere Zusammenarbeit mit den osteuropäischen Ländern die EU stärken wird. Durch mehr Mitspracherecht dieser Länder in der EU und einer Reform der Institutionen könnte laut Morawiecki die EU wieder zu dem gemeinsamen Projekt werden, das sie sein sollte.







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