Kurs des Schweizer Franken beunruhigt Polen

Der Kurs des Schweizer Franken steigt seit der Freigabe des festen Wechselkurses zum Euro. Viele Polen sind besorgt: Ihre in der Fremdwährung gehaltenen Kredite werden immer teurer. Das einst günstig scheinende Angebot erweist sich als Falle, die Tilgungsraten steigen. Bis zu 1 Million Menschen sind betroffen.

Seit der Entscheidung der Schweizer Zentralbank, den festen Wechselkurs des Schweizer Franken zum Euro zu lösen, steigt der Wert der eidgenössischen Währung. Der Kursanstieg des Franken beunruhigt viele Polen sehr – wahrscheinlich mehr als die Deutschen. Der Grund: Viele Polen haben Kredite, zum Beispiel beim Hauskauf, in angeblich stabilen internationalen Währungen aufgenommen. Besonders angesagt waren jahrelang Kredite in Schweizer Franken.

Doch nun rechnet das Nachrichtenportal tvn24 vor: Am Mittwoch war der Schweizer Franken nur etwa 3,55 Zloty wert, am Donnerstag gab es schon ein Tageshoch von 5,10 Zloty. Wer einen Kredit von 300.000 Zloty (rund 70.000 Euro) über 30 Jahre zurückzahlen muss, hat bei einem Wechselkurs von 1:3,55 eine Tilgungsrate von knapp 1.600 Zloty. Bei einem Wechselkurs von 1:5 sind es schon ca. 2.250 Zloty.

Viele Existenzen bedroht

Für viele Polen kann das eine enorme finanzielle Belastung bedeuten. Rund 600.000 Polen haben solche Kredite in Schweizer Franken. Weil viele Ehepaare gemeinsam Kredite genommen haben, sind schätzungsweise sogar über eine Million Polen direkt betroffen. Es gibt viele Beispiele, wie sich Polen vor der Eurokrise Kredite von etwa 100.000 oder 150.000 Zloty zum Kurs von etwa 1:2 geliehen haben, jetzt aber durch den kontinuierlichen Anstieg des Franken mit über einer halben Million Zloty verschuldet sind. Durch Arbeitslosigkeit oder gesundheitliche Probleme kommen weitere Kosten dazu. Einige berichten davon, dass ihr Leben zerstört sei.

Wirtschaftsminister Janusz Piechocinski (Bauernpartei, PSL) wiegelt dagegen ab. Der Anstieg des Schweizer Franken sei ein „eintägiger Impuls“. Ob er das wirklich glaubt oder nur zur Beruhigung der Bevölkerung sagt, ist nicht klar. Wahrscheinlicher scheint aber, dass die Regierung den Anstieg des Franken genau beobachtet. Die Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hat die Regierung um Ministerpräsidentin Ewa Kopacz (Bürgerplattform, PO) bereits aufgerufen zu reagieren. Anderfalls werde man ein Gesetz einbringen, dass den Kreditnehmern einen niedrigen Wechselkurs garantiere. Dieser solle maximal so hoch sein wie der Wechselkurs vor der Freigabe des Franken-Euro-Wechselkurses.

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