Mehrheit der Polen gegen Flüchtlinge

Wie aus einer aktuellen Umfrage von CBOS hervorgeht, sind 55 Prozent der befragen Polen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Nahe Osten und Afrika. Nur 36 Prozent befürworten die Aufnahme dieser Flüchtlinge. Dafür spricht sich jeder zweite Pole für die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine aus. Doch sollte der Aufenthalt zeitlich begrenzt sein. Insgesamt zeigt sich, dass sich die polnische Bevölkerung allgemein mit Flüchtlingen und Immigranten schwer tut, diese jedoch nicht gänzlich ablehnt.

Polnische FlaggeDie aktuelle Umfrage von CBOS bestätigt den Trend in der polnischen Bevölkerung, wonach die Mehrheit der Polen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und Afrika ist. Jeder zweite Pole spricht sich jedoch für die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine aus.

In der bisherigen europäischen Debatte um die Aufnahmequoten von Flüchtlingen befindet sich Polen in der Gruppe der osteuropäischen Staaten, die sich gegen eine Quotenregelung aussprechen. Bereits beim EU-Gipfel vom 25.06.2014 ist eine feste Quote am Widerstand Poles, Ungarns, Portugals, Großbritanniens, Tschechiens, der Slowakei und der baltische Staaten gescheitert. Diese sah vor ca. 40.000 Flüchtlinge, die sich bereits in der EU befinden, auf die EU-Mitgliedstaaten umzuverteilen. Polen hätte danach 5,6 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen müssen, was ca. 2.400 Personen entspräche. Doch Ministerpräsidentin Kopacz, sowie einige ihrer osteuropäischen Amtskollegen sprachen sich gegen solche festen Quoten und für freiwillige Kontingente aus. Polen hat sich daraufhin bereiterklärt bis zum Jahre übernächsten Jahr 2.000 Flüchtlinge aufzunehmen.

Auf dem EU-Sondergipfel vom 22.09.2015 wurde beschlossen weitere 120.000 Flüchtlinge auf die EU-Mitgliedstaaten umzuverteilen, doch ohne eine feste Quote. In den polnischen Medien wird davon ausgegangen, dass mindestens 5.000 weitere Flüchtlinge nach Polen kommen werden. Damit würde Polen insgesamt etwas über 7000 Flüchtlinge aufnehmen. Die endgültige Zahl wird aktuell noch in Brüssel verhandelt. Doch gab es zwei wirkliche Überraschungen auf dem Sondergipfel. Die erste Überraschung war, dass Polen die Visegrad-Gruppe verlassen hat, die sich bisher geschlossen gegen eine europäische Lösung der Flüchtlingskrise aussprach. Und die zweite Überraschung war, dass die Länder, die sich gegen das erzielte Ergebnis aussprachen – Ungarn, Tschechien, Rumänien und die Slowakei – überstimmt wurden.

Polen tut sich allgemein mit Einwanderern schwer, doch lehnt sie nicht gänzlich ab

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist Polen ein Auswanderland. Über zwei Millionen Polen arbeiten im Ausland und noch immer ist für viele polnische Arbeitnehmer das Ausland attraktiv. Daher fehlen oftmals Erfahrungen mit Migranten, was vor allem aus der Mitgliedschaft im Ostblock resultiert. Einer Befragung von CBOS aus dem Jahre 2004 zufolge waren nur 6 Prozent der Polen der Meinung, dass Polen mehr Einwandere bräuchte. 83 Prozent der Befragten waren der gegenteiligen Meinung. Bei der Befragung zu politischen Flüchtlingen sprachen sich 2004 zwar 75 Prozent der Befragten für deren Aufnahme aus, doch waren nur 27 Prozent für einen dauerhaften Aufenthalt. Gleichzeitig sprach sich 2005 eine Mehrheit der Polen (62 Prozent) dafür aus, dass Menschen, die sich in Polen ansiedeln möchten, dies auch tun dürften.

In den letzten 10 Jahren hat sich in der Einstellung kaum etwas geändert

Eine derzeitige Vergleichsstudie von CBOS zeigt, dass aktuell 76 Prozent der Polen die Aufnahme von Flüchtlingen befürworten, doch 54 Prozent sind der Meinung, dass dieser Aufenthalt zeitlich begrenzt sein sollte. 2004 waren 75 Prozent der befragten für die Aufnahmen von Flüchtlingen, und 48 Prozent für deren zeitlich begrenzt Aufenthalt. Doch lehnt eine Mehrheit der Polen eine zeitlich begrenzte Aufnahme von muslimischen Flüchtlingen ab.

Die Analysen von CBOS zeigen, dass in Polen die fortwährende Mehrheitsmeinung ist, dass man zwar Immigranten nicht braucht, diese jedoch auch nicht gänzlich ablehnt. In der Flüchtlingsdebatte ist man zwar bereit politische Flüchtlinge aufzunehmen, doch sollte dieser Aufenthalt zeitlich begrenzt sein und die Flüchtlinge sollten möglichst nicht aus muslimischen Ländern stammen. Diese Einstellung deckt sich weitgehend mit Befragungen in den restlichen Staaten der Visegrad-Gruppe. Damit wird die polnische Regierung wahrscheinlich auch in der Zukunft zu der Gruppe der EU-Staaten tendieren, die sich in Opposition zu der deutschen Flüchtlingspolitik befindet.

Bild: Polnsiche Flagge // (cc) Lukas Plewnia / polen-heute.de [CC BY-SA 2.0] / Flickr

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