Michnik: Bedroht uns der Faschismus?

Für einiges Aufsehen sorgte ein Leitartikel von Chefredakteur Adam Michnik, der heute in der Gazeta Wyborcza veröffentlicht wurde. Darin beschreibt Michnik die Gefahr des Faschismus für Polen. Zwar sei die Situation nicht wie in den 1920/30er-Jahren mit Hitler und Mussolini vergleichbar, doch gebe es neue, gefährliche Formen des Faschismus. Michnik glaubt, das Verschmelzen von nationalistischen, ausländerfeindlichen und rassistischen Grundüberzeugungen mit kapitalismuskritischen und anderen „linken“ Ideen zu beobachten. Diese Synthese stelle eine neue Gefahr für die liberale Demokratie dar; Auswüchse dessen seien die ideologischen Debatten über In-Vitro, Smolensk oder TV Trwam. Diese würden von rechten Politikern mit Lügen und ohne Kompromiss geführt.

“In Polen gibt es keinen Rassismus“

Erste Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Rechte Journalisten kritisierten Michnik, mit der Dämonisierung der Opposition die Verteidigung einer angeschlagenen Regierung zu betreiben. Andere warfen ihm offen die „Sprache des Hasses“ vor. Andere wiederum nahmen sogenannte „patriotische“ Bewegungen in Schutz und stellten das Vorhandensein von Faschismus oder Rassismus in Polen ganz in Abrede.

Tatsächlich lässt sich jdeoch durchaus ein starkes neofaschistisches Lager in Polen ausmachen, das auch immer wieder auf der Straße oder im Fußballstadion aufmarschiert. Zudem haben viele Verlierer der Transformation im rechten Parteienspektrum ein Sprachrohr gefunden, das mit einer harten ideologischen Gangart für die Radikalisierung dieses Milieus sorgt. Nicht zuletzt gibt es unter der Jugend immer mehr Menschen, für die die marktliberale Demokratie auch keine Perspektiven bieten kann und die sich dann bisweilen der extremen Rechten zuwenden. Die Debatte um den stärker werdenden Faschismus wird in Polen nicht so schnell loslassen – sie wird geführt werden müssen.

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