Polens Offensive als eine der größten fußballerische Stärken Europas

Zu-Null-Siege gegen Österreich (1:0) und Lettland (2:0) ermöglichten der polnischen Nationalmannschaft einen optimalen Start in die Qualifikation zur europaweiten EM 2020. Die größte Stärke Polens kam dabei noch nicht in großem Umfang zur Geltung. Es ist die Offensive, die vielleicht so gut wie nie zuvor aufgestellt ist, seit Kapitän Robert Lewandowski mit Arkadiusz Milik jetzt noch mehr internationale Klasse vorfindet. Was wird bei der kommenden Europameisterschaft möglich sein?

Piatek erweitert die Möglichkeiten des Trainers deutlich

Nach dem enttäuschenden WM-Vorrundenaus 2018 musste sich in Polen etwas ändern. Die erste Maßnahme war wie so oft ein Trainerwechsel, der sich nicht wirklich auszuzahlen schien, wenn man die schwachen bis durchschnittlichen Ergebnisse der UEFA Nations League ansieht. Jerzy Brzeczek heißt der neue starke Mann, unter dem Polen bislang acht Spiele absolvierte, in denen im Schnitt nach Transfermarkt-Statistiken nur 1,13 Punkte gefeiert werden konnten. Doch immerhin: Als es wirklich zählte, waren die weißen Adler zur Stelle und gewannen ihre ersten Spiele zur EM-Qualifikation 2020. Beim 1:0 in Österreich traf der Stürmer, der dem Trainer vielseitige neue Möglichkeiten bereitet und ihm auf lange Sicht eine erfolgreiche Amtszeit bescheren konnte. Die Rede ist natürlich von Krzysztof Piatek, dessen Stern beim FC Genua 1893 aufging, wo er in der Hinrunde 2018/19 in 21 Spielen 19 Tore erzielte und sich in die Notizbücher aller Scouts in Europa spielte. Ein Winterwechsel war für Genua laut OneFootball nicht vermeidbar, sodass Piatek mittlerweile für den Traditionsklub AC Milan kickt.

Dort läuft es nicht allzu viel schlechter als zuvor im 100 Kilometer südlich an der Mittelmeerküste gelegenen Genua. Der polnische Stürmer benötigte für 10 Tore ganze 14 Spiele bei seinem neuen Klub. Mit insgesamt 21 Ligatoren steht der Neuzugang von Cracovia Krakau auf dem zweiten Platz der Serie A Torjägerliste, einen Treffer hinter Fabio Quagliarella (Sampdoria Genua). Platz 5 der italienischen Torschützenliste nimmt schließlich Arkadiusz Milik ein. Nach vielen Verletzungen ergeht es dem ehemaligen Leverkusener Stürmer 2018/19 besser. Beim SSC Neapel ist er unter Carlo Ancelotti gesetzt und traf bereits 17 Mal ins Schwarze. Der dominante Sturm-Dreizack wird durch Kapitän Robert Lewandowski vervollständigt. In den Fussball Wetten ist sein Klub Bayern München mit einer Quote von 1,25 (Stand 22. April) der große Favorit auf die Meisterschaft, während der Pole selbst die Torjägerliste der Bundesliga anführt. Dreimal konnte er sich bereits über die Kanone freuen und vier Tore Abstand zum Zweitplatzierten Luka Jovic werden wohl nicht mehr aufzuholen sein, seit der 30-jährige aus Warschau wieder regelmäßig trifft.

Israel als Hauptkonkurrent in der Qualifikation

Seine Treffsicherheit stellte Lewandowski in der EM-Qualifikation dann erstmals in der zweiten Partie gegen Lettland unter Beweis. Beim 2:0 Erfolg in Warschau erzielte der Kapitän in der 76. Minute das späte sowie wichtige 1:0 und steuerte damit den Dosenöffner bei. Innenverteidiger Kamil Glik legte den entscheidenden zweiten Treffer nach, sodass sich Polen nach einem perfekten Start an der Tabellenspitze sonnen darf und von einer ähnlich erfolgreichen Qualifikation wie 2016 träumen darf. Zum härtesten Gegner scheint sich unerwartet nicht Österreich, sondern das vom Österreicher Andreas Herzog trainierte Israel zu entwickeln.

Nach einem 1:1 gegen Slowenien schlugen die Israelis Österreich mit 4:2 und nahmen ihnen laut kicker die Lust durch defensive Taktik, nachdem sie überraschend vier Tore in Folge schossen. Dennoch handelt es sich bei Israel nicht um einen Gegner auf Augenhöhe mit Polen, sodass die Qualifikation, welche ohnehin die ersten beiden Teams erreichen, kein Problem darstellen sollte. Es wird am Ende vielmehr in der Endrunde darauf ankommen, das unbestritten hohe Potential endlich auf den Rasen zu bringen. Insbesondere Spätstarter Piatek steht als zusätzliche Stärke in der Offensive stellvertretend für das gestiegene Potential Polens. So wird es beim Turnier darauf ankommen, besonders unvorhergesehene Gewinne zu feiern, wie es etwa beim 2:0 Erfolg gegen den deutschen Nachbarn im Oktober 2014 der Fall war.

Die Favoriten der EM werden nach wie vor andere Mannschaften sein. Doch schon 2016 verloren die weißen Adler am Ende nur unglücklich im Viertelfinale gegen den späteren Turniersieger Portugal, als Jakub Blaszczykowski im Elfmeterschießen vergab. So ist vielleicht das Glück 2020 auf der Seite Polens, um den größten Erfolg seit der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien einzufahren. Wenn neben der überragenden Offensive auch die Abwehr in den K.o.-Spielen ihre volle Leistungsfähigkeit abruft, ist ein Platz auf dem Podest keineswegs ausgeschlossen.

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