Radoslaw Sikorski und sein schlechtes Gedächtnis

Ex-Außenminister Radoslaw Sikorski wurde mit den Worten zitiert, Wladimir Putin habe Donald Tusk 2008 die Aufteilung der Ukraine angeboten. Inzwischen hat sich dies als Fehlinformation erwiesen. Selbst Sikorski musste zurückrudern und sein schlechtes Gedächtnis als Entschuldigung vorschieben. Seine Partei versucht Ruhe zu bewahren.

In den polnischen Medien, aber auch im internationalen Blätterwald rauschte es gewaltig, als Ex-Außenminister Radoslaw Sikorski davon sprach, dass Wladimir Putin Polen die Teilung der Ukraine angeboten hätte. Kommentatoren überschlugen sich damit, das „typische Verhalten des imperialistischen Russlands“ zu verurteilen. Kaum beachtet – oder komplett ignoriert – wurden dagegen die zahlreichen Dementis.

Zunächst schrieb der jetzige Sejm-Marschall Radoslaw Sikorski auf Twitter, dass seine Zitate im Bericht des US-Magazins Politico nicht autorisiert seien. Einige seiner Worte seien „überinterpretiert“ worden. Später sagte er in einem Interview, dass er bei dem angeblichen Treffen von Donald Tusk und Wladimir Putin im Jahre 2008 gar nicht anwesend gewesen sei, sondern nur davon gehört habe.

Bürgerplattform will Affäre unter den Teppich kehren

Doch es geht noch weiter: Ex-Ministerpräsident Donald Tusk sagte in einem Radiointerview, dass es nie ein Angebot einer Teilung der Ukraine von gegeben hätte. Man habe zu der Zeit gar nicht über die Ukraine gesprochen. Auch habe kein intimes Vieraugengespräch stattgefunden. Durch die ukrainische Presseagentur UkrInform wird Sikorski dann auch mit den Worten zitiert, sein Gedächtnis habe versagt. Aus dem Bericht im Politico ist die Passage mit dem angeblichen Angebot von Wladimir Putin inzwischen verschwunden.

Im Zuge der Aufregung geriet Radoslaw Sikorski kurzfristig durch die Opposition in Polen und auch Parteifreundin Ewa Kopacz (Bürgerplattform, PO) unter Beschuss. Die neue Ministerpräsidentin soll angeblich mit der Absetzung von Sikorski als Sejm-Marschall geliebäugelt haben. Doch Sikorski konnte sich retten, wohl nicht zuletzt durch einflussreiche Freunde. Für Donald Tusk jedenfalls ist die Sache abgeschlossen, damit dürfte auch in der Bürgerplattform bald Ruhe einkehren. Vor den nächsten Wahlen will man der Opposition sowieso keine Angriffsfläche bieten.

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