Rosenmontag in Düsseldorf: Zank um Polen-Skulptur

Der Künstler Jacques Tilly stellt jedes Jahr während der Faschingsumzüge seine Werke der Öffentlichkeit vor. Mit seinen satirischen Skulpturen kommentiert er das aktuelle politische Geschehen. In diesem Jahr widmete er eines seiner Werke Polen. Viele Polen betrachten das Werk mit viel Humor, es fehlt aber auch nicht an scharfer Kritik.

KamelDer Rosenmontag ist ein Tag, der in Polen nicht bekannt ist – genauso wie der Brauch der Faschingsumzüge. Nichtsdestotrotz rief der Umzug in Düsseldorf in den polnischen Medien und unter den Bürgern eine große Diskussion hervor. Streitpunkt ist ein Wagen mit einer der satirischen Skulpturen des bekannten Karnevalskünstlers Jaques Tilly. Eines seiner diesjährigen Werke stellt eine traurige Frau dar, deren Kopf sich unter dem Stiefel von Jaroslaw Kaczynski befindet. Diese Frau verkörpert Polen, wie es auf ihrer Kleidung auch steht. Die Figur Kaczynskis trägt ein Uniform und schwarze Sonnenbrille, neben ihm steht ein Radio mit der Aufschrift „Radio Maryja“.

Die satirische Darstellung des heutigen Polens war nicht das einzige Kunstwerk Jacques Tillys beim diesjährigen Faschingsumzug in Düsseldorf. Er formte auch die Skulpturen von Angela Merkel und dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan. Die Meinungen zur „polnischen“ Figur sind sowohl unter Politikern, als auch unter den Bürgern sehr unterschiedlich. Einige meinen, der Umzugswagen sei eine gelungene Satire, die mit viel Humor und Distanz die aktuelle Situation in Plen darstelle. Es sei auch sehr gut, dass die Polen einen derartigen „Kommentar“ von außen sehen könnten – dadurch sehe man doch genau, wie Polen im Ausand gesehen werde. Andere dagegen kritisieren das Kunstwerk sehr mit der Begründung, die Deutschen sollten erst einmal auf sich selber schauen und nicht gleich das Nachbarland beleidigen.

Der kritischen Meinung ist auch die polnische Diplomatie – Außenminister Witold Waszczykowski sagte, er wolle „auf diplomatische Art und Weise“ die deutsche Seite fragen, wozu derartige Verspottung dienen solle. Er fügte hinzu, die Skulptur des deutschen Künstlers sei ein Exzess, der nur vom Geschmack der westlichen Nachbarn Polens zeuge. Mit der Frage an die deutschen Amtskollegen wolle Waszczykowski die künstlerische Meinungsfreiheit aber nicht verletzen.

Jacques Tilly kommentierte sein Werk in polnischen Medien. Er versicherte, dass er niemanden beleidigen wollte. Die Ereignisse auf der politischen Bühne Polens seien von großer Bedeutung für ganz Europa. Deswegen habe er sich entschieden, seinen Kommentar dazu auf seine Art und Weise äußern.

Bild: Kamel // (cc) Lukas Plewnia [CC BY-SA 2.0] / polen-heute.de/Flickr

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